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München und Gizeh - Deutschland startet in die Handball-WM mit einem geschichtsträchtigen Kantersieg gegen Uruguay. Bundestrainer Gislason kritisiert - nicht zuletzt Kapitän Gensheimer.

Ganz unabhängig davon, ob das akut vor der Absage stehende zweite Vorrundenspiel gegen Kap Verde am Sonntag (ab 18 Uhr im LIVETICKER) nun stattfinden kann oder ins Wasser fällt:

Dieser erfolgreiche WM-Auftakt der deutschen Handball-Nationalmannschaft hatte viele schöne Geschichten produziert. (Handball-WM 2021 vom 13. bis 31. Januar im LIVETICKER).

Nicht nur, dass für die Auswahl des Deutschen Handball-Bundes (DHB) das 43:14 über Uruguay zur historischen Angelegenheit geriet und der beste Aufgalopp in eine Weltmeisterschaft seit 63 Jahren war - nur beim 46:4 gegen Luxemburg bei der WM 1958 war ein deutsches Team deutlicher in ein Turnier gestartet. 

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Kapitän Uwe Gensheimer avancierte mit nunmehr insgesamt 174 Toren obendrein zum deutschen WM-Rekordtorschützen, löste Florian Kehrmann (173) ab. (Spielplan und Ergebnisse der Handball-WM 2021).

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Vor allem aber: Das souveräne Ergebnis im ersten Vorrundenspiel ließ das Team von Alfred Gislason beim umstrittenen Mega-Turnier in Ägypten gleich einen großen Schritt in Richtung Hauptrunde machen. 

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Alles prima also auch beim Bundestrainer ("Es war sehr gut, dass die Jungs bis zum Ende durchgezogen haben"), der in Rechtsaußen Timo Kastening angesichts dessen neun Toren seinen besten Werfer hatte? (Handball-WM 2021: Die Tabellen)

Nicht so ganz. Immer wieder war Gislason zuvor mit verschränkten Armen an der Seite auf und ab getigert, hundertprozentig zufrieden wirkte er mit dem Offensivspiel keineswegs. (Modus und mehr: So läuft die Handball-WM 2021)

"So viele Fehlwürfe dürfen uns nicht passieren", motzte der Isländer hinterher. "Das darf uns so nicht passieren, darüber habe ich mich geärgert." Bereits beim Stand von 11:3 (22.) in der ersten Auszeit des Außenseiters hatte Gislason moniert: "Wir haben elf Tore, aber acht Fehlwürfe gegen den Torhüter."

Allein Gensheimer vergab in den ersten 25 Minuten vier Großchancen fahrlässig, darunter einen Siebenmeter - und ließ nach dem Schützenfest, an dem sich auch Marcel Schiller und David Schmidt (beide 5) noch am besten beteiligten, bei Gislason große Gefühle kaum aufkommen.

Der Linksaußen von den Rhein-Neckar Löwen, der in der ersten Halbzeit dreimal traf, musste nach dem Wechsel auf die Bank - was wegen Gislasons Rotationsplänen wohl aber auch bei einer besseren Wurfquote passiert wäre.

Gensheimer mit vielen Fahrkarten

"Uwe hat für meinen Geschmack ein bisschen viel verworfen", sagte Gislason in der ARD - und fügte an: "Es war das Ziel, uns weiter einzuspielen. Das ist nur bedingt gelungen. Zum Ende hin hat es uns der Gegner sehr leicht gemacht."

Zwar wuchs das deutsche Tore-Polster in der Folge immer mehr. Trotzdem hätte das am Ende standesgemäße Ergebnis gegen eine aggressiv agierende Deckung des Underdogs aus Uruguay früher schon viel deutlicher ausfallen müssen. (Handball-WM: Die wichtigsten Regeln)

Immerhin: Julius Kühn zählte im Rückraum zu den stärksten Akteuren, nach der Pause drehte auch Kastening ("Es war wichtig, in das Turnier reinzukommen und den Schwung mitzunehmen") immer mehr auf.

Defensiv wiederum machte die umgebaute Deckung um Johannes Golla und Sebastian Firnhaber einen sicheren Eindruck, im Tor glänzte Johannes Bitter, der überraschend den Vorzug gegenüber Andreas Wolff bekommen hatte.

Deutschland-Spiel gegen Kap Verde vor Absage

Was ebenso positiv ins Gewicht fiel: Gislason konnte auf allen Positionen fleißig Personal tauschen, auch Juri Knorr kam wie sechs weitere Spieler zu seinem WM-Debüt.

In der zweiten Hälfte, in der die DHB-Auswahl eine andere Deckungsvariante spielte, reduzierte Deutschland die Fehlerquote deutlich. Folge: Dem Außenseiter gingen die Kräfte aus. 

Womöglich mehr Gegenwehr dürfte dann im zweiten Spiel gegen Kap Verde zu erwarten sein - sofern es denn steigen darf und nicht abgesagt wird.

Erneut wurden zwei weitere Spieler bei den Afrikanern positiv getestet, nachdem die Mannschaft trotz aller Corona-Probleme am Freitagabend bereits ihr WM-Auftaktspiel in Gizeh gegen Ungarn bestritten hatte und erwartungsgemäß verlor (27:34).

Bitter warnt: Kap-Verde-Spiel wäre fahrlässig

Bedenklich: Weil Kap Verde wegen vorheriger Coronafälle lediglich mit elf Spielern nach Ägypten gereist ist, kommt die Mannschaft nicht auf die laut Reglement vorgeschriebenen zehn Spieler.

Das Competition-Management des Weltverbands IHF wird am Sonntag um 10 Uhr über die Austragung des Spiels gegen Deutschland entscheiden." Die Chance auf das Spiel gegen uns wird als äußerst klein dargestellt. Das Spiel ist kaum zu verwirklichen", sagte DHB-Sportvorstand Axel Kromer am Samstag.

Nach dem Uruguay-Spiel hatte bereits DHB-Keeper Johannes Bitter große Bedenken geäußert. 

"Das ist eine ungenügende Situation. Wir hoffen immer noch, dass das Spiel vielleicht nicht stattfindet, weil wir uns nicht wohlfühlen im Moment", sagte der der ARD. "Ich finde es schwierig. Aus meiner ganz persönlichen Sicht ist das fahrlässig, dass sie spielen." Die Partien mit kapverdischer Beteiligung seien "verantwortungslos".

Corona-Situation belastet Keeper Bitter

Bereits vor der Anreise nach Ägypten hatte es beim Team Kap Verdes etliche Coronafälle gegeben. Cheftrainer Jose Tomas reiste Medienberichten zufolge wie ein halbes Dutzend an Corona erkrankter Spieler erst gar nicht mit an den Nil.

Wegen der positiven Tests hatten die DHB-Verantwortlichen erwirkt, dass die Delegation des Inselstaats zunächst in einem Quarantäne-Hotel isoliert wurde.

Nach durchweg negativen Befunden waren die Afrikaner am Freitagabend dann auch im Teamquartier der deutschen Mannschaft untergebracht worden.

So oder so bleibt die Konzentration im DHB-Lager hoch: "Die Aufgabe wird etwas schwerer", prophezeite Gislason.

Der dritte DHB-Vorrundengegner am Dienstag soll Ungarn sein - und kann dann spätestens vielleicht auch beim Bundestrainer mehr Zufriedenheit ins Gesicht zaubern. Dafür muss aber Gensheimer zu seiner Treffsicherheit finden.

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