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München - Odegaard wechselte mit 16 Jahren zu Real Madrid, wurde der jüngste Real-Spieler in La Liga aller Zeiten und verschwand in der Versenkung. Nun ist er zurück – und wie!

Es ist eine dieser Szenen, die für offene Münder sorgt.

Martin Odegaard, das zwischenzeitlich fast in der Versenkung verschwundene Wunderkind, tunnelt seinen direkten Gegenspieler.

Der Norweger lässt ein gekonntes Dribbling folgen und hebelt die komplette Hintermannschaft mit einem Pass aus. Sieben Gegner wirken bei der Vorarbeit zur 1:0-Führung seines Teams wie Statisten.

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Die spanische Presse überschlägt sich: Die Mundo Deportivo nennt Odegaard ein "Genie". Die Marca, die Odegaard auf die Titelseite hebt, beschreibt die Vorlage als "galaktischen Pass".

Und die AS schwärmt gar: "Odegaard hat ein Spiel gezeigt, wie wir es nur von Messi kennen."

Odegaard in Spanien angekommen

Das einstige Wunderkind ist, vier Jahre nach seinem Wechsel zu Real Madrid, endlich in Spanien angekommen.

Zwar glänzt Odegaard aktuell noch auf Leihbasis für Real Sociedad San Sebastian. Doch die Königlichen, so schreibt die Marca, "reiben sich die Hände" und überlegen ihn schon 2020 und damit ein Jahr eher als geplant zurückzuholen.

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Zehn Chancen kreierte der Mittelfeldspieler im Spiel gegen Deportivo Alavés (3:0) – so viel wie kein anderer Spieler in La Liga seit 2016.

Rekord-Debüt in und für Norwegen

Mit nur 15 Jahren hatte er als jüngster Spieler aller Zeiten in Norwegens höchster Spielklasse debütiert, in der Nationalmannschaft wurde er mit 15 Jahren und 300 Tagen zum jüngsten Spieler, der je in einem Qualifikationsspiel der Europameisterschaft zum Einsatz kam.

Der Hype um Odegaard war riesig, nahezu alle Top-Teams aus Europa streckten ihre Fühler aus.

Den Zuschlag bekam Real, das neben 2,8 Millionen auch die Forderung erfüllte, dass auch sein Vater und damaliger Berater Hans Erik Odegaard wechseln durfte. Als Jugendtrainer der U17 arbeitete er von 2015 bis 2017 bei Real.

Keine Chance bei Real

In der zweiten Mannschaft der Königlichen sollte Odegaard junior reifen. Am letzten Spieltag der Saison 2014/15 gab er sein Debüt unter Zinédine Zidane in La Liga und wurde mit 16 Jahren und sechs Monaten Reals jüngster Profi, der in der Liga auflief.

Doch seine Karriere geriet ins Stocken. Zu groß war die Konkurrenz in Reals Offensive, die mit Gareth Bale, James Rodriguez, Isco und natürlich Cristiano Ronaldo Weltklasse besetzt war.

Zudem lief ihm der damalige Neuzugang Lucas Vázquez den Rang als Perspektivspieler im Kader ab.

Nach weniger als drei Spielzeiten und lediglich einem weiteren Kurzeinsatz für Reals erste Mannschaft wurde Odegaard als gescheitert abgestempelt. Der damalige Coach Carlo Ancelotti unkte später, das Talent sei nur "aus PR-Gründen" geholt worden.

Arnheim als Befreiung

Im Winter 2017 wurde er in die Niederlande verliehen, zum SC Heerenveen. Gerade, als er sich als Stammspieler etablierte, warf ihn ein Mittelfußbruch wieder aus der Bahn.

Real hatte weiterhin keine Verwendung für Odegaard, gab die Hoffnung aber nicht auf. Das Talent blieb in den Niederlanden, Vitesse Arnheim sicherte sich den damals 19-Jährigen im August 2018 auf Leihbasis für ein Jahr.

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Und im Schatten des medialen Fokus blühte er endgültig auf. In 39 Pflichtspielen schoss das Juwel elf Tore und bereitete zwölf Treffer vor.

Odegaard mit Spitzen-Werten

In diesem Sommer folgte dann die mit Spannung erwartete Rückkehr nach Spanien.

Zwar nicht zu Real Madrid, doch zumindest in die gleiche Liga, in der die Königlichen aus nächster Nähe beobachten können, dass Odegaard inzwischen höchsten Aufgaben gewachsen scheint.

In San Sebastian entwickelt er sich zum Dreh- und Angelpunkt in der Offensive, gilt als früher Anwärter für den "Spieler der Saison". In den ersten fünf Partien konnte Odegaard zwei Treffer erzielen, seine 3,7 "Schlüsselpässe" pro Spiel sind Spitzenwert in der Liga.

Auch seine elf Balleroberungen im letzten Drittel sind ligaweit unerreicht. Zum Vergleich: Toni Kroos kommt als Drittplatzierter auf sechs.

Holt Real Odegaard früher zurück?

"Für junge Spieler, wie mich im Moment, ist es sehr wichtig, Spielzeit zu bekommen. In Madrid, denke ich, ist das sehr schwer zu erreichen", erklärte Odegaard, der noch keine Minute verpasst hat.

Doch "mein Ziel ist es immer noch, für Real zu spielen", sagte Odegaard, dessen Vertrag in Madrid bis 2023 läuft, kürzlich, "deswegen habe ich dort unterschrieben."

Bei diesen Leistungen scheint das nur noch eine Frage der Zeit zu sein.

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