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Amanal Petros sorgt sich um seine Familie in Äthiopien
Amanal Petros sucht seine Familie in Äthiopien © Imago
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München - Der neue deutsche Marathon-Hoffnungsträger Amanal Petros macht sich große Sorgen. Seine Mutter und seine beiden Schwestern sind im Kriegsgebiet in Äthiopien verschollen.

Erst wenige Wochen ist es her, dass Amanal Petros ins Rampenlicht gelaufen ist.

Doch obwohl der 25-Jährige mit 2:07:18 Stunden einen neuen deutschen Rekord aufstellte und damit den größten Erfolg seiner Karriere feierte, beschäftigen den Marathon-Läufer ganz andere Dinge.

Verzweifelt ist Deutschlands neuer Marathon-Rekordhalter auf der Suche nach seiner Mutter und seinen beiden Schwestern, die in der äthiopischen Kriegsregion Tigray verschollen sind. Seit fast zwei Monaten schon hat Petros nichts mehr von ihnen gehört.

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Marathon-Star sucht Familie

In Tigray herrscht Krieg: Es gibt keinen Strom und kein Wasser. Das Krisengebiet ist von der Außenwelt abgeschnitten, fast 70.000 Äthiopier sollen schon ins Nachbarland Sudan geflüchtet sein.

Dort will Petros seine Angehörigen nun suchen, hat dafür sogar das Rote Kreuz eingeschaltet,und auch deutsche Freunde helfen. "Meine Familie ist ja ein Teil meines Lebens, da spüre ich auch große Schmerzen, ich mache mir große Sorgen. Es ist schlimm, was da passiert. Dort werden unschuldige Menschen getötet", sagte Petros der DPA.

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Die drei Frauen könnten längst im Sudan sein, doch er wisse es nicht. "Die Flucht an sich ist ja schon ein Risiko. Und auch für mich wäre das Risiko, dahin zu fahren, einfach zu groß."

Petros sorgt für neuen deutschen Rekord

Beim Marathon in Valencia wurde Petros als 16. in 2:07:18 Stunden gestoppt und verbesserte damit die bisherige Bestzeit von Arne Gabius aus dem Jahr 2015 (2:08:33) um 1:15 Minuten. Doch er hat sich noch höhere Ziele gesteckt.

"Da bin ich positiv, dass ich den Rekord noch verbessern kann." Im Vordergrund stehe aber nun die Suche nach seiner Familie.

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"Ich muss jetzt erst mal die Dokumente meiner Familie irgendwie an das Rote Kreuz in Sudan schicken, damit dann da jemand vor Ort recherchieren kann. Obwohl das natürlich sehr schwierig ist, die Familie unter 70.000 Menschen zu suchen. Aber das ist meine einzige Hoffnung", so Petros, der selbst in Eritrea geboren wurde und als politischer Flüchtling nach Deutschland gekommen war.

Sich selbst auf die Suche zu machen, sei keine Option. "Nach Tigray darf ich ja gar nicht reisen. Das wäre auch gefährlich, ich könnte dort erkannt und sofort verhaftet werden", erzählte Petros.

Nur ein einziges Mal konnte er seine Familie in den vergangenen acht Jahren besuchen. "Da wurde die Grenze zwischen Eritrea und Äthiopien geöffnet: da bin ich sofort hingeflogen. Wenn ich Kontakt zu meiner Familie hätte, das wäre ein riesengroßes Geschenk - das schönste Weihnachtsgeschenk."

Petros will bei Olympia starten

Petros wurde am 27. Oktober 2015 in Deutschland eingebürgert. Schon im Vorjahr erfüllte er bei seinem ersten Marathon die Olympia-Norm. Im Sommer 2021 will er in Japan erstmals bei einem olympischen Rennen über die klassischen 42,195 Kilometer starten.

Dafür trainiert er fast jeden Tag, in Spitzenzeiten legt er zwischen 180 und 200 Kilometer pro Woche zurück.

"Amanal arbeitet knallhart für den Marathon, dabei zeichnet ihn eine große Disziplin aus. Er ist ein Heißsporn und scheut sich nicht, auch mal an die Spitze zu gehen. Und sein Potenzial ist weiß Gott noch nicht ausgereizt", schwärmte Trainer Tono Kirschbaum.

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Doch die Gedanken an seine Mutter und die Schwestern lassen ihm keine Ruhe. "Seit sieben Wochen habe ich keinen Kontakt mehr", sagte Petros. Vor dem Krieg habe er über die Sozialen Medien noch täglich Kontakt aufnehmen können.

Die Hoffnung will "Aman" - so lautet sein Spitzname - so schnell aber nicht aufgeben. Den Grund erklärte er auch: "In meiner Muttersprache bedeutet Aman 'alles ist gut'."

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