Lesedauer: 4 Minuten
teilenE-MailKommentare

München - Bei einem traditionellen Büffel-Rennen trumpft der Inder Srinivas Gowda auf. Auf 100m gerechnet unterbietet er den Weltrekord von Usain Bolt und soll zu Olympia.

Stellt jemand die Frage nach dem schnellsten Mann der Welt, ist die Antwort zumeist klar. Usain Bolt.

Am 16. August 2009 pulverisierte der Jamaikaner bei der Leichtathletik-WM in Berlin alles bisher Dagewesene. Er absolvierte die 100 Meter in 9,58 Sekunden und unterbot damit seinen eigenen Weltrekord um elf Hundertstel.

Die Bilder seines ganz speziellen Jubels gingen im Anschluss um die Welt.

Anzeige
Usain Bolt wurde mit seinem Jubel zur Ikone
Usain Bolt wurde mit seinem Jubel zur Ikone © Getty Images

Gowda eigentlich Bauarbeiter

Dass ein Sportler die Fabelzeit von Bolt in naher Zukunft unterbieten könnte, schien kaum vorstellbar. Doch nun macht sich ein Inder auf, die Zeiten des achtmaligen Olympiasiegers zu unterbieten – und das ausgerechnet an der Seite zweier Büffel.

Jetzt aktuelle Sportartikel kaufen - hier geht's zum Shop | ANZEIGE

Srinivas Gowda heißt der 28-Jährige, der im indischen Bundesstaat Karnataka sein Geld eigentlich als Bauarbeiter verdient. Weltweit Bekanntheit erlangte er in den vergangenen Tagen jedoch nicht mit seiner Tätigkeit auf dem Bau, sondern mit seinen sportlichen Höchstleistungen im Schlamm.

Gowda betreibt die traditionelle indische Sportart Kambala. Dabei müssen die Teilnehmer auf einer Strecke von maximal 142 Metern so schnell wie möglich durch ein schlammiges Reisfeld rennen. Dies tun sie jedoch nicht allein, begleitet werden die Sportler von zwei aneinander gebundenen Büffeln.

Srinivas Gowda erbrachte an der Seite seiner Büffel einen Rekord
Srinivas Gowda erbrachte an der Seite seiner Büffel einen Rekord © Getty Images

Schneller als Usain Bolt

Anfang Februar erbrachte der 28-Jährige dabei eine bemerkenswerte Leistung. Neben den beiden Büffeln her rennend überwand er die 142 Meter lange Strecke in 13,42 Sekunden.

Dies bedeutete nicht nur einen nationalen Rekord. Der Jockey lief die 100 Meter dabei umgerechnet in nur 9,55 Sekunden, drei Hundertstel schneller als Bolt bei seinem Weltrekord. Sein Erfolgsgeheimnis ist nach eigener Aussage übrigens die Ernährung. "Ich gehe nie ins Fitness-Studio. Fisch ist ein Muss beim Essen. Ich bin stark und bekomme meine Ausdauer durch Fisch", sagte Gowda dem New India Express.

Meistgelesene Artikel

In Indien sorgte die Performance des Bauarbeiters für Aufruhr. Das dazugehörige Video verbreitete sich in Windeseile im Netz, Politiker und Funktionäre horchten ebenfalls auf. Der Sportminister lud Gowda via Twitter zu Ausscheidungs-Wettkämpfen ein, nur zu gerne würde man einen indischen Super-Sprinter bei Olympia präsentieren. Er wollte dem gefeierten Phänomen sofort die besten Trainer des Landes zur Verfügung stellen. Auch die britische BBC griff die Geschichte auf.

Gowda will nicht zu Olympia

Doch der extrem austrainierte Gowda hat die Einladung vorerst ausgeschlagen. "Ich habe mich am Bein verletzt und mein Fokus liegt ohnehin auf Kambala. Ich bin daran gewöhnt, mit Büffeln durch Reisfelder zu rennen", wehrte er im Interview mit BBC Hindi ab.

Auch der Gründer der Kambala-Akademie erteilte dem Wunsch des Ministers eine Absage. Gowda habe "Verpflichtungen, die er unter keinen Umständen brechen kann. Wir lehnen das Angebot aber nicht ab. Vielleicht kann er zu einem späteren Zeitpunkt teilnehmen", so Professor K. Gunapala Kambada.

Srinivas Gowda wurde für seinen Rekord ausgezeichnet
Srinivas Gowda wurde für seinen Rekord ausgezeichnet © Getty Images

Den weltweiten Hype will der Professor dabei nicht mitmachen. Bei Vergleichen mit Bolt gibt er sich bescheiden und warnt vor den professionellen Messgeräten bei Olympia. Diese seien genauer, wissenschaftlicher und würden über eine bessere Technik verfügen.

Zudem lässt sich mit zwei vorneweg laufenden Büffeln nicht auf das Endergebnis eines Laufs ohne tierische Unterstützung schließen. Andererseits wäre Gowda auf einer hochmodernen Laufbahn wie in Tokio sicherlich etwas schneller als in einem schlammigen Reisfeld.

Kambala wegen Tierquälerei verboten

Seit sieben Jahren übt Gowda die traditionelle Sportart aus, die in der lokalen Tulu-Sprache so viel wie "schlammiges Reisfeld" bedeutet. Unumstritten ist Kambala nicht. 2014 wurde der Sport von Indiens höchstem Gericht wegen Tierquälerei verboten, Tierschutzorganisationen laufen immer wieder Sturm.

DAZN gratis testen und Sport-Highlights live & auf Abruf erleben | ANZEIGE

Seit 2018 ist es im Staat Karnataka jedoch wieder erlaubt – unter der Auflage, dass keine Peitschen verwendet werden dürfen.

Srinivas Gowda kümmern all die Lobeshymnen auf seine Person nicht. Nach seinem Mega-Lauf lobte er nicht sich selbst, sondern bedankte sich bei seinen Tieren. "Der Verdienst meines Erfolgs sollte auch meinen beiden Büffeln gelten. Sie liefen sehr gut", schwärmte der Jockey.

Und auch die Vergleiche mit Usain Bolt hinken für Gowda gewaltig. "Er ist ein Weltmeister, ich laufe nur in einem matschigen Reisfeld."

Nächste Artikel
previous article imagenext article image