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München - Weniger Aero, mehr Überholmanöver – damit will die Formel 1 2019 punkten. Dank größerer Spritmenge und einem Extrapunkt soll bis zum Ende gekämpft werden.

Wenn die Formel 1 beim Großen Preis von Australien in Melbourne in die Saison startet, werden auch die neuen Regeln ihre erste Bewährungsprobe haben.

Der Automobilweltverband Fia hat für die Saison 2019 nämlich mächtig am technischen Reglement geschraubt - es soll mehr Überholmanöver und mehr Action geben. (Formel 1: Auftakt in Melbourne am Sonntag ab 6.10 Uhr im LIVETICKER)

SPORT1 gibt vor dem mit Spannung erwarteten Auftakt einen Überblick über die Neuerungen 2019.

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Breiter, mehr DRS - mehr Überholmanöver?

Die Frontflügel sind nun 200 Millimeter breiter, 20 Millimeter höher, 25 Millimeter nach vorne versetzt und in der Struktur vereinfacht. Damit sind sie nicht mehr so anfällig bei verwirbelter Luft. Der Anpressdruck und damit der Grip sollen auch erhalten bleiben, wenn ein Fahrer dicht hinter seinem Vordermann ist.

Die seitlichen Luftleitelemente (Barge Boards) sollen durch eine veränderte Konstruktion den Luftstrom des Frontflügels besser aufnehmen können. Hinzu kommt: Auch der Heckflügel musste über den Winter angepasst werden. Er ist 100 Millimeter breiter, 20 Millimeter höher und ebenfalls in seinen aerodynamischen Feinheiten beschnitten. Damit hinterlässt er weniger stark verwirbelte Luft.

Um das Überholproblem zu lösen, hat die Fia einen dritten Baustein angefasst. Die Wirkung des Drag Reduction Systems (DRS) soll um bis zu 25 Prozent höher sein. DRS kann ein Fahrer an bestimmten Streckenabschnitten nutzen, wenn er zuvor weniger als eine Sekunde hinter dem Vordermann lag. Durch das Hochklappen des Flügels wird der Luftwiderstand reduziert. Das führt zu einer besseren Beschleunigung und einer höheren Endgeschwindigkeit. Die verbesserte DRS-Wirkung wird dadurch erzielt, dass die Öffnung beim Umlegen des Flügels nun größer ist.

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Weniger Reifenmischungen

Die veränderte Aerodynamik ist die markanteste Anpassung. Daneben gibt es noch ein paar kleinere Veränderungen, die sich nur indirekt auf die Rennaction auswirken werden. Pirelli hat nun nur noch fünf unterschiedliche Mischungen für Trockenreifen, von denen die Italiener jeweils drei pro Rennwochenende an die Strecke bringen. Der maßgebliche Unterschied ist nun, dass die interne Bezeichnung (C1 bis C5) nicht zwangsläufig mit der Bezeichnung an der Rennstrecke übereinstimmt. Je nach Vorauswahl, die Pirelli trifft, kann beispielsweise der mittelharte Reifen (C3) als soft, medium oder hard deklariert werden. 

Wenn das Renngeschehen nach einer Safety-Car-Phase wieder aufgenommen wird, darf nun erst wieder nach dem Überfahren der Start-Ziel-Linie überholt werden. Sie ist später angesetzt als die Safety-Car-Linie, ab der die Fahrer bislang überholen durften.

Spritsparen und Hunger der Fahrer haben ein Ende

Neu ist außerdem: Das Schwenken der Zielflagge hat nur noch einen symbolischen Wert. Offiziell wird das Rennen durch ein entsprechendes Signal auf einer LED-Anzeige beendet. Damit reagierte die Fia auf einen Fauxpas aus dem vergangenen Jahr. Beim Großen Preis von Kanada zeige das Model Winnie Harlow die Flagge eine Runde zu früh. Dadurch griff die Regel eines Rennabbruchs, das Rennen wurde somit nach dem Stand der vorletzten Runde gewertet. Das sorgte für Verwirrung.

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Der Heckflügel ist in diesem Jahr breiter und höher. Neu sind auch zwei LED-Lichter an den beiden Endplatten. © Getty Images

Neben der klassischen Heckleuchte in der Mitte des Hecks gibt es nun zwei weitere LED-Lichter, die an den Endplatten des Heckflügels angebracht sind. Sie sorgen dafür, dass Verfolger ein vorausfahrendes Fahrzeug im Regen besser sehen können.

In der Saison haben die Fahrer zusätzliche fünf Kilogramm Benzin zur Verfügung. Damit können sie nun 110 Kilogramm verbrennen. Das Spritsparen, das in der Vergangenheit regelmäßig in der Endphase eines Grand Prix zu sehen war, soll damit der Vergangenheit angehören.

Erhöht wurde auch das Mindestgewicht eines Fahrzeugs, nämlich von 733 Kilogramm auf 743 Kilogramm. Wichtigster Faktor dieser Anpassung ist, dass nun auch ein Mindestgewicht für den Fahrer festgelegt wurde. Er muss mit Ausrüstung und Sitz mindestens 80 Kilogramm auf die Waage bringen. Das bedeutet: Das Hungern der Fahrer bringt keinen Vorteil mehr, da das fehlende Gewicht im Zweifelsfall durch Ballast am Fahrersitz ausgeglichen werden muss. Das bedeutet vor allem für große Fahrer wie Nico Hülkenberg einen Vorteil.

Ein Extrapunkt für die schnellste Rennrunde

Wenige Tage vor dem ersten Saisonrennen hat der Automobilweltverband auch das sportliche Regelwerk noch einmal angepasst. Nun gibt es auch einen Punkt für die schnellste Rennrunde. Voraussetzung: Der Fahrer, der die Bestzeit erzielt, muss das Rennen unter den besten Zehn abschließen. Ist das nicht der Fall, wird kein zusätzlicher Punkt vergeben.

In ihren Cockpits sind die Piloten noch besser aufgehoben. Die Helme müssen einem höheren Sicherheitsstandard entsprechen. Er sieht unter anderem vor, dass das Visier niedriger angesetzt ist, was die Verletzungsgefahr reduziert, wenn ein Trümmerteil den Helm frontal trifft. Außerdem sind nun biometrische Handschuhe verpflichtend. Die darin angebrachten Sensoren ermitteln die Vitalparameter der Fahrer, sodass der Gesundheitszustand lückenlos überwacht werden kann.

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