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München und Florenz - Franck Ribéry löst beim AC Florenz einen regelrechten Hype aus. Der Klub will zurück zu altem Glanz - und das Potenial ist vorhanden. Nicht nur wegen des Franzosen.

Die Euphorie in Florenz könnte dieser Tage kaum größer sein.

Die Verpflichtung des ehemaligen Bayern-Stars Franck Ribéry erinnert die Tifosi an längst vergessene Zeiten.

Goldene Zeiten in den frühen Neunzigerjahren, als Vereinslegende Gabriel Batistuta sämtliche Abwehrreihen Italiens das Fürchten lehrte und Stefan Effenberg die Fäden im Mittelfeld zog.

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Als die Fiorentina in der Saison 1995/96 die Coppa Italia gewann, galt die Serie A als beste Liga Europas. Florenz war regelmäßiger Gast in der UEFA Champions League.

Doch die Champagner-Zeiten in der Toskana-Metropole liegen nun schon einige Jahre zurück.

Mit Luca Toni reif für die Champions League

Die letzten wirklich positiven Schlagzeilen stammen aus der Saison 2005/06, als es der Mannschaft um einen gewissen Luca Toni gelang, in die Champions League einzuziehen.  

31 Treffer markierte der schlaksige Italiener in dieser Spielzeit. Er wurde Torschützenkönig und erhielt den Goldenen Schuh der UEFA als bester Torschütze Europas – der AC Florenz war zurück auf Europas Landkarte.

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Im darauffolgenden Sommer überschlugen sich dann jedoch die Ereignisse in der Italien.

Auf den Gewinn der Weltmeisterschaft in Deutschland folgte der wohl größte Manipulationsskandal der europäischen Fußball-Geschichte.

Florenz verwickelt in Manipulationsskandal

Rekordmeister Juventus Turin unter seinem damaligen Manager Luciano Moggi und mehrere andere Profiklubs wurden überführt, in der vorausgegangenen Spielzeit unter Mitwirkung von Schiedsrichtern Spiele verschoben zu haben.

Der AC Florenz durfte zwar im Gegensatz zur "Alten Dame" aus Turin in der Serie A bleiben, musste die Folgespielzeit jedoch mit 19 Minuspunkten beginnen. Die Teilnahme an der Champions League wurde ebenfalls untersagt.

Ein Jahr später erwischte es die Fiorentina dann auch personell knüppeldick. Top-Star Luca Toni zog es zum FC Bayern (übrigens zeitgleich mit der Ankunft von Franck Ribéry in München).

Diese zwei Tiefschläge schienen das Ende der fetten Jahre für die "Viola", der Violetten, einzuläuten.

Mit Gomez in der Europa League

Doch der Verein erholte sich überraschend schnell von den Umständen, auch wenn die Teilnahme an der Königsklasse seitdem nicht mehr möglich war.

Aber es sprangen einige Top-Fünf-Platzierungen heraus, die Fiorentina war regelmäßiger Gast in der Europa League. 

Unter anderem Mario Gomez sorgte zwischen 2013 und 2015 für eine durchaus erfolgreiche Etappe, als die Fiorentina dreimal hintereinander den 4. Platz in der Serie A belegte. Nur die damalige Platzierung Italiens in der UEFA-Fünfjahreswertung verhinderte die Teilnahmen an der Qualifikation für die Champions League.

Allerdings lief es für Gomez in dieser Zeit vor allem verletzungsbedingt nicht wirklich gut. Die karge Ausbeute von sieben Tore in 29 Serie-A-Spielen stand am Ende auf dem Zettel. 

Fast-Abstieg der Remis-Könige

In der jüngeren Vergangenheit müssen sich die Fans jedoch eher mit Mittelmaß begnügen, die abgelaufene Spielzeit beendete das Team auf dem 16. Tabellenplatz. Nur drei Punkte lagen am Ende zwischen Serie A und Serie B. Einem guten Saisonstart unter Trainer Stefano Pioli folgte zu Beginn der Rückrunde der schleichende Niedergang.

Im Frühjahr zogen die Verantwortlichen die Notbremse und installierten erneut Vincenzo Montella, der das Team zwischen 2012 und 2015 bereits betreut hatte.

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Zumindest auf die Ergebnisse hatte diese Entscheidung keine positiven Auswirkungen – und das wäre noch weit untertrieben. Unter der Führung des einstigen Roma-Stars rutschte Florenz vom 10. auf den 16. Tabellenplatz ab, mit viel Glück wurde der Abstieg verhindert.

Unglaubliche 17 Unentschieden fabrizierte die "Viola" in der Spielzeit 2018/19, 47 Tore in 38 Spielen sprechen nicht unbedingt eine offensive Sprache.

Boateng, Ribéry und viel Talent

Dabei ist im Kader durchaus Qualität vorhanden - auch im Angriff. Top-Talent Federico Chiesa, hinter dem im Sommer einige Top-Vereine, unter anderem der FC Bayern, her gewesen sein sollen, konnte gehalten werden.

Dazu steht in Giovanni Simeone, Sohn von Atlético-Trainer Diego Simeone, ein durchaus treffsicherer Stürmer (14 Tore und fünf Vorlagen in der Saison 2017/18) parat, der jedoch letztes Jahr nicht wirklich in die Gänge kam.

Bereits vor der Verpflichtung von Franck Ribéry gelang der Fiorentina außerdem ein weiterer Achtungserfolg. Mit Wandervogel Kevin-Prince Boateng sicherte sich der Klub die Dienste eines international und vor allem Serie A-erprobten Offensiv-Allrounders.

Dazu kam mit Erick Pulgar ein defensiver Mittelfeldspieler für zehn Millionen Euro vom FC Bologna. 

Perfektes Biotop für Ribéry

Zusammen mit dem 35-jährigen Ribéry sollen sie auf dem Feld, aber auch in der Kabine und auf dem Trainingsplatz Führungsrollen einnehmen. Denn das Team ist vergleichsweise jung (Durchschnitt 24,62 Jahre), von den potenziellen Stammspielern ist kaum einer älter als 25. 

Coach Montella ist als ehemaliger Stürmer naturgemäß ein Verfechter offensiver, anarchischer Spielweise – das perfekte Biotop für Ribéry.

Darüber hinaus hat auch hinter den Kulissen in der toskanischen Hauptstadt ein entscheidender Wechsel stattgefunden.

Neuer Besitzer, neue Ziele

Rocco Commisso, ein italo-amerikanischer Milliardär, ist seit Juni 2019 Hauptanteilseigner des AC Florenz. Etwa 200 Millionen Euro war ihm dieses Investment wert. In den USA gehören ihm bereits die New York Cosmos, die in der zweiten amerikanischen Liga beheimatet sind.

Der 69 Jahre alte Milliardär ist CEO und Gründer von Mediacom, dem fünftgrößten TV-Unternehmen in den USA. Eines seiner Ziele: Die Marke AC Florenz auf dem US-Markt stärker zu positionieren.

Inwiefern sich Commisso auch finanziell - beispielsweise in puncto Transfers - beteiligen wird, ist noch unklar.

Sicher dagegen ist: Die Fiorentina steht vor einer Art Reset – nach der enttäuschenden letzten Spielzeit greift der Klub dieses Jahr wieder an. Mittendrin: der stets angriffslustige Franck Ribéry.

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