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Formel 1 in Aserbaidschan: Gullydeckel-Unfall von George Russell im Training
Der zerstörte Boliden von George Russell © Getty Images
Lesedauer: 3 Minuten
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Das erste Training wird nach einem Gully-Unfall von Williams-Pilot George Russell abgebrochen. Im zweiten Trainingsanlauf rast Charles Lecler auf Rang eins.

Die Streckenposten standen im Kreis herum und schauten ratlos auf den Boden.

Einige hantierten mit Stemmeisen, ein anderer sprang tatsächlich immer wieder auf dem "Corpus Delicti" auf und ab - ein gelöster Gullydeckel hat zum Auftakt des Großen Preises von Aserbaidschan (Sonntag, 14.10 Uhr im LIVETICKER) in der Formel 1 für helle Aufregung gesorgt.

"Wie konnten sie das nur nicht richtig checken und die Gullydeckel nicht sichern", schrieb Weltmeister Lewis Hamilton in den sozialen Netzwerken, nachdem das erste freie Training wegen des Vorfalls nach wenigen Minuten abgebrochen werden musste. Die Freizeit wollte sich der Mercedes-Star dann mit der Serie "Game of Thrones" vertreiben, während die Organisatoren alle Gullydeckel untersuchten und die Schrauben nachzogen.

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Teamchefin kündigt Gespräch an

Kurz nach dem Beginn des Trainings war Williams-Pilot George Russell mit über 300 Kilometer pro Stunde über den offenbar nicht richtig gesicherten Kanaldeckel gefahren und zerstörte sich dabei den Unterboden an seinem Wagen. Der Brite blieb aber unverletzt. "Ich bin okay", funkte der 21 Jahre alte Formel-1-Rookie an die Box. TV-Bilder zeigten, dass wohl Sebastian Vettels Ferrari-Teamkollege Charles Leclerc zuvor das Metallteil mit seinem Boliden etwas gelöst hatte.

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"Mein Körper wurde ordentlich durchgeschüttelt", sagte Russell später bei Sky: "Der Boden ist ruiniert, und ich bin jetzt etwas besorgt wegen des Chassis." Dies muss tatsächlich ausgetauscht werden, damit darf Russell laut Reglement erst im letzten freien Training am Samstag wieder hinters Steuer. Im Moment des Unfalls habe es einen "lauten Knall" gegeben. Claire Williams, stellvertretende Teamchefin, kündigte ein Gespräch mit der Rennleitung an: "Diese Gullydeckel sollten richtig angebracht sein."

Horner und Ecclestone wundern sich

Bei der Bergung des Williams unterlief den Organisatoren zudem ein weiterer peinlicher Fehler: Der Kran mit dem Wagen von Russell fuhr auf dem Weg an die Box gegen eine Brücke. Deswegen tropfte auch noch jede Menge Öl auf die Strecke. Der Ex-Chefpromoter Bernie Ecclestone schüttelte als Zuschauer nur den Kopf über das Chaos in Baku.

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"Normalerweise haben die Veranstalter hier ihre Sache gut im Griff", sagte der Brite. Und Red-Bull-Teamchef Christian Horner meinte: "So etwas habe ich noch nie gesehen. Erst ist der Gullydeckel lose, und dann fährt der Truck gegen eine Brücke." Nur Vettel und Leclerc fuhren bis zum Unfall überhaupt gezeitete Runden auf dem komplizierten Stadtkurs am Kaspischen Meer.

Gelöste Gullydeckel sorgten zuletzt immer wieder für Schreckmomente in der Formel 1. 2017 schlitzte sich Romain Grosjean (Haas) in Malaysia bei Tempo 280 einen Hinterreifen auf und schlug heftig in einen Reifenstapel. 2016 wurde Jenson Button in Monaco fast von einem umherfliegenden Teil erschlagen.

Leclerc im Training vor Vettel

Im eigentlichen zweiten Training hat Sebastian Vettels Ferrari-Teamkollege Charles Leclerc den stärksten Eindruck hinterlassen.

Der erst 21 Jahre alte Monegasse drehte auf dem Stadtkurs in Baku im zweiten freien Training in 1:42,872 Minuten die schnellste Runde und verwies Vettel um über drei Zehntelsekunden auf Platz zwei (1:43,196).

Hinter Vettel, der in den bisherigen drei Saisonrennen gegenüber Leclerc dreimal von einer Stallorder profitierte, landete der WM-Spitzenreiter und Vorjahressieger Lewis Hamilton (1:43,541) im Mercedes auf Rang drei, Vierter wurde Red-Bull-Fahrer Max Verstappen (1:43,793).

Nico Hülkenberg (1:46,717) schaffte es im Renault lediglich auf Rang 17.

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