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Roman Reigns steht im Hauptkampf von WrestleMania - zum Ärger vieler WWE-Fans
Roman Reigns steht im Hauptkampf von WrestleMania - zum Ärger vieler WWE-Fans © WWE 2016 All Rights Reserved
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München - Roman Reigns steht als designierter Star im Hauptkampf von WrestleMania, viele WWE-Fans treibt das zur Verzweiflung. Übersteht er den Sturm der Kritik?

Einem Fan hat Roman Reigns es neulich doch mal zurückgegeben.

"Hörst du denn nicht, wie jeder dich ausbuht?", hatte der ihn angetwittert: "Wenn du den WWE-Titel gewinnst, breche ich mir alle Finger, du bist ein fürchterlicher Wrestler."

Reigns griff sich die Hassbotschaft - eine von tausenden, die er derzeit erhält - heraus und antwortete: "Sieht aus, als ob dein Sexleben leiden wird." Hashtag: "#Dummkopf".

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Ein schönes Beispiel, wie ein verhasster Wrestling-Bösewicht heute seine Rolle spielt - wenn Roman Reigns einer wäre. Reigns ist allerdings kein verhasster Wrestling-Bösewicht, sondern ein verhasster Guter. Was ein Problem ist für die WWE, wenige Tage vor ihrer größten Show des Jahres.

WWE-Fans im Daueraufruhr

Bei WrestleMania 32 in der Nacht zum Montag tritt Reigns im Hauptkampf gegen WWE World Champion Triple H an - und muss fürchten, zum zweiten Mal hintereinander bei diesem Anlass von der Bühne gebuht zu werden, von rund 100.000 Fans im Stadion der Dallas Cowboys.

Der Grund dafür? Eine vertrackte Geschichte, die viel mit der komplizierten Zielgruppenstruktur der WWE zu tun hat.

Reigns hat seine Anhänger, ein Großteil der ganz jungen Fans liebt den Mann mit dem X-Men-Look, das Familienpublikum, viele weibliche, viele Gelegenheits-Zuschauer - weshalb die WWE Reigns seit eineinhalb Jahren als dominanten Star in Szene setzt.

Genau dagegen meutert allerdings der andere Teil des Publikums: der harte, laute Kern der WWE-Fans - junge Männer zwischen 13 und 30. Sie finden Reigns, wie die WWE ihn gerade darstellt, zu glatt, zu konventionell, zu einfallslos. Und sie lassen sich generell ungern aufzwingen, welchen Star sie bejubeln sollen.

Die Folge: Ständige Buhrufe gegen Reigns, Daueraufruhr in den sozialen Medien - zuletzt als Reigns seine Kritiker mit dem Hinweis abkanzelte, die WWE sei eben eine Show für Kinder, er sei "nicht für die erwachsenen Männer" im Geschäft.

Cesaro nimmt Reigns in Schutz

"Wir haben nun mal die besten und treuesten Fans. Sie sind voll bei der Sache", sagt Reigns' WWE-Kollege Cesaro bei SPORT1.

"In der heutigen Zeit mit den sozialen Netzwerken ist die Kritik allgegenwärtig", ergänzt der Schweizer, der wegen seiner technischen Fähigkeiten von vielen verehrt wird, die mit Kraftpaket Reigns nichts anfangen können. Cesaro findet allerdings: "Roman wird oft zu Unrecht kritisiert."

Der Ex-Footballer sei ein "sehr talentierter Athlet", habe schon immer "extrem hart" gearbeitet: "Klar kann er manche Dinge noch verbessern, aber das können wir alle."

© SPORT1

Lohnt die Investition?

Die WWE-Oberen sehen im Cousin von Hollywood-Star und WWE-Legende Dwayne "The Rock" Johnson ihren Mann der Zukunft - aus purem Trotz, wie Kritiker unterstellen?

Dolph Ziggler, ein anderer WWE-Kollege glaubt das im Gespräch mit SPORT1 nicht: "Die Maschinerie würde sich schnell dem nächsten zuwenden, wenn jemand die Investition nicht rechtfertigt."

Was für die Investition in Reigns spricht: Der 30-Jährige ist unter den jüngeren WWE-Wrestlern der, der die meisten Facebook-Fans hinter sich hat - US- und weltweit. Dem Wrestling Observer zufolge verkauft er - Stand Herbst 2015 - auch schon die zweitmeisten Fanartikel hinter John Cena.

Modell Cena - oder Wandel zum Bösewicht?

Dafür, dass sich das Festhalten an umstrittenen Stars lohnen kann, ist besagter Cena das beste Beispiel. Obwohl er die Fans ähnlich spaltete wie Reigns, blieb die Liga unbeirrt und setzte weiter auf ihn - bis er sich den Respekt der Kritiker erarbeitet hatte. Heute buhen die meisten ihn nur noch aus Folklore-Gründen aus.

Ob es bei Reigns genauso läuft? Noch nicht endgültig abzusehen. Reigns ist als Redner nicht so stark wie Cena und so laut wie Cenas Anhänger treten seine den Buhrufern bislang nicht entgegen.

Weil momentan kein Ende der Rebellion gegen Reigns in Sicht ist, wird auch über Alternativ-Szenarien spekuliert: Reigns könnte ganz offiziell zum Bösewicht gemacht werden, erfahrungsgemäß wären die Kritiker dann schnell befriedet - seine Zugkraft beim anderen Teil des Publikums allerdings wäre geschädigt.

Einen einfachen Ausweg aus dem Dilemma gibt es nicht. Und wenn die WWE für Sonntag keinen überraschenden Masterplan für Reigns in petto hat, wird es ein ungemütlicher Abend für ihn: WrestleMania ist keine Veranstaltung für Gelegenheitszuschauer. Es ist das Mekka des harten, lauten Kerns.

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