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Freddy Adu beim MLS SuperDraft 2004
Freddy Adu beim MLS SuperDraft 2004 © Getty Images
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München - Freddy Adu wurde einst als neuer Pelé gefeiert, nun spielt er Viertliga-Fußball in Schweden. Was ist bei dem einstigen Wunderkind schiefgelaufen?

16 Jahre ist er mittlerweile her, der berühmt-berüchtigte MLS SuperDraft 2004.

Gerhard Schröder war damals Bundeskanzler, in den Top 20 der deutschen Charts standen Limp Bizkit, Alexander Klaws, die No Angels und Scooter mit "Jigga Jigga". Fernsehzuschauer und Feuilletons beschäftigten sich mit einer umstrittenen neue Sendung namens "Ich bin ein Star - holt mich hier raus!", Gesundheitsbehörden mit einer tückischen Krankheit namens Vogelgrippe.

Die Bundesliga, angeführt vom Herbstmeister und späteren Champion Werder Bremen mit Trainer Thomas Schaaf und Toptorjäger Ailton, machte sich für den Rückrundenstart bereit. Und im MLS SuperDraft 2004 wurde auf Platz 1 ein 14 Jahre altes Wunderkind gepickt, das die Fußball-Welt erobern sollte: Freddy Adu!

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Freddy Adu spielt nun in Schwedens vierter Liga

Was war das für eine Geschichte damals: Die Mutter des Jungen aus Ghana - eine Kindheitsfreundin von Bundesliga-Legende Anthony Yeboah - hatte in einer Verlosung eine Green Card gewonnen, die Aufenthaltsgenehmigung in den USA.

Der Sohn, den Mama Adu mitbrachte, erwies sich als riesige Fußballbegabung, der kleine Freddy umdribbelte bei Nachwuchsspielen Mitspieler, die teils viele Jahre älter waren, weckte damit weltweite Aufmerksamkeit in der Szene.

Adu schlug Angebote von Inter Mailand und Manchester United aus, unterschrieb stattdessen als jüngster Athlet überhaupt einen Profideal im US-Sport. Der mediengewandte Teenager wurde ausgestattet mit Verträgen von Nike und Pepsi, in einem Werbespot für die Zitronenlimo Sierra Mist spielte er an der Seite eines gewissen Pelé.

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Freddy Adu wurde inszeniert, als ob eine Mega-Karriere unausweichlich wäre. Dass es für ihn dann nicht ganz so Jigga Jigga lief, wie es Anfang 2004 den Anschein hatte, lässt sich ablesen an dem Job, den er in dieser Woche antrat: bei Österlen FF, einem Viertligisten aus Südostschweden.

Vom umjubelten Wunderjungen zum Viertliga-Kicker in Schweden: Was genau war da eigentlich nochmal passiert in der Zwischenzeit?

Auch der FC Ingolstadt schickte ihn weg

Zu keinem Zeitpunkt in seiner Karriere konnte Adu das Talent, das er zweifellos hatte, so auf den Platz bringen, wie es der Hype versprochen hatte.

Nachdem er als Jungstar bei D.C. United und Real Salt Lake in der MLS mal mehr, mal weniger erfolgreich wirkte, wurde 2007 der Wechsel nach Europa zum Karriere-Knackpunkt: Der Offensivspieler unterschrieb in Lissabon beim portugiesischen Traditionsklub Benfica - wo er jahrelang vergeblich um den Durchbruch kämpfte.

Freddy Adu (l.) saß bei Benfica meist auf der Bank
Freddy Adu (l.) saß bei Benfica meist auf der Bank © Imago

Viermal wurde Adu ausgeliehen, zur AS Monaco, nach Griechenland, in die Türkei, nichts half ihm, dauerhaft Fuß zu fassen. Adu wurde zu einem von vielen Fußball-Globetrottern, kehrte zurück in die USA, spielte in Brasilien, Serbien, Finnland. 2011 führte ein Probetraining beim FC Ingolstadt zu nichts, Ende 2018 sortierte ihn der US-Zweitligist Las Vegas Lights aus.

"Unsere Fans haben seinen Namen gerufen: 'Freddy, Freddy!'", berichtete ein ungenannter Klubinsider in einem ESPN-Porträt im vergangenen Jahr - Adus Geschichte sei in den USA immer noch sehr präsent: "Dann haben sie ihn spielen sehen und die Rufe haben aufgehört." Der Adu, den er erlebt hätte sei "ein Körper ohne Seele, ohne Spirit, ohne Hunger" gewesen, ergänzte der damalige Trainer Jose Luis Sanchez Sola.

Freddy Adu auf seiner bislang letzten Station bei den Las Vegas Lights
Freddy Adu auf seiner bislang letzten Station bei den Las Vegas Lights © Imago

Seit dem Aus in Las Vegas war Adu ohne Klub, arbeitete als Jugendcoach.

"Er war nie ein Arbeitstier"

In Adus Karriere lief nicht alles schlecht, immerhin 17 Mal wurde er zu besseren Zeiten ins US-Nationalteam berufen. Ein Unterschiedmacher aber war er dort nie, Nordamerikas Pelé schon gar nicht.

Der allgemeine Eindruck ist, dass Adu als Jugendlicher herausragte, weil er körperlich und technisch weiter war als die meisten Altersgenossen und dass sich der Vorsprung relativierte, als er ins Erwachsenenalter kam.

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Auch die üblichen Spekulationen, ob Adu sich womöglich älter gemacht hatte, als er war, verfolgten ihn - ähnlich wie in den vergangenen Jahren Borussia Dortmunds Nachwuchsstar Youssoufa Moukoko.

US-Jugendcoach Arnold Tarzy, der als Entdecker Adus gilt, nannte in einem ESPN-Porträt im vergangenen Jahr eine andere Erklärung: "Er war nie ein Arbeitstier. Er musste es nie sein. Ihm fiel alles leicht." Dass er sein Talent irgendwann durch Fleiß hätte ergänzen müssen, hatte Adu anscheinend bis zuletzt nicht realisiert. Auch aus Las Vegas kamen Klagen, dass er mit hohem Übergewicht ankam und seine Aussagen, dass er sich wieder nach oben arbeiten wollte, Lippenbekenntnisse geblieben seien. "Er hat sich bewegt wie ein alter Mann", klagte Coach Sanchez.

"Jetzt habe ich die Chance, es richtig zu machen"

Die Geschichte von Adu ist zum x-fach ausgebreiteten Musterbeispiel für die Geschichte des abgestürzten Wunderkinds geworden, gerne auch mit viel Häme erzählt. Als "Adu Adabei" verspottete ihn einst die Neue Zürcher Zeitung, was auch schon wieder 12 Jahre her ist.

Umso erstaunlicher kann man finden, wie unbeirrt Adu das alles wegsteckt und immer wieder irgendwo eine Gelegenheit auftut, seine anscheinend trotz allem unstillbare Freude am Fußball auszuleben.

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"Ich habe diesen Sport so sehr vermisst und bin einfach froh, wieder die Gelegenheit haben zu spielen", schrieb der mittlerweile 31-Jährige bei Twitter zu seinem neuen Engagement im touristisch übrigens sehr reizvollen Österle: "Habe in der Vergangenheit ein paar Schritte ausgelassen, aber jetzt habe ich die Chance, es richtig zu machen. Bin aufgeregt und bereit wie nie."

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