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Nach dem Aus im Champions-League-Viertelfinale 2013 gegen den BVB ging es für den FC Málaga stetig bergab
Nach dem Aus im Champions-League-Viertelfinale 2013 gegen den BVB ging es für den FC Málaga stetig bergab © Getty Images
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München - Der FC Málaga erlebt in den letzten Jahren einen dramatischen Niedergang. Zum ersten Spiel der Saison darf der Klub mit nur zwölf Profis im Kader anreisen.

Etwas mehr als sechs Jahre ist es inzwischen her, da stand der FC Málaga schon mit weit mehr als einem Bein im Halbfinale der Champions League.

Nach einem torlosen Unentschieden im Viertelfinal-Hinspiel gegen Borussia Dortmund führten die Andalusier im Rückspiel im Signal Iduna Park nach 90 Minuten mit 2:1. Was folgte, war eines der vielleicht größten Comebacks des BVB und ein Spiel, das später sinnbildlich für die nächsten Jahre der Spanier stehen sollte.

Nachdem Marco Reus in der 91. Minute zunächst den Ausgleich erzielt hatte, machte Felipe Santana den Wahnsinn mit seinem Siegtreffer zum 3:2 nur zwei Minuten später endgültig perfekt. Während der Jubel auf Seiten der Schwarz-Gelben im Anschluss keine Grenzen mehr kannte, versank ganz Málaga in einer tiefen Trauer, aus der sich der Klub bis heute nicht herausgekämpft zu haben scheint.

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Málaga reist mit nur zwölf Profis zum ersten Auswärtsspiel

Zum Saisonstart in La Liga 2, in der der Klub seit dem Abstieg im Jahr 2018 spielt, steckt der Verein vor einer existenzbedrohenden Krise. Am Freitag veröffentlichten die Malaguistas eine Liste, wonach Trainer Victor Sánchez zum Auswärtsspiel bei Racing Santander am Samstag lediglich neun Profis mitnehmen durfte, den Rest des Kaders musste er mit Nachwuchsspielern auffüllen. Am Ende wurden daraus doch immerhin zwölf Profis und sechs Youngster, sodass es zu einem knappen 1:0-Sieg reichte.

Hintergrund des Ganzen ist eine Bestrafung durch den Ligaverband LFP, der damit auf die Verstöße Málagas gegen die seit der Saison 2013/2014 in Spanien für jeden Klub individuell berechnet geltende Gehaltsobergrenze reagierte.

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Diese Summe bemisst sich an den Ein- und Ausgaben eines jeden Vereins und wurde einst auf Wunsch der spanischen Profiteams eingeführt, um nachträgliche Sanktionen durch die UEFA wegen Verstößen gegen das Financial Fairplay von vornherein zu verhindern.

Bereits am 31. Juli hatte Verbandspräsident Javier Tebas erklärt, Málaga dürfe wegen Verstößen gegen diese Regeln keine weiteren Spieler mehr anmelden. Dies betraf neben dem ehemaligen Mainzer Shinji Okazaki, der bislang der einzige Neuzugang im Kader ist, auch alle Spieler, die ihren auslaufenden Vertrag verlängert hatten oder von einer Leihe zurückkehrten.

Katarischer Scheich übernimmt Klub im Jahr 2010

Dass sich die Andalusier einmal in einer solchen Situation befinden würden, hätte vor neun Jahren niemand gedacht. Damals kaufte Scheich Abdullah Bin Nasser Al Thani den Klub für 25 Millionen Euro, übernahm dessen Verbindlichkeiten in Höhe von rund 70 Millionen Euro und versprach, den damaligen Mittelklasseklub an die Spitze zu führen.

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Und zunächst sah auch alles danach aus, als würde der Katari seinen Worten Taten folgen lassen. Satte 150 Millionen Euro stellte er den Vertretern vor Ort für die Verpflichtung und Gehälter neuer Spieler zur Verfügung. Außerdem wollte er eine eigene Jugendakademie gründen, die selbst den FC Barcelona mit La Masia das Fürchten lehren sollte, und ein neues Stadion für 65.000 Zuschauer bauen.

Fast 75 Millionen Euro investierte der Klub in den beiden nächsten Spielzeiten für Spieler wie Martín Demichelis, Júlio Baptista, Santi Cazorla, Jérémy Toulalan, Nacho Monreal, Ruud van Nistelrooy oder Isco. Am Ende der Saison 2011/2012 stand mit Platz vier schließlich die beste Platzierung der Vereinshistorie und die erstmalige Qualifikation für die Champions League zu Buche.

Ausstieg von Al Thani bringt Málaga an Rande des Ruins

Unmittelbar vor Beginn der neuen Spielzeit folgte dann allerdings der große Schock. Urplötzlich und ohne ersichtlichen Grund beendete Al Thani sein finanzielles Engagement in der Hafenstadt und brachte den Klub damit in erhebliche Schwierigkeiten.

Ohne die Finanzspritze des Scheichs stand der Verein auf einem Schlag vor dem Ruin, die teuren Spielergehälter konnten nicht mehr gezahlt werden, weshalb Teile des Tafelsilbers - namentlich unter anderem Cazorla oder Nacho (beide zum FC Arsenal) - wieder veräußert werden mussten.

Scheich Abdallah Ben Nasser Al Thani mit Ex-Malaga-Coach Míchel 2017
Scheich Abdallah Ben Nasser Al Thani mit Ex-Malaga-Coach Míchel 2017 © Getty Images

Trotzdem oder vielleicht gerade deshalb raufte sich das verbliebene Team zusammen und beendete die Saison auf einem starken sechsten Platz. Hinzu kam eine sensationelle Champions-League-Spielzeit, die erst mit dem späten Knock-Out gegen den BVB ein jähes Ende fand.

Doch obwohl Málaga auf dem Transfermarkt ein Plus von fast 42 Millionen Euro erwirtschaftet und auch durch die Champions League einiges an Geld eingenommen hatte, konnte der Verein den plötzlichen Ausstieg des Scheichs nicht auffangen und wurde bereits damals wegen hoher Schulden und ausstehender Gehaltszahlungen vom internationalen Gerichtshof CAS für die folgende Saison von der Europa League ausgeschlossen.

Sportlicher Niedergang gipfelt in Abstieg aus La Liga

Mit deutlich reduziertem Budget hielt sich Málaga in den folgenden Jahren weiter in La Liga, auf die internationale Bühne kehrte der Klub aber seitdem nicht mehr zurück. Am Ende der Saison 2017/2018 half aller Kampf nicht mehr, die Andalusier stiegen in die zweite Liga ab.

Dort wurde in der abgelaufenen Spielzeit der anvisierte direkte Wiederaufstieg in den Playoffs gegen Deportivo La Coruna verpasst, woraufhin Málaga sein Budget bereits zum zweiten Mal praktisch halbieren musste.

Allerdings wurden bislang durch Spielerverkäufe erst rund acht Millionen Euro eingenommen, das eingesparte Gehalt reicht bei Weitem noch nicht aus, um die Vorgaben der LFP zu erfüllen. Die Rede ist von einem Defizit von zehn bis zwölf Millionen Euro.

Notverkäufe sollen Geld in die klammen Kassen spülen

Um dieses so schnell wie möglich zu beseitigen, hatte Al Thani, der nach wie vor Eigentümer und Präsident des Vereins ist, in einem Interview mit der Marca unlängst weitere Abgänge angekündigt und dabei zugleich auch um Geduld gebeten.

"In einer Woche oder weniger werden wir das Geld haben. Ich glaube, dass wir mit zwei oder drei Abgängen 20 Millionen Euro einspielen können. Dann werden wir kaufen. Und wir wissen, wer unsere Ziele sind", erklärte er und kündigte zudem an, bald mit dem Bau der Jugendakademie zu beginnen. 

Als potenzieller Verkaufskandidat gilt vor allem Javier Ontiveros, dem großes Talent nachgesagt wird und der das Interesse des FC Villarreal sowie eines Klubs aus dem Ausland geweckt haben soll. Auch Alfred N'Diaye, der mit einem Jahresgehalt von drei Millionen Euro zu den Topverdienern gehört, soll den Klub schnellstmöglich verlassen, um damit Platz und Kapazitäten für Neuzugänge zu schaffen.

Allerdings schießt sich der Präsident bei den Verhandlungen mit anderen Vereinen auch immer wieder selbst ins Bein. Erst am Donnerstag verhinderte er einen bereits von der sportlichen Leitung ausgehandelten Transfer von Michael Santos zu Rayo Vallecano. "Es gibt Vereine, die unsere Situation ausnutzen wollen und miserable Angebote für unsere Spieler abgeben. Das werde ich nicht zulassen", sagte Al Thani.

Scheich versucht Fans mit Durchhalteparolen zu besänftigen

Zugleich machte er den Fans Hoffnung auf eine baldige Entspannung der Lage. "Ich sorge mich mehr als jeder andere. Wir werden unsere Probleme lösen, sobald wir Spieler verkauft haben. Wir verschwinden nicht. Ich will zurück in die erste Liga und dann in die Champions League", kündigte er im Interview mit der Marca an.

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Einzig der Glaube daran wird vielen Anhängern fehlen. Schon im Juli 2016 hatte der Scheich großspurig erklärt, es gebe eine "neue Strategie", und er hoffe, "bald an der Spitze der Liga zu stehen". Zwei Jahre später folgte der Abstieg aus La Liga.

Das Champions-League-Viertelfinale gegen den BVB dürfte somit wohl noch für lange Zeit das letzte große Highlight in der Historie des FC Málaga bleiben. 

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