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München - Elf Kandidaten nominiert die FIFA für die Wahl zum Weltfußballer. Dass Joshua Kimmich nicht dabei ist, kann SPORT1-Redakteur Martin van de Flierdt nicht nachvollziehen.

Schaut man sich die Liste der Nominierten für den FIFA-Award "The Best" durch, dann liest sie sich auf den ersten Blick wie das übliche who is who des europäischen Klubfußballs.

Lionel Messi, Cristiano Ronaldo, Neymar, Kylian Mbappé, Sergio Ramos, Virgil van Dijk, dazu Liverpools Doppelspitze aus Mo Salah und Sadio Mane, Reds-Neuzugang Thiago, Kevin de Bruyne und Robert Lewandowski als einziger aktuelle Bundesligavertreter. So weit, so gewohnt von den Weltfußballerehrungen der Vorjahre.

Doch halt! Irgendwas war dieses Jahr anders, und zwar rein auf den Fußball bezogen: Die beste europäische Mannschaft des Jahres war ganz eindeutig der FC Bayern. Und der ist mit Lewandowski und dem ehemaligen Bayern Thiago schmählich unterrepräsentiert.

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Wenn es bei dieser Wahl nicht nur darum geht, wer seinen Namen bestmöglich vermarktet, sondern wer zum herausragenden Erfolg seiner Mannschaft wesentlich beiträgt, dann ist in dieser Liste Joshua Kimmich zwingend vonnöten. Der Antreiber ist die Konstante und Triebfeder des fünffachen Titelträgers dieses Jahres gewesen.

Mit seinem Treffer in Dortmund ebnete er den Weg zur deutschen Meisterschaft. Er legte im Champions-League-Halbfinale gegen Lyon zwei Treffer auf und im Finale das Siegtor gegen Paris für Kingsley Coman. Von seinen Zweikampfwerten und der spielerischen Stärke ist da noch gar nicht die Rede.

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Mbappé seit einem Jahr torlos in der Champions League

Natürlich hat Messi in der vergangenen Spielzeit wieder 25 Tore und 22 Assists in La Liga produziert. Gewonnen hat Barca dadurch in diesem Jahr – nichts, die 2:8-Schmach im Champions-League-Viertelfinale gegen FC Bayern überschattete Barcas Jahr zudem.

Auch da hatte Kimmich nicht nur mit einem Tor und einem Assist die Füße im Spiel. Mbappé hat seit einem Jahr nicht mehr in der Champions League getroffen, Neymar raffte sich auch gesundheitsbedingt nur zu punktuellen Highlights auf.

Die Teilnahme am Champions-League-Finale reichte beiden zur Nominierung, auch wenn sie dort kaum zu sehen waren, woran unter anderem auch wieder Kimmich beteiligt war. Natürlich muss Liverpools Wahnsinnssaison in England gewürdigt werden. Aber gleich mit drei Mann plus Thiago?

Der Spanier hat übrigens ein starkes letztes Jahr in München gespielt, ohne Frage. 24 Ligaeinsätze mit drei Assists sowie zehn Königsklassenspiele mit zwei Assists hat er für die Münchner vor seinem Wechsel bestritten. Dem stehen bei Kimmich 33 Ligaeinsätze mit vier Toren und neun Assists sowie elf Champions-League-Auftritte mit zwei Treffern und vier Assists auf vergleichbarer Position gegenüber.

Immobile fehlt als Gewinner des Golden Boot

Die Liste ließe sich fortführen. Für die meisten Kandidaten finden sich plausible Gründe, aber keine, die ausreichend erklären würden, warum der neben Manuel Neuer und Lewandowski herausragende Erfolgsfaktor des großen Gewinnerteams des Jahres fehlt.

Ginge es allein um die persönlichen Erfolge eines Spielers, müssten in der FIFA-Liste des Jahres 2020 auch Ciro Immobile, der Gewinner des Golden Boot, und womöglich sogar BVB-Durchstarter und Rekordjäger Erling Haaland auftauchen. Geht es wirklich um die Bedeutung für den Mannschaftserfolg, hätte an Kimmich in diesem Jahr kein Weg vorbeiführen dürfen. Dass er nicht auf der Liste auftaucht, ist eine Farce. 

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