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Berlin - Die deutschen Handballer liefern Weltmeister Frankreich einen packenden Kampf, verschenken aber Sekunden vor Schluss den Sieg. Für die WM-Hauptrunde reicht der Punkt trotzdem.

Bundestrainer Christian Prokop sank erschöpft auf seine Bank, Kapitän Uwe Gensheimer trat vor Wut gegen den Torpfosten, ehe er mit seinen Mitspielern unter Applaus und "Deutschland"-Rufen auf die Ehrenrunde ging:

Die deutschen Handballer hatten in einem dramatischen Spiel gegen Weltmeister Frankreich den Sieg bis zur Schlusssekunde vor Augen, durch das 25:25 (12:10) im Hexenkessel von Berlin steht die DHB-Auswahl aber zumindest vorzeitig in der Hauptrunde - der Medaillentraum lebt weiter.

"Wir haben dem Weltmeister 60 Minuten lang einen richtigen Fight geliefert", sagte ein hochzufriedener Prokop im ZDF: "Wir wollen diese WM zu unserer WM machen. Dafür zählt die Art und Weise, die hat heute total gestimmt. Wahnsinn von meiner Mannschaft."

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Gensheimer, mit vier Toren gemeinsam mit Fabian Wiede und Martin Strobel bester Werfer der DHB-Auswahl, ergänzte: "Wir haben so ein geiles Spiel abgeliefert, einen Riesenkampf hingelegt, wir hätten den Sieg verdient gehabt. Aber am Ende haben wir uns wieder nicht belohnt. Aber wir werden das schnell abschütteln." Wiede erklärte forsch: "Egal wer kommt, wir sind bereit." (WM-Spielplan)

DHB-Team wohl mit drei Punkten in Hauptrunde

Gegner im letzten Gruppenspiel ist Serbien am Donnerstag (Handball-WM, Deutschland vs. Serbien, Do., ab 18 Uhr im LIVETICKER). Frankreich, das weiter ohne den kürzlich genesenen Superstar Nikola Karabatic auskam, hat die nächste Turnierphase durch das Remis ebenfalls erreicht.

Das DHB-Team nimmt mindestens einen Punkt mit in die Hauptrundenspiele. Sollte Brasilien sich mit einem Sieg gegen Korea erwartungsgemäß den dritten Platz in Gruppe A sichern, startet Deutschland gar mit der sehr guten Ausgangsposition von drei Punkten in die Hauptrunde. Dort sind ab Samstag in Köln die besten drei Teams aus Gruppe B die Gegner. (WM-Tabellen)

Wiede Spieler des Spiels

Angetrieben von 13.500 frenetischen Fans in Berlin war die Abwehr um Patrick Wiencek und Torhüter Andreas Wolff von Beginn an auf Betriebstemperatur, jede gute Aktion wurde von der deutschen Bank lautstark bejubelt. Erst nach knapp sieben Minuten erzielte Frankreich sein erstes Tor zum 1:2.

Die aggressiven Abwehrreihen dominierten das Geschehen, beide Teams kamen allerdings auch aufgrund vieler technischer Fehler kaum zu leichten Treffern. Gensheimer, der sein Geld bei Paris St. Germain verdient, scheiterte in seinem 13. Versuch im laufenden Turnier erstmals mit einem Siebenmeter (13.).

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 In der 19. Minute ging Frankreich durch Luc Abalo erstmals in Führung (5:4), Wolff hatte zuvor fünf Hochkaräter entschärft. In dieser Phase kurz vor dem Seitenwechsel avancierte Fabian Wiede von den Füchsen Berlin zum auffälligsten deutschen Spieler. Der Rückraumspieler, der auch zum Spieler des Spiels gekürt wurde, sorgte mit zwei Toren und tollen Zuspielen federführend für eine zwischenzeitliche 8:6-Führung der deutschen Mannschaft (25.), woraufhin Frankreichs Trainer Didier Dinart den Torhüter wechselte.

Karabatic nur auf der Tribüne

"Die Abwehr war richtig gut. Die Franzosen bei zehn Toren zu halten, schafft kaum eine Mannschaft. Vorne können wir noch zulegen", sagte Teammanager Oliver Roggisch in der Halbzeitpause. Doch die deutsche Mannschaft erwischte einen Stolperstart nach dem Seitenwechsel, Prokop setzte in der 35. Minute einen neuen Akzent und brachte im Tor Silvio Heinevetter für den tadellosen Wolff.

Der zuvor kritisierte Spielmacher Strobel zeigte nun viel Initiative, die Partie blieb hochspannend bis zum Ende. Obwohl bei Frankreich der frühere Bundesligaprofi Kentin Mahe mit neun Toren überragte und Timothey N'Guessan in letzter Sekunde noch ausglich, fehlte Karabatic den Blauen in diesem Spiel schmerzlich: Der dreimalige Welthandballer war drei Monate nach seiner Fuß-OP überraschend am Sonntag ins Training des Titelverteidigers eingestiegen, nachdem er seine WM-Teilnahme eigentlich abgesagt hatte.

Der 34-Jährige wurde von den Franzosen allerdings auch gegen Deutschland noch nicht nachnominiert, auf der Tribüne schüttelte er angesichts des Spielverlaufs immer wieder den Kopf.

Böhm wird zur tragischen Figur

In der dramatischen Schlussphase konnte sich das deutsche Team noch einmal eine Zwei-Tore-Führung erspielen. "Ich glaube, wir haben den Zuschauern heute eine richtig gute Show geboten", sagte Rückraumspieler Fabian Böhm.

Der wurde wenige Sekunden vor Schluss aber auch zum Pechvogel, als er einen Passversuch auf Uwe Gensheimer ins Aus spielte. Drei Sekunden vor Schluss musste er mit einer Zwei-Minuten-Strafe vom Feld, den fälligen Freiwurf verwandelte Frankreichs Timothey N'Guessan mit der Schlusssirene.

Nach der ersten Enttäuschung richtete sich der Blick aber schnell wieder nach vorne. "Das war das beste Spiel seit zwei Jahren", sagte DHB-Vizepräsident Bob Hanning. Hält das DHB-Team dieses Niveau kann es etwas werden mit dem Traumziel WM-Halbfinale.

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