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Nico Hulkenberg galt als die große deutsche Formel 1-Hoffnung. Aber der ganz große Durchbruch ist noch nicht geschafft
Nico Hulkenberg galt als die große deutsche Formel 1-Hoffnung. Aber der ganz große Durchbruch ist noch nicht geschafft © Getty Images
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Nico Hülkenberg hat sich seit Jahren in der Formel 1 etabliert. Bei Mittelklasse-Teams hat er sich einen guten Namen gemacht. Der Sprung in die Spitze fehlt aber noch.

Nico Hülkenberg

Geburtstag: 19. August 1987
Geburtsort: Emmerich (Deutschland)
Formel-1-Debüt: Großer Preis von Bahrain 2010
WM-Titel: -
Grand-Prix-Siege: -
Bisherige Rennställe: Williams, Force India, Sauber, Renault
Startnummer: 27

Nico Hülkenberg kam 2010 als DIE große deutsche Hoffnung in die Formel 1. Vereinzelt wurde in ihm sogar der legitime Erbe von Michael Schumacher gesehen. Diese Fußstapfen haben sich dann doch als zu groß herausgestellt. Der Emmericher wurde nicht der neue Superstar der Formel 1.

Aber er hat sich in der Königsklasse des Motorsports etabliert und gerade bei Mittelklasse-Teams einen guten Namen erarbeitet. Bei aufstrebenden Rennställen, die den nächsten Schritt machen wollen, um in der Konstruktions-Wertung zu klettern, ist der Name Hülkenberg immer in der Verlosung, wenn ein Cockpit zu vergeben ist.

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Allerdings steht ihm dieser Ruf auch immer wieder im Weg. In seinen bisher acht Seasons in der Formel 1 fuhr er bereits für vier verschiedene Rennställe, bei Force India hatte er sogar zweimal angeheuert. Dazu verhinderten auch Pay-Driver immer wieder einen möglichen Aufstieg.

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Nichtsdestotrotz hat Hülkenberg geschafft, was viele Fahrer vergeblich versuchten: Er hat sich mit viel Talent und harter Arbeit eine Chance in der Formel 1 verdient und es dann geschafft, dort zu bleiben.

Talent und frühe Erfolge

Dass Nico Benzin im Blut hat, wurde schon früh klar. Bereits mit neun Jahren stieg er in den Kart-Sport ein. Dabei hatte er von Beginn an die volle Unterstützung seiner Eltern. Vor allem sein Vater, der selbst ein großer Motorsportfan ist, unterstützte seinen Sohn in jeglicher Hinsicht.

Manchmal vielleicht auch etwas zu sehr. Im zarten Alter von 13 Jahren wurde Hülkenberg das erste Mal von einer Radarfalle geblitzt - sein Vater saß dabei schlafend auf dem Beifahrersitz.

Sportlich trug die Förderung auf jeden Fall seine Früchte. 2002 gewann er als 15-Jähriger die deutsche Juniorenmeisterschaft, ein Jahr später folgte die deutsche Kartmeisterschaft.

2005: Der Aufstieg in die Formelserien

Mit diesen spektakulären Erfolgen innerhalb von nur zwei Jahren verdiente sich Hülkenberg seinen Aufstieg in die Formel BMW. Der Höhenflug ging unaufhaltsam weiter: Bereits im ersten Jahr holte er mit acht Siegen die Meisterschaft. Beim Formel-BMW-Weltfinale fuhr er mit Rang drei ebenfalls aufs Podest.

Im folgenden Jahr konnte er im deutschen Formel 3-Cup zwar nur den sechsten Gesamtrang belegen, sorgte aber mit dem ersten Sieg in seinem vierten Rennen für Furore. Das deutsche Team in der A1GP-Serie nahm ihn daher auch sofort unter Vertrag. Dass diese Entscheidung richtig war, zeigte Hülkenberg bereits in seiner ersten Saison. Insgesamt neun Siege brachten seinem Team den Titel in der A1GP-Serie und Hülkenberg die Beförderung in die Formel 3.

Neue Serie - Neue Erfolge

In der Formel 3 startete er für das französische Team ASM Formule 3 mit Teamkollege Romain Grosjean. Zwar konnte er sich gegen den Franzosen, der den Meistertitel einfuhr, nicht durchsetzen, aber am Ende der Saison war Hülkenberg der beste Neueinsteiger. Belohnt wurde die Leistung mit dem dritten Rang in der Gesamtwertung.

Zu diesem Zeitpunkt wurden auch die großen Rennställe auf das deutsche Talent aufmerksam. Das Williams F1 Team sicherte sich daher die Dienste Hülkenbergs als Testfahrer.

2008: Testfahrer und GP2-Serie

Testfahrer für ein Formel-1-Team und ein Engagement in der Formel 3 - zum ersten Mal hatte Hülkenberg eine Doppelbelastung zu bewältigen. Doch Hülkenberg schien einfach alles zu gelingen, was er sich vorgenommen hatte.

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Er überzeugte durch starke Leistungen bei Formel-1-Testfahrten und dominierte die Formel 3 fast schon spielerisch. Mit sechs Rennsiegen flog er förmlich zum Titel. Nun kamen die Formel-1-Rennställe endgültig nicht mehr an dem jungen Deutschen vorbei.

2010: Aufstieg und erster Rückschlag

Williams gab Hülkenberg für die Saison 2010 ein festes Einsatzcockpit. Zwar wurde er in seinem ersten Jahr mit 27:47 Punkten in der Fahrerwertung von seinem Teamkollegen Rubens Barrichello geschlagen, aber er machte durch gute Ergebnisse auf sich aufmerksam. Vor allem sein Gala-Auftritt beim Qualifying zum Großen Preis von Brasilien ließ die Experten schwärmen.

Aber womit keiner gerechnet hätte: Trotz seiner teils starken Auftritte stand Hülkenberg 2011 ohne Cockpit da. Der ständig klamme Williams-Rennstall war auf die Millionen des Pastor Maldonado angewiesen. Daher musste er für den Pay-Driver seinen Platz räumen und bekam lediglich bei Force India als Testfahrer unter.

2012: Stammfahrer bei Force India

2012 wurde er bei Force India dann zum Stammfahrer befördert und fuhr bei elf von 20 Rennen in die Punkte. Beim Großen Preis von Belgien verpasste er als Vierter nur ganz knapp das Podest. Bein Großen Preis von Brasilien schrammte er erneut ganz knapp an der Sensation vorbei. 30 Runden lang lag Hülkenberg mit dem unterlegenen Force India in Führung, ehe eine Kollision mit Lewis Hamilton alle Träume zunichtemachte.

Nach der Saison 2012 war wieder eine Veränderung angesagt. Diesmal ging der Wechsel aber von Hülkenberg selbst aus. Er entschied sich für die Risikovariante und schloss sich dem Sauber-Team an, dem er mehr Leistung als Force India zutraute. Nach einigen Anfangsschwierigkeiten kam Hülkenberg immer besser mit dem Sauber-Boliden zurecht und beendete die Saison mit Rang zehn - seiner persönlichen Bestleistung.

2014: Ein Jahr der vielen Möglichkeiten

Nach dieser starken Leistung hatte Hülkenberg einige Möglichkeiten zur Auswahl. Aber wieder einmal war das Glück nicht auf seiner Seite. Trotz ernsthafter Verhandlungen mit Ferrari, gab die Scuderia schlussendlich doch Kimi Räikkönen den Vorzug. Bei Lotus war es erneut Pay-Driver Maldonado, der ihm das Cockpit "wegkaufte".

Doch bei Force India hatte man die Leistungen des Deutschen nicht vergessen und nahm Hülkenberg mit Kusshand zurück. Erneut sollte sich diese Kombination auszahlen. In 15 von 19 Rennen fuhr er in die Punkte und führte den Rennstall fast im Alleingang auf Rang sechs in der Konstrukteurswertung.

2016: Wechsel zu Renault

Trotz eines noch laufenden Vertrages wechselte Hülkenberg vor der Saison 2016 zu Renault Sport F1 Team. Nach einer mittelmäßigen Saison 2017 feierte Hülkenberg ein Jahr später mit Rang sieben in der Fahrerwertung sein bestes Ergebnis in seiner Formel 1-Karriere. Nun soll er zusammen mit Daniel Ricciardo dazu beitragen, dass Renault im kommenden Jahr einen weiteren Schritt nach vorne macht und in die Riege der Spitzenteams vordringen kann.

Sein gutes technisches Verständnis sowie seine Professionalität und Ehrgeiz sind vielleicht die Bausteine, die Renault braucht, um diesen Schritt zu gehen. Dann wäre Hülkenberg nach vielen Jahren in der Formel 1 doch noch da angekommen, wo ihn viele Experten schon zu Beginn erwartet hatten - bei einem echten Spitzenteam, das um Siege mitfahren kann.

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