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Celtic-Fans bejubeln ein Tor gegen den Erzrivalen Glasgow Rangers
Celtic-Fans bejubeln ein Tor gegen den Erzrivalen Glasgow Rangers © Getty Images
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München - Old Firm - das Spiel, das Glasgow in zwei Hälften teilt. SPORT1 erklärt, warum es im am häufigsten ausgetragenen Derby der Welt um mehr als nur um Fußball geht.

Es gibt auf der britischen Insel zahlreiche Stadtduelle, in denen eine lange und erbitterte Feindschaft verwurzelt ist. Sei es das Londoner Derby zwischen dem FC Arsenal und Tottenham Hotspur oder das Manchester-Derby zwischen United und City.

Das brisanteste Derby Großbritanniens ist allerdings das sogenannte "Old Firm" zwischen Celtic Glasgow und den Glasgow Rangers. Und das am meisten ausgetragene Derby der Welt geht weit über die sportliche Rivalität hinaus - es geht um soziales Prestige, um Religion und um Politik.

SPORT1 erklärt den Mythos des Old Firm.

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Aus "Lieblingen" werden Rivalen

Als Celtic die Rangers 1888 zu seinem allerersten Spiel eingeladen hatte, deutete einiges darauf hin, dass sogar eine Freundschaft entstehen könnte. Das Magazin Scottish Sport betitelte die beiden sogar als "Lieblinge", die sehr "kumpelhaft" miteinander umgehen würden.

Doch die Sympathie hielt nicht lange. Celtic etablierte sich neben den Rangers zu einer Macht im schottischen Fußball. Aus einer fußballerischen Freundschaft wurde auf einmal eine Rivalität, die die Massen elektrisierte.

Rekordverdächtige Zahlen

Celtic wurde bislang 49 Mal Schottischer Meister – Rekordmeister sind aber die Rangers mit 54 Meistertiteln. Allein an diesen Zahlen lässt sich ablesen, wie sehr diese beiden Vereine den schottischen Fußball prägen.

415 Mal trafen sie aufeinander und die Bilanz könnte dabei kaum ausgeglichener sein. 156 Mal hieß der Sieger Celtic, 160 Mal waren die Rangers erfolgreich. Der Zuschauerrekord datiert aus dem Jahr 1971, als 132.870 Besucher das Old Firm im Celtic Park verfolgten.

Und dennoch sind es nicht nur diese rekordverdächtigen Zahlen, die das Old Firm zu dem machten, für das es bekannt ist.

Soziale, religiöse und politische Konfliktfelder

Allein die verschiedenen Philosophien der beiden Vereine machten Konflikte seit jeher unvermeidbar. Celtic wurde 1887 von einem irischen Ordensbruder mit dem Ziel gegründet, die Armut in Glasgow zu lindern.

Celtic gilt deshalb als Verein der Katholiken und pflegt den Unabhängigkeitsgedanken. Die Vereinsfarben Grün-Weiß sind auf die Landesflagge von Irland zurückzuführen. Auf dem Dach des Celtic Parks wird nicht etwa die britische Fahne, sondern die schottische und die irische Flagge gehisst.

Rangers v Celtic - Scottish Cup Semi Final
Fans von Celtic Glasgow mit einer irischen Fahne © Getty Images

Die Rangers dagegen waren der Verein der sozialen Oberschicht, des Establishments und der Verein der protestantischen Unionisten, die sich dem Vereinigten Königreich zugehörig fühlen. Das zeigen schon die Vereinsfarben: Blau, Weiß, Rot – die Farben des Union Jack.

Sie gingen sogar so weit, dass sie für lange Zeit keine Katholiken in ihren Verein aufnahmen. Erst über 100 Jahre nach der Gründung wurde 1989 mit Maurice "Mo" Johnston der erste bekennende Katholik von den Rangers verpflichtet.

Celtic v Rangers - Scottish Premier League
Fans der Glasgow Rangers präsentieren die Farben Blau, Weiß und Rot © Getty Images

"The Old Firm"

Das Old Firm steht also symbolisch für einen sozialen, politischen und religiösen Klassenkampf. "The Old Firm" kann als "Das alte Beständige" übersetzt werden. Für die Herkunft dieses Begriffes gibt es mehrere Theorien.

Sei es die Äußerung eines Kommentators, der die beiden Mannschaften als "Old firm friends" bezeichnete, oder ein satirischer Cartoon vor dem Finale des Schottischen Pokals 1904, auf dem ein alter Mann ein Schild mit der Aufschrift "Patronise the old firm" in den Händen hielt.

Andere Quellen behaupten, es hänge mit der finanziellen Dominanz der beiden Klubs in Schottland zusammen.

Was auch immer der tatsächliche Ursprung sein mag, jedes kleine Kind weiß heutzutage in Schottland, was gemeint ist, wenn das Old Firm ansteht.

Celtic und Rangers im Titelkampf

Nach dem Zwangsabstieg in Folge der Insolvenz im Jahr 2012 mussten die Rangers lange Jahre auf ihren nächsten Derby-Sieg warten.

Erst im zehnten Liga-Duell seit dem Wiederaufstieg 2015/2016 konnte der Rekordmeister im Dezember 2018 wieder ein Old Firm für sich gewinnen und sorgte damit nach Jahren der Langeweile wieder für Spannung in der Liga.

Somit sind die Rangers im dritten Jahr nach ihrem Wiederaufstieg in die höchste Spielklasse wieder ein ernstzunehmender Titelkandidat. 

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