Lesedauer: 4 Minuten
teilenE-MailKommentare

München - Inter Mailand steht nach einem denkwürdigen Derbysieg an der Tabellenspitze der Serie A. Ganz Italien ist begeistert und viele hoffen auf eine Wachablösung.

Spätestens seit Sonntagabend ist Mailand schwarz-blau.

Dabei schien es lange die Nacht von Superstar Zlatan Ibrahimović und dem AC Mailand zu werden. Zur Halbzeit führte Milan im Derby della Madonnina noch mit 2:0, der Schwede hatte ein Tor erzielt und das andere vorbereitet.

Im zweiten Durchgang gelang Inter jedoch ein denkwürdiges Comeback. In der Nachspielzeit köpfte Romelu Lukaku zum 4:2 ein und entschied das Stadtderby damit für die Nerazzurri. Der Belgier rannte an die Seitenlinie, band sein Trikot um die Eckfahne und küsste das Wappen seines Klubs.

Anzeige

Inter verdrängt Juventus von Platz eins

"Inter Mailand ist zum Küssen", titelte der Corriere dello Sport am Montagmorgen und fasste damit die Stimmung eines ganzen Landes zusammen. Inter ist die Mannschaft der Stunde und noch mehr: die Hoffnung, dass auch ein anderes Team als Juventus Turin noch italienischer Meister werden kann.

In den letzten acht Spielzeiten stemmten immer die Spieler der alten Dame des italienischen Fußballs die Scudetto-Trophäe in die Höhe. Juves Dominanz ist damit sogar größer als die des FC Bayern in Deutschland, der in den letzten sieben Saisons die Meisterschale gewann.

Auch Inter ist ein Traditionsklub, der auf 18 Meistertitel zurückblicken kann. Den letzten gab es allerdings vor zehn Jahren zu feiern. In jüngerer Vergangenheit war der Champions-League-Sieger von 2010 genau wie Stadtrivale AC Mailand im tristen Mittelmaß abgetaucht.

DAZN gratis testen und internationale Fußball-Highlights live & auf Abruf erleben | ANZEIGE

Daher folgte bei beiden Klubs im Sommer einmal mehr ein Umbruch. Bei Milan verpuffte dieser wirkungslos, nach 23 Spieltagen stehen die Rossoneri nur auf Rang zehn. Inter ist hingegen der große Durchbruch gelungen. Durch den Derbysieg überholte der Klub Juventus und eroberte die Tabellenspitze.

Die Neuzugänge schlagen ein

Ein Grund für den Höhenflug ist zweifellos Lukaku. Dem belgischen Mittelstürmer wurde schon immer eine hohe Veranlagung nachgesagt, bei den Top-Klubs FC Chelsea und Manchester United konnte er sich allerdings nicht auf Dauer durchsetzen.

Im Sommer überwies Inter dann 65 Millionen Euro an die Red Devils, um sich die Dienste des 26-Jährigen zu sichern. Eine große und risikoreiche Investition, die sich allerdings voll auszahlt.

Meistgelesene Artikel

21 Tore hat der bullige Stürmer in 30 Saisonspielen erzielt und sich damit zur Lebensversicherung Inters aufgeschwungen. "Ich bin hier, um zu gewinnen", stellte er nach dem umjubelten Derbysieg klar.

Das gilt auch für den 33 Jahre alte Routinier Diego Godín, der ablösefrei von Atlético Madrid kam, und nun auf seine unnachahmliche Weise die Abwehrreihe zusammenhält. Im Winter gelang den Mailändern dann der nächste Transferhit: Christian Eriksen wechselte für 20 Millionen Euro von Tottenham Hotspur in die Lombardei. 

Conte als emotionaler Antreiber

Der wohl größte Coup ist allerdings der Trainer. Antonio Conte kehrte nach einer fast einjährigen Pause und seinem Ausflug zum FC Chelsea auf die Trainerbank und auch in sein Heimatland zurück.

Der 50-Jährige hatte bereits Juventus und die italienische Nationalmannschaft trainiert. Er ist ein besessener Taktiker und ein emotionaler wie leidenschaftlicher Coach. Er treibt seine Mannschaft Woche für Woche zur Höchstleistung.

Antonio Conte feiert den Sieg gegen den AC Mailand
Antonio Conte feiert den Sieg gegen den AC Mailand © Getty Images

Vor zwei Wochen musste Conte nach einem Unentschieden gegen Cagliari Calcio aufgrund von Herzproblemen behandelt werden. Es handelte sich um eine Tachykardie, einen andauernd hohen Puls über 100 Schläge pro Minute. Zuvor war er aufs Spielfeld gestürmt, um sich vehement beim Schiedsrichter zu beschweren.

Jetzt aktuelle Fanartikel der internationalen Top-Klubs bestellen - hier geht's zum Shop! | ANZEIGE

Conte lebt Fußball. Er ist heißblütig, impulsiv und sorgt auch immer wieder für einen Lacher. Im November letzten Jahres hatte er seinen Spielern im Interview mit L´Equipe einen skurrilen Rat gegeben.

Um sich für das Training und die Spiele zu schonen, empfahl er seinen Schützlingen eine bestimmte Sexpraktik: "Die beste Stellung für die Spieler ist, wenn der Partner oben ist."

"Wir dürfen einen Traum haben"

Außerdem verhängte er den Spielern ein Fremdgeh-Verbot. Der Grund: Verborgene Liebschaften seien deutlich zu stressig und kraftraubend.

Auch wenn Conte diese Ratschläge wohl mit einem Augenzwinkern meinte, kann niemand behaupten, dass der Trainer seine Aufgabe nicht mit letzter Konsequenz verfolgt. Er lebt seinem Team vor, dem Erfolg alles unterzuordnen. Gemeinsam hat Inter ein großes Ziel.

"Wir dürfen einen Traum haben", sagte Conte nach dem Sieg am Sonntagabend. Um welchen es sich handelt, ist klar: Die Vormachtstellung von Juventus zu durchbrechen und ganz Italien zumindest einen Sommer lang in schwarz-blau zu tauchen.

Nächste Artikel
previous article imagenext article image