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Christian Schwarzer (l.) gewann 2007 den WM-Titel mit der deutschen Nationalmannschaft
Christian Schwarzer (l.) gewann 2007 den WM-Titel mit der deutschen Nationalmannschaft © SPORT1-Grafik: Imago
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München - Christian Schwarzer, WM-Held von 2007, analysiert den DHB-Kader und die Chancen des deutschen Teams bei der WM 2019. Tobias Reichmann fehlt ihm, eine Position ist problematisch.

Hallo Handball-Fans,

der Kader für die Heim-WM steht fest. Der Bundestrainer hat seine Eindrücke aus den vergangenen Monaten einfließen lassen. (Alle Infos zur Handball-WM 2019)

Überraschend ist die Nichtnominierung von Tobias Reichmann. Aus meiner Sicht hätte er mit seiner Klasse und seiner Erfahrung mit gemusst. Tim Suton ist noch ein junger Spieler, der ein Mann für die Zukunft im DHB-Team ist. Auch Philipp Weber vom SC DHfK Leipzig ist immer eine gute Option. Es wundert mich, dass er nicht dabei ist.

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Mit Patrick Groetzki ist nun nur noch ein nomineller Rechtsaußen im Kader. Fabian Wiede und Steffen Weinhold können diese Position zwar auch ausfüllen, jedoch nicht so, wie es ein Groetzki oder Reichmann können.

Reichmanns Qualitäten auf der Rechtsaußen-Position sind mit Sicherheit besser als die von Wiede oder Weinhold. Er zeigt Woche für Woche in der Bundesliga, welche Qualitäten er hat.

Der verletzungsbedingte Ausfall von Julius Kühn wiegt schwer. Seine Shooter-Qualitäten aus dem Rückraum sind nicht zu ersetzen. Diese müssen nun als Mannschaft kompensiert werden. Finn Lemke hat in Melsungen nach dem Ausfall von Kühn seine Qualitäten im Angriffsspiel gezeigt. Er kann auch problemlos aus zehn, elf Metern ein Tor erzielen.

Alternativ wird Prokop aber eher auf die kleineren, schnelleren und flexibleren Spieler setzen. Dafür wird besonders wichtig sein, dass der Bundestrainer einem Steffen Fäth sein Selbstvertrauen wieder einimpft, was er im Moment bei den Rhein-Neckar Löwen leider nicht hat. Er bringt seine beste Leistung, wenn er Selbstvertrauen hat.

Ein weiterer Schlüssel für ein erfolgreiches Turnier wird eine gute Abwehr im Verbund mit zwei sehr guten Torhütern sein. Andreas Wolff und Silvio Heinevetter müssen als "Team im Team" funktionieren und ihre beste Leistung abrufen.

Davor dann eine kompakte Abwehr, wahrscheinlich meistens im 6:0-System mit Patrick Wiencek, Hendrik Pekeler und Lemke als wichtige Stützen im Abwehrzentrum. Die Abwehrarbeit legt dann den Grundstein für die schnellen Außen Uwe Gensheimer, Matthias Musche und Groetzki und die einfachen Tore im Gegenstoß. Das ist die beste Art, den Gegner kaputt zu machen.

Im Angriffsspiel braucht es ein flexibles System. Auf der Spielmacherposition haben wir mit Martin Strobel einen sehr spielintelligenten Rückraummitte, der aktuell nur in der zweiten Liga tätig ist. Es ist fraglich, ob das für Weltmeisterschaftsniveau und das Mitspielen um die Medaillen reicht.

Wir haben leider keinen Andy Schmid, der würde unserem Spiel gut tun. Natürlich können zum Beispiel Wiede und Drux auch als Spielmacher agieren, aber in der wichtigen Phase eines Spiels brauchst du jemanden, der die richtigen Entscheidungen trifft und das auch Woche für Woche im Verein auf dieser Position macht.

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Vor dem WM-Start werden natürlich wieder Erinnerungen an 2007 wach, doch die Voraussetzungen sind komplett anders. Man hat diesmal einen relativ unerfahrenen Trainer und es gilt, dass die erfahrenen Spieler die Hauptverantwortung tragen und die jungen Spieler jeweils ihre Position im Team und in der Hierarchie finden.

Der wichtige Start gegen Korea, die einen sehr ungewohnten Handball für europäische Verhältnisse spielen, hat seine Tücken. Aber die Mannschaft muss sich dort das Selbstvertrauen für die nächsten schweren Aufgaben in der Gruppe holen. Helfen kann dabei auch die Leidenschaft der Fans. Diese ist weiterhin da und muss von der Mannschaft mit starken Leistungen verstärkt werden, sodass Team und Fans zu einer Einheit werden. (Spielplan der Handball-WM 2019)

Dann kann auch mein Wunschfinale Deutschland gegen Dänemark Realität werden.

Euer Christian Schwarzer

Christian "Blacky" Schwarzer, 49, hat 318 Länderspiele für Deutschland absolviert und erzielte dabei 965 Tore. Mit dem TBV Lemgo gewann der Kreisläufer den DHB-Pokal (2002) und die Deutsche Meisterschaft (2003). 2006 fügte er mit Lemgo noch den EHF-Cup seiner Titelsammlung hinzu. Bereits zuvor holte er mit dem FC Barcelona in Spanien das Triple aus Meisterschaft und Pokal sowie der Champions League (2000). Mit der Nationalmannschaft holte er 2004 Silber bei den Olympischen Spielen in Athen und wurde im gleichen Jahr Europameister. Beim Wintermärchen 2007 gewann er mit dem DHB-Team Gold im eigenen Land.

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