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Axel Schulz (l.) und Graciano Rocchigiani kannten sich seit 1992
Axel Schulz (l.) und Graciano Rocchigiani kannten sich seit 1992 © Credit: SPORT1-Grafik/Getty Images/Imago
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München - Axel Schulz und Graciano Rocchigiani kennen sich seit mehr als 20 Jahren. Nach dem Tod der Box-Legende erinnert sich Schulz an seinen Freund und Kollegen.

Im Jahr 1992 lerne ich Graciano kennen. Mit nur 19 Jahren wird er zum jüngsten deutschen Box-Weltmeister – und ich bin beeindruckt. Trotz zwei zugeschwollener Augen besiegt er seinen Gegner. Er kämpft und fightet bis zum Ende.

Rund drei Jahre später lernen wir uns richtig schätzen. Im Mai 1995 muss er im Ring gegen Henry Maske ran. Die Kampfrichter entscheiden auf Punktsieg für Maske, für mich eine klare Fehlentscheidung.

Damals bin ich noch unerfahren und marschiere vor versammelter Presse in die Kabine. Ich sage Rocky, dass er betrogen wurde, anschließend bin ich bei Team Sauerland und Henry Maske unten durch.

Rocky dagegen schließt mich in sein Herz, wir tauschen Nummern und bleiben in ständigem Kontakt.

Rocky war ganz gewiss einer der größten deutschen Boxer, auch wenn er in seiner Karriere dreimal betrogen wurde.

Nicht nur gegen Maske, auch gegen Eubank und Dariusz Michalczewski lagen die Punktrichter falsch.

Graciano war für mich ein richtiger Typ. Er hat in diese Welt reingepasst. Man musste aber wissen, wie man ihm zu nehmen hat.

Man konnte mit ihm immer Spaß haben, aber man musste auch wissen wo die Grenzen sind. Wenn eine Situation brenzlig wurde, dann habe ich ihn daran erinnert, dass er nur Cruisergewicht, ich dagegen Schwergewicht geboxt habe. Das hat immer geholfen.

In unserer Freundschaft gab es Höhen und Tiefen, aber immer wenn wir uns gesehen haben, dann haben wir uns super verstanden.

Mitte Juni waren wir beim Kampf von Marco Huck in München. Für den Tag danach hatte ich in meinem Haus in Frankfurt/Oder eine kleine Party geplant. Gemeinsam mit Freunden wollte ich das WM-Spiel Deutschland gegen Mexiko anschauen.

Auch Graciano war eingeladen. Um dabei sein zu können, ist er extra die mehr als 500 Kilometer mit dem Auto gefahren. Auf der Party hatte er die Leute gleich auf seiner Seite. Früher hieß es immer: Graciano der Rabauke, jetzt haben sich die Menschen gefreut ihn zu sehen.

Als ich gestern Mittag durch Freunde von seinem Tod erfahren habe, da konnte ich es gar nicht glauben. Ich habe zehnmal versucht ihn auf seinem Handy anzurufen, aber er ist nicht mehr ran gegangen. Ich bin immer noch geschockt, sein Tod ist einfach unfassbar.

Ich werde Graciano vermissen, auch als SPORT1-Box-Experte an meiner Seite. Er war immer schrecklich ehrlich. Ich habe oft versucht ihm zu erklären, dass wir den Zuschauern nicht das Boxen beibringen müssen. Ich habe versucht, ihm ein bisschen Diplomatie beizubringen. Aber er hat nicht mit sich reden lassen.

Wenn etwas scheiße war, dann war es scheiße. 

Mit "The Next Rocky" hatte Graciano wieder ein großes Ziel vor Augen. Er hat diese Show gelebt und war wieder auf dem richtigen Weg. 

Ich werde ihn vermissen.

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