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Martin Odegaard ist derzeit in einer komplizierten Situation gefangen. Der Norweger spielt bei Real Madrid kaum eine Rolle, obwohl die Königlichen ihn zurückholten.

Die Fußball-Welt hatte ihn als einen ihrer nächsten großen Stars gehypt, dann gnadenlos fallen gelassen, um ihm schließlich wieder aufleben zu lassen und erneut eine große Zukunft vorherzusagen. 

In dieser dritten Phase befindet sich Martin Odegaard gerade. Über einen Umweg hat der 22-Jährige in der letzten Saison derartige Begehrlichkeiten bei Real Madrid geweckt, dass die Königlichen seine Leihe abbrachen, um ihn in die spanische Hauptstadt zurückzuholen. 

Dort findet Odegaard nun aber eine äußerst komplizierte Situation vor, die eher wieder nach Phase zwei klingt. Aber von Anfang an. 

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Vom gescheiterten Wunderkind zum König der Leihspieler

Mit 17 Jahren hatte der Norweger - der sich einen Namen als Wunderkind gemacht hatte - den Schritt aus seiner Heimat in Richtung Madrid gewagt. Bei Real schien dann aber alles auf ein weiteres Kapitel á la "gescheitertes Wunderkind" hinauszulaufen.

Leihen zum SC Heerenveen und Vitesse Arnheim - in die niederländische Fußball-Provinz - blieben größtenteils erfolglos. Bei Arnheim war allerdings eine Verbesserung zu sehen, weswegen dann Real Sociedad wegen einer weiteren Leihe anklopfte. Sozusagen eine Leih-Beförderung in La Liga. 

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Die Beförderung führte zum Durchbruch. Odegaard spielte in der vergangenen Spielzeit bei dem Überraschungsteam, das die Saison auf Rang sechs beendete, eine überragende Saison und entwickelte sich zum Liebling der spanischen Fußball-Fans und Medien. Letztere gaben ihm Namen wie "der König der Leihspieler". Es war sogar von einem Magier zu lesen, der das ganze Land verzaubere. (Tabelle La Liga)

Vor Odegaards Rückkehr ins Estadio Bernabeu im November 2019 wurde in Spanien sogar die Woche des Martin Odegaard ausgerufen. Hintergrund: Es war nicht klar, ob der Offensivspieler auflaufen würde können. Die Ferse machte Probleme und wurde eine Woche lang zur Ferse der Nation.

Sociedad unterlag damals zwar 1:3, doch im Februar 2020 kam es zur Revanche. Odegaard traf beim Gastspiel in Madrid beim 4:3-Sieg von Sociedad im Viertelfinale des Copa del Rey zum zwischenzeitlichen 1:0 für den Außenseiter. Nach einem 2:1-Erfolg im Hinspiel und einem 1:0-Sieg im Rückspiel gegen CD Mirandés gelang Odegaard mit Real Sociedad sogar der überraschende Finaleinzug. Das Endspiel wurde aufgrund der Corona-Pandemie bis heute nicht ausgetragen - es soll am 4. April stattfinden.

Dann aber ohne Odegaard, denn Real wollte seinen talentierten Mittelfeldspieler - der eigentlich zwei Jahre an Sociedad ausgeliehen war - unbedingt zurück. 

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Odegaard als Mittelfeldspieler Nummer sechs

Die Rückholaktion von Odegaard soll der explizite Wunsch von Trainer Zinedine Zidane gewesen sein. 

In den ersten beiden Partien bot er den 22-Jährigen dann auch direkt von Beginn an auf - auf der Position des Spielmachers hinter den Spitzen. 

So wirklich überzeugen konnte Odegaard allerdings nicht, im Anschluss setzten ihn eine Wadenverletzung und weitere Muskelprobleme außer Gefecht. Seit einigen Wochen ist der norwegische Nationalspieler zwar wieder fit, in den letzten fünf Partien hat er aber ganze fünf Spielminuten gesehen. 

Bei Zidane scheint Odegaard mittlerweile nur noch Mittelfeldspieler Nummer sechs zu sein - nach Toni Kroos, Casemiro, Luka Modric, Fede Valverde und sogar dem wechselwilligen Isco. 

Das größte Problem von Odegaard ist, dass Zidane nach Reals anfänglichen Schwierigkeiten wieder auf seine Veteranen vertraut. Im Mittelfeld ist für den jungen Mann daher kein Platz. (Ergebnisse und Spielplan La Liga)

Die Situation dürfe sich für Odegaard wie eine Zeitreise anfühlen. Die Bank der Königlichen kannte er vor seiner Leihe zu Sociedad sehr gut. Dass er wieder dort landen würde, war nicht vorgesehen.

Real Sociedad steht derweil auf Rang fünf der Tabelle und spielt ähnlich erfrischenden Fußball wie in der vergangenen Saison.

Odegaard wird wohl oftmals wehmütig Richtung Baskenland blicken. 

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