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Eine Wissenslücke von Jürgen Klopp macht Thomas Letsch plötzlich berühmt. Bei SPORT1 spricht der Trainer von Vitesse Arnheim über Klopp und Mario Götze.

Jürgen Klopp musste mehrfach nachfragen und schüttelte schließlich den Kopf.

"Thomas ... Wer?", erkundigte sich der Trainer des FC Liverpool Hilfe suchend bei den Mitarbeitern seines Klubs, nachdem er auf der Pressekonferenz vor dem Gastspiel der Reds bei Ajax Amsterdam nach den drei deutschen Trainern in der Eredivisie gefragt wurde.

Während Klopp die Namen von Eindhoven-Trainer Roger Schmidt und Heracles-Coach Frank Wormuth sofort parat hatte, war ihm Thomas Letsch kein Begriff. "Letsch?", meinte Klopp. "Gut okay, ich bin offenbar schon zu lange weg aus Deutschland, dass ich das nicht wusste."

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Seit Sommer ist Letsch Trainer von Vitesse Arnheim und dank des starken Saisonstarts und aktuell Platz zwei in der Eredivisie hat sich der 52-Jährige schnell einen Namen gemacht. Auch dank Klopps Wissenslücke.

Letsch: "Ich konnte darüber schmunzeln"

"Ich bin ihm im Nachhinein sehr dankbar. Denn dadurch haben noch mehr Leute sich für Vitesse interessiert und das ist ja immer gut", sagte Letsch im Gespräch mit SPORT1.

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"Ich fand es eine ganz witzige Episode", ergänzte Letsch. "Ich meine, Jürgen Klopp ist ein Welttrainer, bei Liverpool extrem erfolgreich, ich habe meine Jahre in Österreich verbracht, bin jetzt hier und ich konnte darüber schmunzeln. Vielleicht habe ich das Glück, ihn irgendwann persönlich kennenzulernen. Es wäre vielleicht noch besser, wenn wir mal gegeneinander spielen."

Der gebürtige Schwabe war abgesehen von einem kurzen Intermezzo bei Zweitligist Erzgebirge Aue 2017/18 bislang nicht im deutschen Profibereich tätig. Zuvor arbeitete Letsch unter anderem als Co-Trainer von Joachim Löws jetzigem Assistenten Marcus Sorg bei den Stuttgarter Kickers und dem SSV Ulm, von 2013 bis 2014 dann als Roger Schmidts Assistent bei Red Bull Salzburg.

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Dass sich jetzt beide in der Eredivisie wieder begegnen, ist purer Zufall. "Wir hatten eigentlich seit unserer Zeit in Salzburg gar keinen Kontakt mehr", erklärte Letsch. Dass nun aktuell drei deutsche Trainer in der Eredivisie arbeiten, war "vor einigen Jahren undenkbar", ergänzte Letsch: "Das zeigt auch, dass die Leute hier in Holland sehr offen sind und auch offen für neue Ideen."

"Extreme Reaktionen" auf Götze-Transfer 

Vor allem der Wechsel von 2014er Weltmeister Mario Götze nach Eindhoven hat den niederländischen Fußball gerade in Deutschland verstärkt in den Fokus gerückt.

"Er hat nicht das unwichtigste Tor geschossen für Deutschland und dementsprechend war die Reaktion hier in Holland extrem", berichtete Letsch. "Ich glaube fast, dass die Reaktionen in Deutschland noch größer waren, weil es doch recht überraschend kam, dass er den Schritt geht."

Generell sei es gut, dass ein Spieler wie Götze zur PSV gegangen ist, so Letsch weiter, "und Philipp Max zum Nationalspieler geworden ist durch diesen Schritt nach Holland. Das sind aber eher die Ausnahmen. Ansonsten glaube ich, dass diese Liga für junge Spieler eine super Möglichkeit ist, um einen Step zu machen."

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Der Ex-Fürther Maximilian Wittek und der frühere Wolfsburger Riechedly Bazoer sind solche Beispiele aus Letschs Vitesse-Kader.

"Diese Pläne machen nicht viel Sinn"

Dass es für den Tabellenzweiten so schnell so gut läuft, hat Letsch selbst überrascht. "Unser Ziel ist, unter die Top-5, -6 zu kommen und europäisch zu spielen. Man muss einfach realistisch sein. Ajax Amsterdam und auch PSV haben andere Möglichkeiten und ein anderes Level, aber danach wollen wir schon um diese Plätze kämpfen."

Und auf lange Sicht? Sieht Letsch Vitesse – wie bei seinen Spielern – auch als Sprungbrett?

"Was mich das Leben bisher gelehrt hat: Diese Pläne machen nicht viel Sinn", betonte Letsch. "Ich bin auch kein Freund davon, in der Vergangenheit zu leben oder in die Zukunft zu schauen. Ich fühle mich im Moment hier total wohl und identifiziere mich zu 100 Prozent mit der Aufgabe und das ist das, was mich interessiert."

Dennoch hat er auch ein Auge auf das Fußballgeschehen in Deutschland. "Klar kann ich mir vorstellen, irgendwann auch mal wieder in Deutschland zu arbeiten. Ich bin Deutscher und schaue natürlich immer, was ist da drüben los. Aber, wie ich vorher gesagt habe, ich fühle mich im Moment sehr wohl und habe gar keine Ambitionen, irgendwo anders hinzuschauen."

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