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Nach einer starken Premieren-Saison in der Formel 1 wechselte Charles Leclerc zur Saison 2019 zu Ferrari und übernahm das Cockpit von Kimi Räikkönen
Nach einer starken Premieren-Saison in der Formel 1 wechselte Charles Leclerc zur Saison 2019 zu Ferrari und übernahm das Cockpit von Kimi Räikkönen © Getty Images
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München - Charles Leclerc hat in seiner ersten Formel1-Saison bei Sauber für Aufsehen gesorgt. Die Experten sind sich einig, dass der junge Monegasse ein kommender Weltmeister ist.

Charles Leclerc

Geburtstag: 16. Oktober 1997
Geburtstag: Monte Carlo (Monaco)
Formel-1-Debüt: Großer Preis von Australien 2018
WM-Titel: -
Bisherige Rennställe: Sauber, Ferrari
Startnummer: 16

Charles Leclerc steht vor seinem zweiten Jahr in der Formel 1, hat aber bereits die Last eines ganzen Landes auf seinen Schultern. Zwar ist der Grand Prix von Monaco seit Jahrzehnten fester Bestandteil der Formel 1 und sorgt jedes Jahr für den prestigeträchtigen Höhepunkt des Rennkalenders.

Aber auf einen Fahrer, der die Farben des Fürstentums im Fahrerlager vertritt, mussten die Monegassen lange warten - 25 Jahre, um genau zu sein. Damals war Olivier Beretta der letzte Monegasse, der in der Formel 1 fuhr. Allerdings mit überschaubarem Erfolg. Lediglich neun Rennen bestritt er in der Königsklasse des Motorsports. In die Punkteränge kam er dabei nicht.

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Für einen erfolgreicheren Monegassen muss man bedeutend weiter zurückgehen. Von 1950 bis 1955 war es Louis Chiron, der für das Fürstentum an der Cote d'Azur an den Start ging. Sein letztes Rennen war eben der Grand Prix von Monaco 1955.

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Aber auch diese Rennlegende, die mit einer Büste im Schwimmbad von Monte Carlo geehrt wird, konnte dem Fürstentum keinen Sieg beim Heim-Grand Prix schenken. Zwar gewann Chiron 1931 den Monaco-GP, damals existierte die Formel 1-Weltmeisterschaft aber noch nicht.

Diese Bürde liegt nun auf den Schultern des jungen Leclerc. Er soll das schaffen, was Chiron verwehrt geblieben ist und noch mehr. Er soll endlich auch den ersten WM-Titel nach Monte Carlo holen. Seine Erfolge in den Nachwuchsserien geben dieser Hoffnung Nahrung.

2005: Einstieg in den Kartsport

2005 begann er seine Karriere im Kartsport und legte einen wahren Traumstart hin. Gleich in seinem ersten Jahr wurde er französischer Meister. Damit trat er in die Fußstapfen seines Vaters Herve Leclerc, der in den 1980ern ein erfolgreicher Kart-Rennfahrer war.

Bis 2013 gewann Leclerc so ziemlich alles, was es im Kartsport an Preisen zu vergeben gibt. Egal, ob Juniorentitel wie die französische Kartmeisterschaft, den Kart-Cup von Monaco, den KF3-Weltcup oder die FIA Academy Trophy - überall konnte sich Leclerc in die Siegerliste eintragen. Der Lohn seiner Erfolge war die Förderung durch Nicolas Todt, den Sohn von FIA-Präsident Jean Todt.

2013, in seinem letzten Jahr vor dem Wechsel in den Formel-Sport, belegte der junge Monegasse hinter Max Verstappen Rang zwei in der Weltmeisterschaft.

2014: Wechsel in den Formel-Bereich

2014 hielt den nächsten großen Karriereschritt für Leclerc bereit. Die Verantwortlichen von Fortec Motorsports waren auf den schnellen Jungen von der Mittelmeerküste aufmerksam geworden und gaben ihm sein erstes Formel-Cockpit in der Formel Renault. Direkt in seiner ersten Saison fuhr er neun Mal aufs Podest, zwei Mal stand er dabei ganz oben. Am Ende belegte er den zweiten Rang hinter Nicky de Vries.

Formel 1: Bisher hatte Charles Leclerc in jeder Rennserie, in der er gefahren ist Erfolg. Die Zukunft wird zeigen, ob sich das in der Formel 1 fortsetzt
Formel 1: Bisher hatte Charles Leclerc in jeder Rennserie, in der er gefahren ist Erfolg. Die Zukunft wird zeigen, ob sich das in der Formel 1 fortsetzt © Getty Images

Aber die Formel Renault sollte nur eine Zwischenstation auf seinem Weg nach oben sein. Bereits 2015 stieg er in die Formel 3 auf und bewies auch hier wieder seine Klasse. Er wurde EM-Vierter und fuhr beim Klassiker von Macau auf den zweiten Platz. Leclerc war nun endgültig im Formel-Bereich angekommen.

Der Formel 2-Dominator

Im selben Jahr wurde Leclerc Ferrari-Junior und war Testfahrer für Haas und Ferrari. Aber sein bisher stärkstes Jahr sollte erst noch kommen. Nachdem er 2017 in die Formel 2 aufgestiegen war, dominierte er die Rennserie mit sieben Siegen und drei weiteren Podestplätzen. Mit seinem Sieg in Jerez entschied er bereits am vorletzten Rennwochenende die Meisterschaft für sich.

2017: Der zweite persönliche Rückschlag

Aber das Jahr seines bisher größten sportlichen Erfolgs war zugleich auch das Jahr seiner dunkelsten Stunde im Privatbereich. Vor dem Rennen in Baku verstarb überraschend sein Vater. Sein Förderer und Mentor von Beginn seiner Motorsportkarriere an war nun nicht mehr an seiner Seite.

Es war bereits der zweite Verlust, den Leclerc hinnehmen musste. Sein Vater war eng befreundet mit Philippe Bianchi, den Sohn von Jules Bianchi. Die gleiche Leidenschaft für den Motorsport ließ eine enge Verbindung zwischen den Söhnen Charles und Jules entstehen. Jules übernahm die Rolle eines großen Bruders für ihn. Als Bianchi 2014 in Suzuka schwer verunglückte und 2015 an den Folgen verstarb, verlor er einen wichtigen Weggefährte im Motorsport und Anker in seinem Leben.

Aber er machte weiter. Seine Leidenschaft für den Motorsport half ihm, diese Schicksalsschläge zu überwinden. "Ich habe es nicht verkraftet und werde es vielleicht auch nie. Aber ich hatte nie einen Zweifel daran, dass ich weiterfahren werde. Alles, was ich jemals wollte, war Rennen zu fahren", sagte Leclerc über diese Zeit.

2018: Debüt in der Formel 1

2018 war es dann soweit. Der Ferrari-Junior erhielt sein erstes Formel 1-Stammcockpit. Sauber verpflichtete das junge Talent. An der Seite von Marcus Ericsson ging er für den Schweizer Rennstall auf Punktejagd. Anfangs brauchte er etwas Eingewöhnungszeit, aber ab dem Großen Preis von Baku zahlte Leclerc das Vertrauen des Sauber-Rennstalls zurück. In Baku fuhr er auf Rang sechs und holte die ersten WM-Punkte seiner Karriere. In den fünf folgenden Rennen wiederholte er diesen Erfolg vier Mal.

Am Ende holte er 39 Punkte und gewann das teaminterne Duell mit Ericsson souverän mit 39 zu 9 Punkten.

2019: Wechsel zu Ferrari

Zur Saison 2019 kam dann eine Art Ritterschlag für Leclerc. Die traditionsreiche Scuderia Ferrari holte den ehemaligen Ferrari-Junior zurück nach Hause und gab ihm das Cockpit von Kimi Räikkönen, der seinerseits zu Sauber wechselte.

Damit wurde Leclerc der Teamgefährte von Sebastian Vettel.

Doch die Zusammenarbeit entwickelte sich zum wahren Stallkrieg. Woche für Woche gab es Zoff zwischen den beiden Piloten, auch da Vettel seine Vormachtstellung als Nummer eins im Team nach und nach zu verlieren schien und Leclerc dem Deutschen den Rang bei der Scuderia ablief, weil er auf der Strecke dominierte.

Einer der Höhepunkte des Giftduells war eine am Boxenfunk ausgetragene Diskussion über die Teamstrategie, zu der es beim Großen Preis von Russland kam. Der Grund für die Posse: Vettel profitierte beim Start vom Windschatten Leclercs, wollte den gewonnenen Platz aber nicht wie abgemacht sofort zurückgeben. 

Leclerc - Der kommende Weltmeister?

Für die Experten ist der Youngster jetzt schon ein Fahrer, den man im Hinblick auf die Fahrerwertung im Auge behalten muss. Vor allem die Ähnlichkeiten zu dem jungen Fernando Alonso unterstützen diese Meinungen. Alonso zeigte ebenfalls bei einem Hinterbänkler-Team (Minardi) erstaunliche Leistungen, bevor er sich 2005 und 2006 zum Weltmeister krönte.

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