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Tom Schwarz geht als klarer Außenseiter in den Kampf gegen Tyson Fury. Sollte ihm der Coup gelingen, würde er "erstmal heulen". Wird es sogar noch ein WM-Fight?

Beim ersten gemeinsamen Auftritt in Las Vegas bekam Tom Schwarz einen Vorgeschmack auf Showman Tyson Fury.

Der "Gypsy King" schnappte sich das Mikro und führte locker plaudernd durchs Programm. Schwarz blieb nur die Nebenrolle, die er wohl auch Sonntagfrüh im Kampf seines Lebens gegen den Klitschko-Bezwinger einnehmen wird.

"Singen wir einen Song zusammen, Tom", rief Fury, der einen schrillen Anzug mit lauter Fotos von ehemaligen Boxgrößen trug. "Du bist der bessere Sänger", konterte Schwarz und überließ dem Ex-Champ die Show. Für den Herausforderer ist die Glitzerwelt im Boxmekka absolutes Neuland, dennoch fiebert der gebürtige Hallenser dem großen Auftritt im legendären MGM Grand Hotel entgegen.

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Schwarz klarer Außenseiter gegen Fury

"Es ist Las Vegas, es ist das MGM. Jeder junge Boxer träumt davon, hier einmal zu kämpfen", sagte Schwarz. Seit Wochen bereitet sich der bullige Boxer intensiv vor. Erst zog er im Trainingslager in Bayern Traktorreifen die Berge hoch, dann schwitzte der 1,97m große Hüne in der Wüste von Nevada in langen Ausdauerläufen und endlosen Sparringsrunden.

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Doch trotz aller Anstrengungen ist Schwarz klarer 1:17-Außenseiter, bekommt gerade mal eine Börse von 800.000 Euro. Es war schon eine Überraschung, als sein Promoter Ulf Steinforth vom Magdeburger SES-Stall den Megafight im März verkünden konnte. "Wir trauen Tom einen großen Kampf zu, seine Karriere fängt jetzt erst an", sagte Steinforth.

Zwar hat Schwarz alle seine bisherigen 24 Profikämpfe gewonnen, doch Gegner mit großen Namen waren nicht dabei. Einen besonderen Punch hat der Modefan (Lieblingsmarke Gucci) und frühere Lebensgefährte von DSDS-Sternchen Annemarie Eilfeld nicht. Er müsse auf Furys "unkontrollierte Bewegungen" achten, man wisse nie "woher die Schläge kommen, wenn er sich nach links oder rechts bewegt."

Profiteur von geplatztem Wilder-Kampf

Schwarz hatte beim Zustandekommen des Kampfes Glück, dass Furys Rematch gegen WBC-Champion Deontay Wilder platzte. Gegen den US-Amerikaner holte der 2,06 m große Brite Anfang Dezember nur ein Remis. Der Kampf gegen Schwarz ist für Fury der erste von fünf Fights, für die ihm der US-amerikanische TV-Sender ESPN insgesamt 90 Millionen US-Dollar zahlt.

Fury wirkt vor dem Kampf gut erholt. Der Brite scheint seine Krise nach dem WM-Sieg über Wladimir Klitschko Ende 2015 mit Drogen, Depressionen und Rücktrittserklärungen überstanden zu haben. "Welchen Kampf Tom auch immer will, den kann er haben. Wenn er boxen will oder wenn er Krieg will, ich bin bereit", meinte der Ex-Champ selbstbewusst.

Nach Einschätzung von SPORT1-Experte Axel Schulz, der in Las Vegas für den MDR am Ring sitzt, kann Schwarz auch im Falle einer Niederlage auf eine erfolgreiche Karriere hoffen. "Er darf nur nicht in den ersten Runden sofort k.o. gehen", sagte Schulz, der seine drei WM-Kämpfe allesamt verloren hat und dennoch immer noch ein gefragter Box-Experte ist.

"Dann würde ich erstmal heulen"

Sollte Schwarz der Lucky Punch, wie zuletzt Andy Ruiz gegen Anthony Joshua, gelingen, dann liegt ihm die Boxwelt zu Füßen. "Dann würde ich erstmal heulen und drei Monate nichts machen", sagte der Underdog, meinte aber auch: "Natürlich mache ich weiter. Ich habe dann gute Chancen auf einen WM-Kampf."

Gerüchten zu Folge soll der Weltverband WBO derzeit schon überlegen, den Fight am Samstag kurzfristig zu einem WM-Kampf zu erklären. Der jetzige WBO-Titelträger John Ruiz jr. (USA) weigert sich, gegen einen Pflichtherausforderer anzutreten. Sollte es so kommen, könnte Schwarz am Ende sogar der erste deutsche Boxer werden, der sich in Las Vegas zum Champion krönt.

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