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Kurz vor der Bekanntgabe der Reformen für die Champions League verkünden europäische Top-Klubs die Einigung über die Gründung einer Super League.

Eine Revolution im europäischen Vereinsfußball steht bevor: Die Super League kommt! (Die Erklärung zur Super League im Wortlaut)

Kurz vor der Durchsetzung der Reform der Champions League verkündete eine Gruppe der reichsten und einflussreichsten Vereine der Welt die Einigung über die Gründung eines eigenen externen Elitewettbewerbs. 

Zwölf Top-Klubs brachten um kurz nach Mitternacht eine gemeinsame Erklärung heraus: Die sechs englischen Spitzenteams FC Liverpool, Manchester United, Manchester City, Tottenham Hotspur, FC Arsenal und FC Chelsea, die spanischen Topteams Real Madrid, FC Barcelona und Atlético Madrid sowie aus Italien Juventus Turin, Inter Mailand und der AC Mailand.

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Laut Mitteilung sollen drei weitere Vereine noch vor der ersten Saison, "die so bald wie möglich beginnen soll", dazustoßen.

"Die Gründungsvereine freuen sich darauf, Gespräche mit der UEFA und der FIFA zu führen, um partnerschaftlich zusammenzuarbeiten und das Beste für die neue Liga und den Fußball als Ganzes zu erreichen", hieß es. Florentino Pérez, Präsident von Real Madrid, fungiert als erster Vorsitzender der Super League.

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"Wir werden dem Fußball auf jeder Ebene helfen und ihn an seinen rechtmäßigen Platz in der Welt bringen", wurde Pérez zitiert: "Fußball ist die einzige globale Sportart der Welt mit mehr als vier Milliarden Fans und unsere Verantwortung als große Vereine ist es, auf ihre Wünsche einzugehen."

Keine Beteiligung von deutschen Teams

Deutsche Teams wie der FC Bayern und Borussia Dortmund sind ebenso wie der französische Primus Paris St. Germain bisher nicht beteiligt (Ergebnisse und Spielplan der Champions League)

Der Zeitpunkt der Meldung ist durchaus brisant, denn am Montag will die UEFA ihr neues Champions-League-Format offiziell verkünden. Die Aufstockung der Königsklasse von 32 auf 36 Teilnehmer und die Einführung eines neuen Modus soll beschlossen werden. Dazu sollen zwei der vier neuen Plätze für die Champions League nicht mehr wie bislang üblich aufgrund von Leistungen aus der vorigen Saison vergeben werden.

Auch die Reform der Champions League ist alles andere als unumstritten. Insbesondere die Fans lehnen die Aufblähung ab.

Die Klubs hatten mehr Mitspracherecht bei der Gestaltung der Wettbewerbe und der Aufteilung der Erlöse gefordert. Eigentlich sollte die Reform ein Gegenmittel gegen einen Ausbruch zahlreicher Vereine in eine Super League sein, doch selbst dieses Zugeständnis kam nach dem überfallartigen Vorgehen der Super-League-Initiatoren zu spät.

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So soll die Super League aussehen

"Die Gründungsvereine haben seit einigen Jahren das Ziel, die Qualität und Intensität der bestehenden europäischen Wettbewerbe in jeder Saison zu verbessern und ein Format zu schaffen, in dem sich Spitzenvereine und -Spieler regelmäßig messen können", schrieben die Super-League-Gründer.

20 Mannschaften, mit 15 ständigen Mitgliedern und fünf Qualifikanten, die sich jährlich durch ihre Leistungen in der vorangegangenen Saison qualifizieren können, sollen in zunächst zwei Zehnergruppen an der Eliteliga teilnehmen. Die drei Erstplatzierten jeder Gruppe qualifizieren sich automatisch für das Viertelfinale. Die viert- und fünftplatzierten Mannschaften spielen dann in einem Playoff mit zwei Spielen um die restlichen Viertelfinalplätze. Das Finale Ende Mai wird in einem K.o.-System mit zwei Spielen an einem neutralen Ort ausgetragen.

Die Partien sollen unter der Woche stattfinden, alle teilnehmenden Mannschaften sollen aber weiterhin in ihren nationalen Ligen mitmachen können. Der Start ist für den August geplant.

UEFA und FIFA protestieren

Die UEFA reagierte am Sonntag, als die Gerüchte aufkamen, prompt und veröffentlichte eine Mitteilung.

Darin heißt es unter anderem: "Dieses zynische Projekt basiert auf dem Eigeninteresse einiger Klubs in einer Zeit, in der die Gesellschaft mehr denn je Solidarität braucht. Wir werden alle Maßnahmen prüfen, die uns auf allen Ebenen zur Verfügung stehen, sowohl in der Justiz als auch im Sport, um dies zu verhindern. Fußball basiert auf offenen Wettbewerben und sportlichen Verdiensten. Wir danken den Klubs in anderen Ländern, insbesondere den französischen und deutschen Klubs, die sich geweigert haben, sich dem anzuschließen. Genug ist genug!"

Auch die FIFA meldete sich mittlerweile zu Wort und verurteilte ebenfalls die Gründung der Super League. Der Weltverband drückte seine "Missbilligung" aus und forderte "Solidarität" ein. "Vor diesem Hintergrund kann die FIFA nur ihre Missbilligung einer geschlossenen europäischen Liga außerhalb der Fußball-Strukturen ausdrücken", hieß es in einem Statement.

DFL-Boss Christian Seifert schloss sich den beiden Verbänden an. "Wirtschaftliche Interessen einiger weniger Topklubs in England, Italien und Spanien dürfen nicht die Abschaffung gewachsener Strukturen im gesamten europäischen Fußball zur Folge haben", sagte er. Es wäre "unverantwortlich, die nationalen Ligen als Basis des europäischen Profifußballs auf diese Weise irreparabel zu beschädigen."

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Am Sonntagabend traf sich zudem die European Club Association (ECA), die 246 Vereine in ganz Europa vertritt, zu einem Notfall-Meeting unter der Leitung von Ajax-Boss Edwin van der Sar. Anschließend gab sie ein Statement heraus: "Die ECA wiederholt angesichts der heutigen Berichte ihr Bekenntnis dazu, mit der UEFA an einem Modell ihrer Klubwettbewerbe ab 2024 zu arbeiten. Ein geschlossenes Super-League-Modell, wie es in den Medien beschrieben wird, würde auf starken Widerstand der ECA treffen."

Kurios mutet an, dass die ECA eigentlich von Juventus Turins Präsidenten Andrea Agnelli geführt wird und nun offiziell Stellung gegen die Pläne bezieht. Denn Juve nimmt an der Super League teil, Agnelli wird sogar Vizepräsident.

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mit Sport-Informations-Dienst (SID)

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