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AS Cittadella dürfte den wenigsten Fußballfans ein Begriff sein. Der kleine Klub aus der Nähe von Padua schickt sich an, in die Serie A aufzusteigen. Das wäre historisch.

Im italienischen Fußball machten in den vergangenen Jahren einige Vereine auf sich aufmerksam, die nur wenige auf der Rechnung hatten.

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So standen in der abgelaufenen Saison mit Frosinone Calcio und SPAL Ferarara zwei Teams in der Serie A, die vor zwei Jahren hierzulande nur Insidern bekannt gewesen sein dürften. 

Das ist aber nichts gegen das, was sich derzeit anbahnt: Denn mit AS Cittadella ist der größtmögliche Außenseiter auf dem Sprung in die höchste Liga Italiens. 

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"Wollen etwas Außergewöhnliches erreichen"

Der kleine Klub hat sich bis ins Relegations-Finale durchgekämpft und das Hinspiel mit 2:0 gegen Hellas Verona gewonnen. Vor dem Rückspiel am Sonntagabend beim italienischen Meister von 1985 geht die Elf von Trainer Roberto Venturato damit auf einmal sogar als Favorit ins zweite Duell (ab 21.15 Uhr LIVE bei DAZN)

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Wegen Veronas besserer Platzierung in der regulären Meisterschaft reicht Hellas allerdings ein 2:0 für den Aufstieg. "Wir werden viele Schwierigkeiten zu überwinden haben", ist sich Venturato vor dem Rückspiel sicher. "Aber wir wollen etwas Außergewöhnliches erreichen."  

Die Worte des Trainers sind sogar noch untertrieben: Das Städtchen in der Region Venetien, das 30 Autominuten von Padua entfernt liegt, beheimatet gerade einmal 20.000 Einwohner. Sollte der Aufstieg tatsächlich klappen, wäre es der Verein mit der geringsten Einwohnerzahl, der es je in die Serie A geschafft hat.

Nur italienische Spieler im Kader

Dabei sind nicht nur die geringen Ausmaße Cittadellas außergewöhnlich - auch ein andere Faktor macht den Klub in Italiens Spitzenfußball einzigartig: Sämtliche Spieler im Kader haben die italienische Nationalität.

Und: Im Vergleich mit den Serie-A-Klubs hat Cittadella einen geradezu abenteuerlich geringen Kaderwert. Mittelfeldspieler Andrea Schenetti ist mit 1,5 Millionen Euro (laut transfermarkt.de) der mit Abstand teuerste Spieler im Kader.

Davide Diaw, der beim 2:0-Hinspielsieg gegen Verona beide Treffer erzielte, wird mit 250.000 Euro bewertet. Als Lagerarbeiter schlug sich der heute 28-Jährige noch bis vor einigen Jahren durch und wäre nicht einmal auf die Idee gekommen, um den Aufstieg in die Serie A zu spielen.

"Ich habe nur aus Spaß gekickt", erzählte der Stürmer kürzlich in einem Interview. "Mein Geld verdiente ich damit, indem ich im Laden eines Freundes die Ware ein- und ausräumte."

Mit nicht einmal zehn Millionen Euro weist der gesamte Kader weniger als ein Zehntel des Marktwertes von Juventus-Star Cristiano Ronaldo auf.

Kleinste Stadt und kleinstes Stadion

Im Stadion Pier Cesare Tombolato, mit lediglich 7.623 Plätze das kleinste der Serie B, darf Cittadella nur mit einer Ausnahmegenehmigung des italienischen Fußballverbandes spielen.

Und dennoch: Weil der Klub schon immer das beste aus seinen bescheidenen Mitteln machte, wurde der Rasen kürzlich zum besten der gesamten Liga gewählt.

Für den Aufschwung verantwortlich ist vor allem Cittadellas Klub-Boss Luca Campedelli, der alle Fäden selbst in der Hand hält.

Inmitten zahlreicher extrovertierter Vereinspräsidenten in Italiens Top-Ligen gilt er als extrem bodenständig und unaufgeregt. Dass der Mini-Klub es in diese Gefilden schaffte, sei das Ergebnis von "Weitsicht und einer einer hervorragenden Organisation und Planung", schreibt die Gazzetta dello Sport.

Am Sonntagabend können die No-Names aus der paduanischen Provinz das Märchen vollenden.

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