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Nico Rosberg (r.) fuhr gemeinsam mit Michael Schumacher für Mercedes
Nico Rosberg (r.) fuhr gemeinsam mit Michael Schumacher für Mercedes © Getty Images
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Weltmeister Nico Rosberg gibt erstaunliche Einblicke in seine Erlebnisse als Teamkollege von Michael Schumacher und dessen Ehrgeiz, Eigenarten und Tricks.

Es war ein Paukenschlag: Das Comeback von Michael Schumacher bei Mercedes. Dass die Legende am 23. Dezember 2009 eine Rückkehr in die Formel 1 ankündigen würde, hatte niemand erwartet - auch sein damaliger Teamkollege nicht.

"Das war verrückt. Damit hat niemand gerechnet, auch ich nicht", sagte Nico Rosberg im Interview mit auto motor und sport. 

Zu diesem Zeitpunkt hatte Rosberg noch keinen Rennsieg vorzuweisen. Dementsprechend reagierte er mit gemischten Gefühlen auf das Schumacher-Comeback: "Mein erster Gedanke war Angst. Denn er ist der größte aller Zeiten, ein Weltphänomen. Kann ich überhaupt mithalten? Ich hatte Bedenken, daneben zu bestehen", erinnert sich Rosberg.

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Zweite Geige neben Schumacher

Dem späteren Weltmeister wurde schnell bewusst, dass er durch Schumachers Ankunft nur noch eine Randfigur sein würde. "Das ist schon heftig. Man sitzt dann komplett bedeutungslos daneben", so Rosberg über eine Pressekonferenz. "Ich kann mich an ein Strategiemeeting erinnern, bei dem sogar meine Strategie mit Michael diskutiert wurde", verriet Rosberg: "Ich wurde nicht einmal angesprochen. Ich dachte: Das gibt's doch nicht."

Er habe dann dem Strategiemeister erklärt, dass er "mindestens genauso viel Aufmerksamkeit" verdiene wie Schumacher.

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Auch die Startnummernvergabe vor der ersten gemeinsamen Saison sorgte für Differenzen: "Ja, das war ein großes Thema. Die Startnummer war in dem Jahr ein Performance-Vorteil", erklärt Rosberg.

Mercedes standen aufgrund des Vorjahresergebnisses die Nummern 3 und 4 zu. Obwohl die niedrigere Startnummer eigentlich für Rosberg gedacht war, akzeptierte Schumacher das nicht und sorgte dafür, dass die niedrigere Nummer auf seinen Boliden geklebt wurde. Die Begründung: Ungerade Zahlen würden ihm Unglück bringen. 

Ein "ganz großer Bestandteil" in seinem Kopf sei es gewesen, "den Teamkollegen klein zu machen. Das ist sein erster Gegner. Er ist so ein Krieger. Das hat er echt drauf".

Schumi beschädigte Auto extra

Nicht die einzige spezielle Aktion des siebenfachen Weltmeisters: Laut Rosberg fuhr Schumacher während des freien Trainings in jeder Runde absichtlich über einen großen Randstein. Die Mercedes-Crew fragte sich zwischenzeitlich sogar, ob Schumacher das Fahren verlernt hat.

Aber weit gefehlt: "Am Ende des Jahres kam raus, dass er das extra gemacht hat, damit er seinen Unterboden beschädigt und so das Auto niedriger fahren konnte", erzählt Rosberg, der seinen damaligen Teamkollegen als "super bauernschlau" bezeichnete. Schumacher konnte so rund eineinhalb Millimeter tiefer fahren als Rosberg. Dieser schätzt den Effekt auf rund eine Zehntelsekunde bis acht Hundertstelsekunden pro Runde ein.

Trotz allem nahm Rosberg die Herausforderung an. Und das mit Erfolg: Ab dem ersten gemeinsamen Jahr schnitt er in der WM-Wertung jeweils besser ab, holte 2010 bereits drei Podestplätze und 2012 seinen ersten Grand-Prix-Sieg in China. "Für meine Karriere war das entscheidend, sonst wäre ich rausgeflogen und Lewis wäre neben Michael gefahren, das war klar."

"Er macht alles bis zur Perfektion"

Trotz allem habe er viel aus den drei gemeinsamen Jahren mitnehmen können, betonte Rosberg: "Es gibt ja einen Grund, warum er siebenmaliger Weltmeister ist: Weil er alles bis zur Perfektion macht."

Schumacher verschaffte sich nicht nur durch die sportlichen Leistungen Respekt. "Er hat jedem Mitarbeiter eine persönliche Mail zum Geburtstag geschickt", verriet Rosberg.

An seine Glanzzeiten bei Ferrari konnte Schumacher im Mercedes zwar nicht mehr anknüpfen, jedoch blitzte sein außergewöhnliches Talent von Zeit zu Zeit auf.

"Er war teilweise wirklich noch sehr schnell, auch im Regen. Da hat er ein paar Mal eine Performance hingelegt, das war für mich verrückt. Wie von einem anderen Planeten", schwärmte Rosberg. "Es hat natürlich nicht geholfen, dass wir als Team so schlecht da standen."

Nachdem sich "die Legende dann endgültig verabschiedete, wurde es für Rosberg nicht unbedingt einfacher. "Als ich den Michael geschafft hatte, kam der Lewis. Den kannte ich schon vom Go-Kart, deswegen war er für mich nicht so ein Außerirdischer", erklärte Rosberg lachend. Was er an der Seite von Schumacher gelernt hatte, stellte er 2016 mit dem WM-Triumph unter Beweis.

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