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München - Das Pokal-Aus facht die Brände beim FC Barcelona weiter an. Ein Abgang von Lionel Messi scheint möglich. Sein früherer Mentor äußert sich zu Wechselgerüchten.

Als am Donnerstagabend der Abpfiff in Bilbao ertönte, schlich Lionel Messi mit gesenktem Kopf vom Rasen.

Der FC Barcelona hatte bei Athletic Bilbao mal wieder ein schwaches Spiel gezeigt und das Viertelfinale der Copa del Rey schließlich mit 0:1 verloren. Mit Blick auf das gleichzeitige Aus von Real Madrid schreibt die AS vom "größten Schock seit zehn Jahren", die Corriere dello Sport vom "Fall der Götter".

Messi hatte die uninspirierte Leistung seines Teams diesmal nicht mit seiner Genialität übertünchen können, wie es ihm schon so oft gelungen ist.

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Die Niederlage bedeutet den Tiefpunkt der (Sinn-)Krise, in der sich Barca schon seit einigen Monaten befindet. Der Trainerwechsel zu Quique Setién ist wirkungslos verpufft und die Katalanen haben außer den sportlichen noch ganz andere Probleme.

Messi streitet sich mit Abidal 

Messi und Sportdirektor Éric Abidal liegen nach ihrem öffentlichen Streit im Clinch.

Wie sehr das die Stimmung im Team bestimmt, machte Linksverteidiger Jordi Alba nach der Pleite im Baskenland klar: "Von außen wird schon genug Scheiße auf uns geworfen, also sollten wir uns nicht auch noch gegenseitig mit Scheiße bewerfen."

Die Situation in Barcelona ist längst eskaliert. Die Marca berichtet, dass Messi sich im Training mit dem deutschen Torwart Marc-André ter Stegen gestritten haben soll. Abidal ist nach seiner Kritik an den eigenen Spielern sowieso ein einziger Brandherd und sportlich läuft es trotz Rang zwei in der Liga kaum.

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Wegen all dieser Gründe machen sich die Katalanen tatsächlich Sorgen, dass Messi den Verein am Saisonende verlassen könnte.  Zwar läuft Messis Vertrag noch bis 2021, allerdings besitzt dieser angeblich eine Klausel, durch die Messi den FC Barcelona im kommenden Sommer verlassen könnte, und das sogar ablösefrei. 

Guardiola: Messi wird bei Barca bleiben

Prompt berichteten englische und spanische Medien, dass Manchester City wild entschlossen sei, Messi zu verpflichten. Schließlich ist Messis Ex-Coach Pep Guardiola Trainer der Citizens. Außerdem könnte City die kolportierten 500.000 Pfund pro Woche an Gehalt locker stemmen. Mit Txiki Begiristain und Ferran Soriano sitzen bei den Citizens zwei ehemalige Barca-Wegbegleiter in Citys sportlicher Führungsetage.

Guardiola aber wies ein Interesse an einer Verpflichtung des Argentiniers weit von sich. "Er ist ein Spieler von Barcelona, er wird dort bleiben. Das ist mein Wunsch, dass er in Barcelona bleibt", sagte Guardiola am Freitag: "Ich glaube, dass er dort seine Karriere beenden wird."

Vor ein paar Tagen jedoch konnte er sich einen Abgang Messis aus Barcelona zumindest vage vorstellen. In einem Interview mit dem spanischen YouTube-Star "DJMariio" sagte er: "Wenn Lionel Messi einmal den FC Barcelona verlässt, wird es auch einige Zeit dauern, bis sich die Lage wieder normalisiert hat", sagte der City-Coach.

Messi ist Barca

Auch deshalb geht bei Barca die Sorge um, dass er "seinen" Verein verlassen könnte, bei dem der argentinische Superstar im letzten Sommer sein 20-jähriges Dienstjubiläum feierte. Seit Juli 2000 ist der heute 32-Jährige bei Barca, wo er im Oktober 2004 sein erstes von inzwischen 712 Spielen für die erste Mannschaft der Blaugrana absolvierte. 

Es gibt wenig Spieler auf der Welt, die einen Verein derart geprägt haben wie Messi den FC Barcelona. Und dort spielte schon Johan Cruyff. Messi ist Barca, und Barca ist Messi. 

Könnte Messi "seinen" Verein überhaupt verlassen? Damit es erst gar nicht so weit kommt und sich der Superstar mit einem möglichen Abschied beschäftigt, lud die Klubführung am Mittwoch zum Friedensgipfel, wie Marca und AS berichteten. 

Barca-Präsident Josep Bartomeu bestellte Abidal zum Rapport. Die Folge: Der Sportdirektor darf vorerst bleiben. Beruhigt hat sich die Lage allerdings nicht, wie die Aussagen von Alba zeigen.

Zwar machte Messi im Sommer deutlich, dass er sich ein Karriereende beim FC Barcelona vorstellen könne. Allerdings nur, wenn es sportlich für ihn bis dahin Sinn ergebe.

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Sportliche Krise, nicht erfüllte Wünsche

Und genau das sieht Messi aktuell nicht. Bereits im Sommer hatte er vehement die Rückkehr von Neymar gefordert. Es kam: Antoine Griezmann. Der von Abidal vorangetriebene Transfer hat sich bislang nicht wirklich ausgezahlt. 

Als sich nun auch noch Messis bester Freund Luis Suarez verletzte, der wegen einer Meniskus-OP bis mindestens April ausfallen wird, hofften nicht nur die Fans auf Nachkäufe im Winter. 

Es kam: niemand. Auch das hat der Offensiv-Star zur Kenntnis genommen.

Es scheint, als habe das Interview von Abidal einen schwelenden Konflikt zum Eskalieren gebracht.

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Der FC Barcelona spielt in Europa also nicht mehr die allererste Geige, obwohl Messi unbedingt wieder die Champions League gewinnen will. Daher forderte Messi Verstärkungen und reagierte nun fast schon bockig auf die Nicht-Erfüllung seiner Wünsche.

Seine Zukunft dürfte also noch eine Zeit lang das große Thema in Barcelona bleiben.

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