vergrößernverkleinern
Faszination Nordschleife: Kehrt die DTM jemals auf die Kultstrecke zurück?
Faszination Nordschleife: Kehrt die DTM jemals auf die Kultstrecke zurück? © BMW
Lesedauer: 6 Minuten
teilenE-MailKommentare

Bis 1993 fuhr die DTM auf der Nürburgring-Nordschleife: Welche Fahrer noch heute von einem Comeback träumen und wer die Sicherheit nicht als Problem sieht

©

Dieses Wochenende ist es wieder so weit: Das 24-Stunden-Rennen auf der Nürburgring-Nordschleife steht auf dem Programm. Ein Anlass, der DTM-Fans nostalgisch werden lässt: Denn von 1988 bis 1993 gastierte die alte DTM fünf Mal im Rahmenprogramm des Langstreckenklassikers in der Eifel.

DTM-Fans, die damals das Spektakel auf der gefürchteten, inklusive Grand-Prix-Strecke 25,3 Kilometer langen Berg und Talbahn miterlebten, träumen heute noch von einer Rückkehr des Kultrennens, das damals über nur vier Runden ging. Aber auch bei einigen Piloten löst die Vision einer DTM-Rückkehr auf der Nordschleife nach wie vor große Emotionen aus.

Anzeige

"Das wäre geil", sagt DTM-Leader Rene Rast, als er von 'Motorsport-Total.com' darauf angesprochen wird. "Die Strecke wird ja jetzt immer mehr neu asphaltiert. Es geht also eigentlich immer mehr in Richtung DTM", spielt der Audi-Pilot darauf an, dass erst im Winter der Belag der 90 Jahre alten Rennstrecke über fast drei Kilometer erneuert wurde, und weckt damit Hoffnungen.

Eng sofort von Idee begeistert

"Ich weiß jetzt gerade gar nicht, wie groß unser Tank ist, aber drei, vier Runden würden wir bestimmt schaffen", ergänzt er. Dennoch sprechen die neuen, um über 100 PS stärkeren Turbo-Motoren laut Rast, der den 24-Stunden-Klassiker 2014 gewonnen hat, eher gegen ein Comeback: "Das wäre mit dieser Leistung schwer vorstellbar, auch wenn es schön wäre."

BMW-Rivale Philipp Eng, der wie Rast auch dieses Jahr beim 24-Stunden-Rennen am Start sein wird, ist sofort Feuer und Flamme für die Idee eines DTM-Comebacks, als er von 'Motorsport-Total.com' damit konfrontiert wird: "Wenn es technisch möglich ist, dann bin ich sofort dabei."

Eng: Nordschleife mit jedem Auto genial

Der Grund ist klar: "Die Nordschleife ist für mich die geilste Strecke, die es überhaupt gibt - und das mit großem Abstand. Da ist es auch egal, in welchem Auto man sitzt: Jede Runde ist ein Erlebnis. Und in einem DTM-Auto wäre das eine brutale Geschichte."

Das hat auch damit zu tun, dass die Nürburgring-Nordschleife, die sich so schön wie kaum eine andere Rennstrecke in die Landschaft einfügt, über kaum Auslaufzonen verfügt. Jeder Fehler würde also bestraft werden.

Wie groß ist das Sicherheitsrisiko?

Wäre es also aus Sicherheitsgründen überhaupt verantwortbar, mit den aktuellen DTM-Autos ein Rennen auf der Nordschleife auszutragen? "Manche Leute sagen, dass selbst GT3-Autos ein bisschen zu schnell für die Strecke geworden sind", meint Aston-Martin-Pilot Paul di Resta.

"Es wäre also ein bisschen verrückt, dort ein DTM-Rennen auszutragen, denn diese Autos sind nicht für die Nordschleife gebaut. Das ginge zu weit und ist für mich reine Träumerei."

Audi-Pilot Nico Müller schlägt in die selbe Kerbe und äußert ebenfalls sicherheitstechnische Bedenken. "Auch ein GT3-Auto hat ein spezielle Balance of Performance, wodurch die Leistung schon ziemlich reduziert ist", sagt der Schweizer, der 2015 beim 24-Stunden-Rennen triumphierte, gegenüber 'Motorsport-Total.com'.

Wittmann sieht "überhaupt kein Sicherheitsproblem"

"Ein DTM-Auto hat noch mehr Abtrieb, ist noch steifer und hat jetzt über 600 PS Leistung. Also da muss man sich schon überlegen, ob man da mit voller Leistung fährt, denn wenn dann was schiefgeht, kann man sich schon wehtun." Er wisse daher nicht, ob eine DTM-Comeback die richtige Entscheidung wäre.

Aber auch Anpassungen an der legendären Rennstrecke hält er für keine gute Idee: "Dann nimmt man den ganzen Charakter weg. Also entweder fährt man so wie es ist, oder man lässt es bleiben." Dennoch würde er "nicht Nein sagen, wenn ich mal ein paar Runden im DTM-Auto drehen könnte", kann auch er sich der Faszination Nordschleife nur schwer entziehen.

Interessant ist, dass BMW-Ass Marco Wittmann im Gegensatz zu Müller und di Resta "überhaupt kein Sicherheitsproblem" bei einem DTM-Rennen auf der Nordschleife sehen würde. "Die DTM hat glaube ich mit dem Monocoque-Chassis eines der sichersten Autos, die es gibt", argumentiert er.

Wären Überholmanöver im DTM-Auto unmöglich?

"Man kann ein DTM-Auto zwar auch von der Fahrzeughöhe her hochschrauben, und du könntest dann die Nordschleife ohne große Probleme meistern", ist Wittmann im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com' überzeugt.

Dennoch hat die Sache für ihn einen Haken: "Selbst die WTCR kann auf der Nordschleife nicht überholen, wenn nicht gerade einer einen Fehler macht. Aber die Zuschauer kommen ja auch zur DTM, weil sie Action und Spannung und Überholmanöver sehen wollen. Das schaut vielleicht in der ersten Runde spektakulär aus, wenn die DTM um die Nordschleife fährt. Aber wenn wir wie an der Perlenschnur hintereinander herfahren, wird es fad."

Das habe nicht nur damit zu tun, dass die Strecke sehr schmal ist, sondern auch mit dem Layout selbst: "Typische Überholmöglichkeiten wie harte Bremspunkte und langsame Kurven gibt es auf der Nordschleife nicht. Dort ist ja alles im Fluss."

Dennis: Auto würde zehn Mal pro Runde abheben

Dennoch würde auch er gerne einmal die Kultstrecke in der Eifel mit einem DTM-Auto ausprobieren: "Es ist schon mega-cool mit einem GT3-Auto, aber mit einem DTM-Auto wäre das noch einmal eine andere Hausnummer. Für so ein Show-Event oder für ein, zwei Runden wäre es mit Sicherheit mega."

Und wie sehen die Aston-Martin-Rookies Ferdinand Habsburg und Jake Dennis ein mögliches Comeback auf der Nordschleife? "Das ist so, als würde man ein Formel-1-Auto nehmen und dort fahren", sagt Dennis, der durchaus Langstrecken-Erfahrung hat, aber auch schon den Red-Bull-Formel-1-Boliden getestet hat.

"Das Auto würde wahrscheinlich über die Hügel zehn Mal pro Runde abheben. Wahrscheinlich ist es am besten, wenn wir auf normalen Rennstrecken bleiben und nicht auf der Nordschleife fahren."

Habsburg wünscht sich DTM auf Grand-Prix-Strecke

Habsburg würde sich vor einer Rückkehr auf die Nordschleife, die er mit "gemischten Gefühlen" sieht, eine andere Veränderung beim DTM-Gastspiel wünschen: "Für mich wäre der erste Schritt die Rückkehr auf die Grand-Prix-Strecke", spielt er im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com' darauf an, dass in der DTM nach wie vor die Kurzanbindung gefahren wird.

"Ich bin ein großer Fan der vier bis fünf Kurven, die fehlen. Das sind eigentliche meine Lieblingsstellen."

© Motorsport-Total.com

Nächste Artikel
previous article imagenext article image