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Ralf Rangnick (l.) und Sami Khedira sind in Italien vieldiskutierte Namen
Ralf Rangnick (l.) und Sami Khedira sind in Italien vieldiskutierte Namen © SPORT1-Grafik: Marc Tirl/Getty Images/Imago/iStock
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Brisanter Re-Start in Italien: Juventus empfängt Milan zum Rückspiel des Pokal-Halbfinals - mit Sami Khedira auf dem Platz und Ralf Rangnick als Milans Schattenmann.

Hinter Italien liegen drei Monate der Trauer. 

Vor allem der Norden des Landes erlebte hautnah, wie Corona wütete und bis zum heutigen Tag über 34.000 Tote forderte.

Noch stärker als in Deutschland legte die Pandemie das öffentliche Leben lahm, an Fußball war lange Zeit nicht zu denken. Weil zuletzt die Infektionskurve immer mehr abflachte, endet am heutigen Freitag die fußballlose Zeit - und auch Italien wagt wieder ein Stückchen Normalität.

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Der Re-Start hat es gleich in sich: Im Rückspiel des Pokal-Halbfinales stehen sich Juventus Turin und der AC Mailand gegenüber (Coppa Italia: Juventus Turin - AC Mailand ab 21 Uhr im LIVETICKER). Am 13. Februar, also vor fast vier Monaten, hatten sich die beiden Teams - damals noch im vollen Giuseppe-Meazza-Stadion - 1:1 getrennt.

Khediras Ausfall schwächte Juve

Nun also der Wiederbeginn vor leeren Rängen und der Ungewissheit, wie sich die lange Pause auf die Form der Mannschaften ausgewirkt hat.

Auf dem Papier ist Rekordmeister Juve klarer Favorit, zumal bei der "Alten Dame" mit Sami Khedira ein Schlüsselspieler sein Comeback nach langer Verletzungspause feiert. Der frühere Nationalspieler, der sich Ende November einer Knie-OP unterziehen musste, spielt im Kollektiv von Trainer Maurizio Sarri eine entscheidende Rolle.

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So sehr, dass sich die Gazzetta dello Sport damals aus dem Fenster lehnte und die negativen Folgen kommen sah: "Unterschätzt, aber einzigartig. Ohne Khedira wird sich Juve komplett verändern", titelte das rosafarbene Blatt. 

Tatsächlich wirkte sich das Fehlen des Weltmeisters von 2014 dermaßen destabilisierend auf die Juve-Statik aus, dass die Bianconeri, die bis zu Khediras Ausfall kein einziges Spiel verloren hatten, drei Pleiten (Lazio Rom, SSC Neapel und Hellas Verona) einstecken mussten. 

Während der Coach einen Emre Can in der Hinrunde bestenfalls sporadisch einsetzte und ihn in der Winterpause ohne Lamento nach Dortmund ziehen ließ, hätte Sarri den gebürtigen Stuttgarter unter keinen Umständen abgegeben.

Rangnick als Milans "Phantom"

Darauf angesprochen, ob der 33-Jährige seinen Zenit nicht schon längst überschritten habe, antwortete Sarri kurz vor dem Ausbruch der Pandemie: "Wenn Khedira ein Problem sein sollte, dann möchte ich immer solche Probleme haben. Er hat eine außergewöhnlich große taktische Intelligenz, selbst wenn er möglicherweise bei hohen Spielrhythmen in leichte Schwierigkeiten kommt."

Während sich die Turiner also auf Khediras Rückkehr freuen, spielt ein anderer Deutscher bei Gegner Milan ebenfalls eine große Rolle - wenn auch vorerst nur als "Phantom". Die Rede ist von Ralf Rangnick, dessen Schatten längst über Milanello, dem Trainingszentrum des dreimaligen Champions-League-Siegers, liegt. 

Spätestens seit der frühere RB-Leipzig-Coach und heutige "Head of Sport und Development Soccer" in der Bild Gespräche mit den Milan-Verantwortlichen bestätigte, geistert sein Name in den italienischen Medien als Nachfolger des jetzigen Trainers Stefano Pioli herum.

Auch wenn derzeit noch unklar ist, ob Rangnick tatsächlich nach Mailand wechselt, stifteten alleine die Meldungen über dessen Kontakt zu Milan-Boss Ivan Gazidis eine solche Unruhe, dass vor allem bei den arrivierten Spielern und Funktionären die Stimmung im Keller ist. 

Am Donnerstag zog der derzeit verletzte Stürmerstar Zlatan Ibrahimovic über die Vereinsspitze her: "Dieses Milan ist nicht mehr mein Verein der Vergangenheit, der Verein ist völlig planlos."

Pioli als Platzhalter für Rangnick? 

Rücksicht auf Stars und Ikonen wird beim einst ruhmreichen AC aber nicht mehr genommen. Während die Zeit des 38-jährigen Schweden nach der Saison abläuft, wurde Zvonimir Bonan schon vor drei Monaten schon vor die Tür gesetzt. Der frühere Milan-Star, der als Manager fungierte, hatte sich öffentlich über den Kontakt der Klubbosse mit Rangnick beschwert.

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Milan-Idol Paolo Maldini, derzeit als Technischer Direktor beim AC beschäftigt, droht das gleiche Schicksal wie Boban. Auch er hatte die Gespräche mit Rangnick angeprangert und könnte das nächste Gazidis-Opfer werden.

In diesem alles andere als harmonischen Umfeld musste Trainer Pioli seine Elf auf den Re-Start vorbereiten - wohl wissend, dass auch er sich wohl auf Abschiedstournee befindet. "In der Vergangenheit wusste ich 14 Spieltage vor Saisonende selten über meine Zukunft als Trainer Bescheid", sagte Pioli bei der Pressekonferenz am Donnerstag. "Ich habe nur im Kopf, das Maximum zu erreichen, weil wir noch einige Ziele vor uns haben."

Wenn heute Abend ab 21 Uhr also auch in Italien der Ball wieder rollt, dann freuen sich die Tifosi auf ein bisschen Normalität - mit Sami Khedira auf dem Platz und Ralf Rangnick als Milans Schattenmann. 

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