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München - Wayne Rooney ist nun seit rund zehn Wochen Trainer von Derby County. Der ehemalige Top-Stürmer hat viel erlebt und kann eine beeindruckende Bilanz vorweisen.

Was Wayne Rooney in rund zehn Wochen Amtszeit bei Derby County erlebt hat, das widerfährt den meisten Trainern wohl in einem Jahrzehnt. 

Am 15. Januar hatte der Rekordtorschütze Englands den Klub in der zweitklassigen Championship endgültig übernommen. Zuvor hatte er die Rams (Widder) bereits zwei Monate lang als Interimscoach betreut - und zwar während er gleichzeitig noch auf dem Platz stand.

Rooney hatte also den Spielertrainer gegeben, wie man ihn normalerweise höchstens noch in der Kreisliga sieht. 

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Er wird allerdings schnell gemerkt haben, dass er für solch eine Doppelbelastung nun wirklich nicht genug Zeit hat. Am 25. November 2020 absolvierte er daher sein letztes Spiel als Fußballprofi - das stille Ende einer beeindruckenden Karriere. Am 15. Januar erfolgte das offizielle Karriereende - ebenfalls still. 

Wayne Rooney im Trikot von Derby County im letzten Spiel seiner Karriere
Wayne Rooney im Trikot von Derby County im letzten Spiel seiner Karriere © Imago

Denn Zeit auf diese zurückzublicken hatte er nicht, im Gegenteil. Und irgendwie ging dieses Karriereende von einem der größten Fußballer, den England je hervorgebracht hat, im Chaos von Derby County unter. 

Rooney bringt Derby sportlich wieder in die Spur 

Der 35-Jährige ist nun für einen Klub verantwortlich, der seinen Spielern im Dezember nicht einmal pünktlich das Gehalt zahlen konnte. Rooney erlebte in seiner kurzen Amtszeit, wie der Klub in der Corona-Pandemie an seine Existenzgrenze geriet und wie eine Übernahme der Derventio Holdings scheiterte.

Eigentlich sind das genug Probleme, doch Rooney befindet sich zu allem Überfluss auch noch im rauen Abstiegskampf der Championship. Es ist allerdings Licht am Ende des Tunnels zu sehen - auch dank dem neuen Coach. 

Denn seit Rooney zum Nachfolger von Phillip Cocu ernannt wurde, geht es steil bergauf. In 18 Partien haben die Widder beeindruckende 31 Punkte geholt und die Abstiegsränge verlassen. Bei der Entlassung des Niederländers war Derby abgeschlagen Letzter der Liga mit 24 Teams gewesen. 

Auf der Insel sind sich Fußball-Fans und -Experten auch deswegen einig, dass ein Klassenerhalt eine Meisterleistung von Rooney wäre - vor allem bei all den Nebengeräuschen.

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Rooney gibt starke Figur ab - ist aber noch unerfahren

Fünf Punkte trennen den Klub derzeit von der Abstiegszone. Es gibt allerdings noch ein anderes Problem, welches Rooney aus sportlicher Sicht permanent im Hinterkopf haben wird. 

Über dem Klub schwebt nämlich noch ein Prozess der englischen Fußballliga EFL. Ein Gremium untersuchte die Art und Weise, wie Derby die Werte der eigenen Spieler gemessen hat. In dem Prozess droht dem Klub Punktabzug, welcher über einen Abstieg entscheiden könnte. 

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Zunächst wurden die Rams zwar freigesprochen, es läuft allerdings noch die Berufung. Rooney gab sich bei diesem Thema in der Öffentlichkeit stark und klar in seinen Aussagen. Das gilt auch für sein Amt als Trainer, man merkt dem früheren Weltklasse-Stürmer an, dass er schon fast sein komplettes Leben in der Öffentlichkeit gestanden hat. 

Das ist ein großer Vorteil von Rooney. Er ist selbstbewusst und zieht viel der Aufmerksamkeit auf sich, um seinem Team mehr Konzentration auf das Wesentliche zu ermöglichen. 

Oftmals zeigt sich allerdings auch noch Rooneys Unerfahrenheit als Trainer. Er fällt oft durch widersprüchliche Aussagen auf - sagte über seinen Stürmer Martyn Waghorn beispielsweise, dass dieser zuletzt überragend trainiere, um ihn wegen seines Verhaltens aus dem Kader zu streichen. Bei weitem nicht der einzige Widerspruch, den viele Medien und Fußballfans in England bemängeln. 

Lampard, Gerrard und Co. haben es leichter

Bei dieser Kritik darf man allerdings nicht vergessen, dass wohl kaum ein ehemalige Profifußballer bei seiner ersten Trainerstation derart viele Aufgaben auf einmal stemmen muss. 

Wenn man Rooney mit seiner "Goldenen Generation" der Three Lions vergleicht, dann wird dies deutlich: Steven Gerrard hatte zunächst im Nachwuchsbereich des FC Liverpool trainiert, um dann zu den Glasgow Rangers, einem funktionierenden Klub zu wechseln. John Terry gehört im zweiten Glied zum Trainerstab von Aston Villa.

Und Frank Lampard hatte zunächst als TV-Experte gearbeitet, eher er zu einem Vorgänger von Rooney bei Derby County wurde. Als sich für ihn die Chance bei Ex-Klub FC Chelsea ergab, da zögerte Lampard nicht lange. Mittlerweile ist er bei den Blues allerdings gescheitert und entlassen worden. 

Rooney spricht viel mit Sir Alex Ferguson

Rooney beweist derzeit, dass mit ihm langfristig als Coach zu rechnen sein wird. Er ist fast komplett auf sich alleine gestellt, bei einem chaotischen Klub, bei dem er alle Probleme und das Team von seinem erfolglosen Vorgänger geerbt hat. Gleiches gilt für den Trainerstab rund um Co-Trainer Shay Given.

Rooney hat sich sein Umfeld also nicht ausgesucht, wie es bei Trainern sonst üblich ist. Trotzdem beißt er sich durch - wohl auch dank Sir Alex Ferguson. Rooney telefoniert viel mit dem legendären Trainer und Manager von Manchester United. 

Von 2004 bis 2017 hat Rooney bei den Red Devils die erfolgreichsten Jahre seiner Karriere erlebt, sich zum Top-Torschützen der englischen Nationalmannschaft entwickelt. Mit United gewann er fünf Mal die Premier League, den FA Cup, die Champions League und die Europa League. 

Eine beeindruckende Karriere, die Rooney auch als Trainer helfen wird. Das zeigte sich auch schon in seinen ersten Wochen, in denen Derby County dank ihm fünf Spieler ausleihen konnte. Der Ruf eilt Rooney voraus. 

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