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Daniel Ricciardo belegt in der WM-Wertung derzeit den vierten Platz.
Daniel Ricciardo belegt in der WM-Wertung derzeit den vierten Platz. © Getty Images
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Spektakulärer Motorenwechsel in der Formel 1. Nach zwölf Jahren endet für Red Bull die Partnerschaft mit Renault. Sie folgen damit ihrem Tochter-Team.

Vier Jahre der Vettel-Dominanz, acht gemeinsame WM-Titel - und doch war die Verkündung nur eine Frage der Zeit. Das Formel-1-Team Red Bull trennt sich am Saisonende nach zwölf Jahren von Motorenlieferant Renault und wechselt zu Honda. Ausgerechnet mit den seit Jahren ein wenig belächelten Japanern sieht der ehemalige Rennstall von Sebastian Vettel die wohl einzige Chance, an alte Erfolge anzuknüpfen.

"Diese mehrjährige Vereinbarung mit Honda signalisiert den Start einer neuen, aufregenden Phase in Red Bulls Anstrengungen nicht nur um Rennsiege, sondern auch um WM-Titel zu kämpfen", sagte Teamchef Christian Horner.

Wende bei Red Bull nötig

Eine Wende ist nötig, denn die Glanzzeiten mit Renault stammen gefühlt aus einer anderen Zeitrechnung. Zuletzt 2013 gewann die österreichisch-französische Kombination die Titel in Fahrer- und Team-WM, danach brachte das neue Motoren-Reglement einen Bruch in die Zusammenarbeit. Die alten Achtzylinder-Saugmotoren wurden abgelöst durch die bis heute umstrittenen Sechszylinder-Turbos, die zudem über einen Hybridantrieb verfügen. (SERVICE: Fahrerwertung)

Diese Regeländerung beförderte Renault ins Hintertreffen, die Motorenschmiede in Viry bekam die Motoren weder standfest noch leistungsstark. Die jahrelang harmonische Beziehung zu Red Bull erkaltete zunehmend. Gegenseitige Schuldzuweisungen gipfelten in Ausstiegsdrohungen Red Bulls und einer vorzeitigen Trennung Ende 2015. Aus Mangel an Alternativen einigte sich Red Bull damals aber doch noch auf eine Fortsetzung der Zusammenarbeit mit Renault, die Motoren firmieren seitdem offiziell unter einem Sponsorennamen.

McLaren erlebte mit Honda ein Debakel

Dass ausgerechnet mit Honda die Wende gelingen soll, erscheint zunächst wenig plausibel. Mit McLaren erlebten die Japaner von 2015 bis 2017 ein Debakel, teilweise schien Honda von der Komplexität der Power Units überfordert zu sein. Ende der vergangenen Saison trennten sich daher die Wege.

Doch Red Bull hatte schon lange ein Auge auf eine Zusammenarbeit mit Honda geworfen. Denn die Japaner sind der einzige der aktuell vier Motorenhersteller, der kein eigenes Werksteam in der Formel 1 betreibt. Folglich würde Red Bull selbst das Werksteam sein und von den Vorzügen, etwa der sofortigen Nutzung aller Updates und der passgenauen Zusammensetzung von Motor und Chassis, profitieren.

Red Bull nutze Tochter-Team als Versuchslabor

Allerdings wollte Red Bull nicht die Katze im Sack kaufen. Also nutzt der Getränkekonzern sein B-Team Toro Rosso als Versuchslabor. Seit dieser Saison fahren die Italiener mit Honda - und wissen durchaus zu überzeugen. Die technischen Defekte der Honda-Aggregate sind deutlich zurückgegangen, der junge Pierre Gasly holte bereits mehr WM-Punkte als Fernando Alonso im gesamten Vorjahr.

Und dennoch stellt der Wechsel auch ein Risiko dar. In der laufenden Saison gewann Red Bull bereits zwei der sieben Rennen, mit einer konstanteren Leistung des eigentlichen Aushängeschildes Max Verstappen wäre das Punktekonto noch praller gefüllt. Entwickelt sich Honda nicht deutlich weiter, könnte sich der Wechsel daher als folgenschwerer Fehler herausstellen. Ein endgültiger Ausstieg Red Bulls aus der Formel 1 würde dann wieder konkrete Formen annehmen. Red Bull geht nun also "All in".

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