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James Ellsworth (r.) ist durch sein Match gegen Braun Strowman zum WWE-Kultstar geworden
James Ellsworth (r.) ist durch sein Match gegen Braun Strowman zum WWE-Kultstar geworden © WWE 2016 All Rights Reserved
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München - Er sollte sich eigentlich nur von einem WWE-Hünen vernichten lassen. Doch der Netz-Kult danach machte aus James Ellsworth selbst einen Star - der manchmal sogar gewinnt.

Groß, muskulös, glamourös: Wer in der Wrestling-Liga WWE etwas werden will, muss diese drei Eigenschaften mitbringen. Eigentlich.

James Ellsworth ist weder groß, noch muskulös, noch glamourös. Er sieht eigentlich, um es mal ehrlich zu sagen, ziemlich unvorteilhaft aus. Zum WWE-Star ist er trotzdem geworden - beziehungsweise genau deshalb.

Vor vier Monaten wurde der schmächtige 1,75-Meter-Mann aus Baltimore von der Showkampf-Promotion für ein Mini-Match engagiert, in dem er eigentlich nur das Kanonenfutter für den aufstrebenden Hünen Braun Strowman spielen sollte.

Aus diesem Match entstand ein Internet-Kult, der Ellsworth mittlerweile einen festen Vertrag bei WWE eingebracht hat. Und eine Hauptrolle bei SmackDown Live, der zweitwichtigsten TV-Show des Unternehmens.

Ungleiches Duell amüsierte Fans

Am 25. Juli begann das kleine Märchen: Ellsworth hatte einen Auftritt bei der Montagsshow RAW, musste sich innerhalb einer Minute vom 2,03 Meter großen und angeblich über 170 Kilo schweren Strowman abfertigen lassen.

Das ungleiche Duell amüsierte die Fans, vor allem auch das kurze Interview davor, in dem Ellsworth wider besseren Wissens tat, als hätte er gegen das "Monster among Men" eine Chance.

"Every man with two hands has a fighting chance", hielt er fest: Jeder Mann mit zwei Händen hat die Chance, einen Kampf zu gewinnen. Ellsworth hatte sich diesen Satz selbst ausgedacht und schlug erfolgreich vor, ihn in das Skript aufzunehmen. Er wurde zum geflügelten Wort.

WWE-Boss begeistert

Was folgte, war ein Social-Media-Rausch: Es gab Fotomontagen, Memes, Hashtags, in denen WWE aufgefordert wurde, den Mann mit dem charakteristisch abwesenden Kinn unter Vertrag zu nehmen (#signEllsworth) und einen Star aus ihm zu machen (#pushEllsworth).

Es mag von vielen nur als Witz gemeint gewesen sein. Aber der Witz funktionierte.

Die Fans rannten offene Türen bei WWE-Boss Vince McMahon ein: Schon bevor der Netz-Kult losging, gratulierte er Ellsworth persönlich zu seinem gelungenen Auftritt. Auch RAW-Veteran Chris Jericho war begeistert und lud Ellsworth in seinen Podcast ein - was ihm zusätzliche Aufmerksamkeit verschaffte.

Ellsworth wurde von WWE engagiert, bekam eine feste Rolle bei SmackDown und spielt dort nun den Eddie the Eagle des Wrestling, den Underdog mit Herz - und einem T-Shirt mit dem eigenen Gesicht.

Ellsworth kassiert regelmäßig Prügel, durfte aber auch drei Siege gegen WWE World Champion AJ Styles feiern - wenngleich alle drei begünstigt von glücklichen Umständen waren. Am Sonntag, bei der Großveranstaltung TLC, dürfte er wieder einen Auftritt haben, wenn Styles seinen Titel gegen Dean Ambrose verteidigt.

Ellsworth seit 14 Jahren im Geschäft

Ellsworth war zuvor einer von tausenden US-Showkämpfern und nur einem regionalen Publikum und ganz engagierten Szenekennern ein Begriff.

Der 31 Jahre alte Familienvater ist schon seit seinem Schulabschluss 2002 im Geschäft, er wurde trainiert vom verstorbenen Axl Rotten, promotet nebenbei auch eine eigene kleine Liga in Maryland.

14 Jahre eine lokale Attraktion, wegen eines Zwei-Minuten-Auftritts nun Hauptdarsteller in der größten Kampfshow der Welt: Ellsworths Satz, dass jeder eine Chance hat, hat sich bewahrheitet.

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