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Der Dopingskandal in Russland zieht mit dem zweiten McLaren-Report noch größere Kreise © Getty Images
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London - Im zweiten McLaren-Report werden mehr als 1000 Athleten beschuldigt, von der Doping-Vertuschung des russischen Sportministeriums profitiert zu haben.

Der russische Doping-Skandal hat offenbar weit größere Ausmaße als bisher angenommen.

Der zweite McLaren-Report stellt fest, dass über 1000 russische Athleten von der systematischen Doping-Vertuschung profitiert haben sollen. Zudem habe es, gesteuert vom russischen Sportministerium, eine "institutionelle Verschwörung" gegeben. 

Betroffen gewesen seien dabei unter anderem die Olympischen Sommerspiele in London 2012, die Leichtathletik-WM 2013 in Moskau sowie die Olympischen Winterspiele in Sotschi 2014. Es habe eine "institutionalisierte Strategie zur Medaillenbeschaffung in Sommer- und Wintersportarten" gegeben, sagte McLaren in London.

Doping-Vertuschung mit Instant-Kaffee

Die Verschleierung des Dopings trieb dabei offensichtlich kuriose Blüten. So wurden unter anderem Instant-Kaffee und Salz benutzt, um Urinproben zu verfälschen.

"Wir konnten die Ergebnisse des ersten Reports nicht nur bestätigen, sondern auch näher beleuchten", ergänzte der von der Welt-Anti-Doping-Agentur beauftragte Sonderermittler: "Obwohl das Bild jetzt klarer ist, ist es noch nicht komplett. Wir hatten nur Zugang zu einem kleinen Teil der Daten."

Zum Beweis veröffentlichte McLaren 1166 Dokumente, die er während der Untersuchung sicherstellen konnte. Darunter Fotos, forensische Berichte und E-Mails. Dies seien, so McLaren, "unzweifelhafte Fakten".

Vier Sotschi-Olympiasieger belastet

Betroffen sein sollen laut McLaren fünfzehn russische Medaillengewinner der Spiele in London, vier Teilnehmer der Leichtathletik-WM sowie zwölf Medaillengewinner der Spiele von Sotschi, darunter vier Olympiasieger. Die Untersuchungen von McLaren waren im Mai durch Enthüllungen des ehemaligen Leiters des Moskauer Anti-Doping-Labor, Grigori Rodtschenkow, ins Rollen gekommen.

Das russische Parlamentsmitglied Dimitri Swischtschew übte erwartungsgemäß scharfe Kritik. "Das ist das, was wir erwartet haben. Da ist nichts Neues dran, nur gegenstandslose Beschuldigungen gegen uns alle. Wenn du Russe bist, wirst Du für jede einzelne Sünde angeklagt", sagte Swischtschew, der auch Präsident des russischen Curling-Verbandes ist, der Nachrichtenagentur Ria Novosti.

Bereits der erste Teil des McLaren-Reports hatte die Aussagen im Juli bestätigt. Demnach wurden beispielsweise in Sotschi Dopingproben russischer Athleten unter Mithilfe des Geheimdienstes FSB ausgetauscht.

Glaubwürdigkeit des IOC gefährdet

Nach den Veröffentlichungen hat sich nun auch Clemens Prokop, Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) zu Wort gemeldet und einen Komplett-Ausschluss aller russischen Sportler auf unbestimmte Zeit gefordert. "Der russische Sport sollte bis zur Wiederherstellung seiner Glaubwürdigkeit von allen internationalen Meisterschaften bis hin zu den Olympischen Spielen komplett ausgeschlossen bleiben."

Vor allem das Internationale Olympische Komitee (IOC) sei nun laut Prokop "zu klarem Handeln" aufgefordert. "Es hat ein fundamentaler Angriff auf die Olympische Bewegung stattgefunden. Wenn in einem Land die Werte der olympischen Bewegung dermaßen in den Schmutz gezogen werden, müssen entsprechende Maßnahmen getroffen werden. Die Glaubwürdigkeit des IOC steht hier auf dem Spiel", sagte Prokop. 

Auch der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) reagierte erschüttert auf den Report. "Die Vorwürfe aus dem ersten Bericht im Sommer waren heftig, aber das heute ist der Hammer", sagte Vorstandsvorsitzender Michael Vesper: "Das ist ein Angriff auf die Integrität des Weltsports, die dieser durch konsequentes Handeln abwehren muss." Je nach Beweislage müsse es nun zu individuellen oder Kollektivstrafen kommen.

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