Das ist der härteste Bremspunkt beim Ungarn-GP
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München - Die Formel 1 steht vor einem Rätsel: Wie hat sich Ferrari auf einmal so nach vorne katapultiert? SPORT1 analysiert drei Möglichkeiten für den Leistungsschub.

Auch wenn es für Sebastian Vettel nach einem Fahrfehler am vergangenen Wochenende nicht zum Heimsieg gereicht hat - die Dominanz von Ferrari in den vergangenen Formel-1-Rennen ist beeindruckend.

Was seit dem Grand Prix auf dem Red Bull Ring in Österreich auffällt, ist der extreme Zeitgewinn auf manchen Geraden. Auch in Hockenheim nahmen die Roten ihrer Konkurrenz auf gewissen Teilstücken wieder mehrere Zehntel ab. (Der Große Preis von Ungarn am Sonntag, 15.10 Uhr im LIVETICKER)

Speed-Zuwachs bei Ferrari nicht durchgängig zu erkennen

Seltsam ist dabei, dass dieser wundersame Geschwindigkeitszuwachs nicht auf allen Geraden zu erkennen ist - und wenn dann nur in bestimmten Bereichen. Das beweisen GPS-Vergleiche der zehn schnellsten Trainingsrunden in Hockenheim von auto, motor und sport.

Zudem war dieses Phänomen nie durchgängig zu erkennen. Vielmehr trat es immer nur dann auf, wenn es darauf ankam. Wie im Qualifiying, kurz nach dem Start oder Re-Start oder in anderen entscheidenden Situationen des Rennens.

Der Vollgasabschnitt zwischen Kurve zwei und sechs beim Deutschland Grand Prix zeigt eindrucksvoll die Speed-Dominanz von Vettel und Räikkönen. Auf den ersten 200 Metern liegen die  Teams noch alle in etwa auf Augenhöhe.

Erst bei 225 km/h können sich Ferrari, Mercedes und Force India von der Konkurrenz absetzen. Bei 250 km/h setzt sich die Scuderia dann ab in eine eigene Sphäre. Doppelt merkwürdig: Auf den letzten 50 Metern vor der Kurve können Bottas und Perez die Geschwindigkeit dann plötzlich wieder mitgehen.

Doch woran liegt dieser enorme Speedgewinn der Scuderia? Darüber rätseln Ingenieure der Konkurrenz und Experten seit Wochen. SPORT1 erklärt mögliche Ursachen.

- Motor

Eines scheint zumindest sicher - alleine am Antrieb kann es nicht liegen. Denn dann müsste Ferrari 38 PS mehr als Mercedes auf die Strecke bringen. "Das ist ein Sprung, für den du mit normaler Entwicklung zwei Jahre brauchst", wird Mercedes-Teamchef Toto Wolff von auto, motor und sport zitiert.

Fakt ist, dass bei der Einführung des Spec2-Motors von Ferrari in Kanada nur ein moderater PS-Sprung gemessen wurde. Dass die Leistung erst zwei Rennen später, beim Rennen in Spielberg, deutlich zunahm, lässt mehrere Vermutungen zu.

Entweder wollte man sich bei Ferrari erst langsam von der Motorenentwicklung überzeugen und drehte dann - mit etwas mehr Sicherheit - an der PS-Schraube, oder man griff auf ein Software-Update zurück. Dritte Möglichkeit ist, dass das Benzinsystem nachträglich modifiziert wurde.

Gegen Theorie eins spricht, dass dann auch die Kundenteams von HaasF1 und Sauber davon profitieren müssten - was sie aber nicht tun. Die Hardware- und Motorenprogramme müssen bei allen Teams gleich sein.  

Kimi Räikkönen fährt seit dem Spanien-GP noch immer die erste Stufe des aktuellen Triebwerks, womit auch die Argumentation, dass es am Verbrennungsmotor liegen könnte, widerlegt scheint. Batterien und Leistungselektronik wurden bei allen Autos mit Ferrari-Motor erst in Hockenheim erneuert - damit scheidet auch diese Theorie aus.

Fakt ist zwar, dass Ferrari die erlaubte Benzindurchflussmenge besser trifft als seine Kundenteams - für die enorme Geschwindigkeits-Erhöhung ist das dennoch keine Erklärung, wie Mercedes-Motorenchef Andy Cowell widerlegte: "Das würde ja auch für jeden Bereich auf der Strecke einen Vorteil ergeben."

- Heckflügel

Führt die Spur ans Heck des Ferraris? Dort hatte das Team mit einer neuen Position der sogenannten Wastegate-Rohre experimentiert. Zwei kleinere Rohre waren senkrecht über dem eigentlichen Auspuff angebracht. Gleichzeitig wurde auch die Position des Heckflügels etwas verändert, sodass man möglicherweise mit einem angeblasenen Heckflügel operiert.

Die Lage der Rohre könnte dafür sorgen, dass am Heckflügel ein Strömungsabriss entsteht. Während Ferrari damit die Turbulenzen am Heck bewusst in Kauf nimmt, setzt die Konkurrenz eher auf ein Plus bei der Energierückgewinnung.

Doch sollte es den Italienern tatsächlich gelungen sein, Auspuffgase für einen Strömungsabriss zu nutzen, könnte das der erste Schritt für zukünftige Entwicklungen sein.

- Illegale Manöver?

Spekuliert wird auch über einen Zusatztank hinter der Durchflussmengen-Messung, was natürlich die Leistung erheblich erhöhen würde. Auch mehr Energien in den Batterien als durch die FIA vorgegeben oder zusätzliche Einspeisung von elektrischer Leistung über die Grenze von 120 Kilowatt werden als Erklärung für die Leistungsexplosion hergenommen.

Doch von Seiten der FIA werden die Autos regelmäßig kontrolliert und solche Zusatzeinbauten fallen spätestens beim Röntgen der Boliden auf. Dieses Risiko wird Ferrari im WM-Kampf nicht in Kauf nehmen.

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