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Bereits als Spieler nennen ihn Teamkollegen nur Professor. Nun vermittelt der ehemalige Bayern-Star Xabi Alonso sein Fußballwissen erfolgreich als Trainer.

Pep Guardiola hatte eine gute Vorahnung. Bereits 2017 meinte er: Xabi Alonso wird "auf jeden Fall" Karriere als Trainer machen. Damals war Guardiola noch der Chef des Mittelfeldspielers beim FC Bayern. 

Drei Jahre später gilt Alonso tatsächlich als eines der größten Trainer-Talente. Der ehemalige Stratege hat die zweite Mannschaft von Real Sociedad in seinem zweiten Jahr in die Spitzengruppe der dritten spanischen Liga geführt. Bis Samstag war das Team aus San Sebastian noch ungeschlagen und Tabellenführer, nach dem 1:2 gegen SD Amorebieta steht mit einem Nachholspiel in der Hinterhand Tabellenplatz drei zu Buche. 

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Alonso, 114-maliger spanischer Nationalspieler, soll die Reserve des aktuellen Erstliga-Spitzenreiters nach Rang fünf in seiner Premierensaison und trotz mehrerer Abgänge im Sommer in die zweite Liga führen und begeistert seine Akteure. 

Alonso "hat Talent nicht verloren"

"Xabi Alonso versteht sehr viel vom Fußball. Er bringt uns das Spiel so bei, als würde er noch mit einem zusammen spielen. Er gibt macht dir Mut und korrigiert sehr viel", lobte der inzwischen zu den Profis beförderte Mittelfeldspieler Roberto López seinen ehemaligen Chef. "Er hat sein Talent nicht verloren und macht gerne bei den Übungen mit." 

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Dabei ist der 38 Jahre alte Coach kein Lautsprecher. Er beobachtet das Geschehen auf dem Rasen eher zurückhaltend, gibt seine Anweisungen mit Ruhe und Stil und trifft oft die richtigen Entscheidungen - wie bereits als Spieler. 

Bei Real Madrid nannten sie ihn zwischen 2009 und 2014 nur "Professor", weil er das Spiel wie ein Gelehrter leitete. Auch während seiner Zeit beim FC Bayern beeindruckte der Spanier die Stars von 2014 bis 2017. Nationalspieler Kimmich schwärmte bei France Football. "Er war wirklich etwas Besonderes. Seine Lektüre des Spiels war erstaunlich. Er wusste immer, was passieren würde, bevor er den Ball bekam. Er war das Gehirn des Teams." Es sind die idealen Merkmale eines Trainers.

Guardiola schwärmte damals über seine Führungsspieler Philipp Lahm und Alonso: "Beide haben eine große Persönlichkeit. Sie sind in jeglicher Hinsicht absolut außergewöhnlich - als Menschen, als Team-Kollegen und als Fußballspieler. Sie können sich das gar nicht vorstellen." 

Guardiola, Ancelotti und Benitez als Lehrmeister

Nun will Alonso in die Fußstapfen seines ehemaligen Trainers treten. "Ich wollte Guardiolas Geheimnisse herausfinden", begründete der 38 Jahre alte Ex-Profi seinen Wechsel zum FC Bayern im Jahr 2014 im Interview mit The Athletic. Bei seinen weiteren Stationen in Liverpool und bei Real Madrid lief der ehemalige Nationalspieler zudem unter Rafael Benitez, José Mourinho und Carlo Ancelotti auf. Alonso hat also bei den Besten gelernt. 

Xabi Alonso und Pep Guardiola nach dem DFB-Pokal-Finale 2016 gegen Borussia Dortmund
Xabi Alonso und Pep Guardiola nach dem DFB-Pokal-Finale 2016 gegen Borussia Dortmund © Imago

Diese Erfahrung gibt Alonso bei seinem Jugendverein weiter, bei dem er vor 18 Jahren sein Debüt als Profi gab. Nur drei Jahre nach dem Ende der aktiven Laufbahn ist der Baske bereits wieder auf dem rasanten Weg nach oben. 

Dabei ist Alonso bei San Sebastian eigentlich nur ein Talententwickler für die erste Mannschaft. Sein Team spielt das gleiche System wie das Profiteam, damit der Übergang leichter ist für die Spieler. Dieses Konzept trägt Früchte. Im Sommer wurden gleich vier Akteure zu der Erstliga-Vertretung befördert. Mit López und Martin Zubimendi gehören zwei ehemalige Alonso-Schützlinge auf Anhieb zu den Leistungsträgern beim Überraschungsteam. 

Rummenigge: Alonso einer für Bayern

Trotz der Vorgaben überzeugt Alonsos Reserve aber auch durch eine Handschrift des Chefs. Die Daily Mail beschreibt die Spielweise mit "einem gewissen Flair". Gemeint ist damit der Ansatz vor allem mit Kurzpässen und vielen Kombinationen zu agieren. Dabei wich Alonso auch nicht von seiner Idee ab, nachdem er seine vier Leistungsträger abgegeben hatte und mit einem Kader von nur 16 Spielern in die aktuelle Saison gestartet war. 

Das sorgt international bereits für viel Aufmerksamkeit. Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge sagte im Bild-Podcast "Phrasenmäher": "Ich glaube, dass er mal ein Trainer sein wird, der für den FC Bayern irgendwann in der Zukunft möglicherweise von Interesse sein kann." Laut Rummenigge wollte auch Julian Nagelsmann den Spanier als Assistent bei RB Leipzig verpflichten. "Ich hatte Kenntnis davon, dass Xabi eine Anfrage von Leipzig als Co-Trainer von Nagelsmann hatte", plauderte der Boss bei einer Sponsorenveranstaltung.

Und auch Guardiola wollte seinen Ex-Spieler bereits im Sommer als Co-Trainer zu Manchester City lotsen. 

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Die Wahrscheinlichkeit ist also recht hoch, dass Alonso tatsächlich mal in die Fußtapfen von Guardiola bei einem seiner Ex-Vereine tritt - bei Bayern oder ManCity. 

Bei San Sebastian steckt der Spanier jedenfalls wohl vorerst auf dem Weg nach oben in einer Sackgasse fest. Imanol Alquacil sitzt als aktueller Spitzenreiter von La Liga bei der ersten Mannschaft fest im Sattel. 

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