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Formel 1: Japanese GP Mika Häkkinen (l.) und Michael Schumacher lieferten sich Ende der 1990er packende Duelle auf der Rennstrecke
Formel 1: Japanese GP Mika Häkkinen (l.) und Michael Schumacher lieferten sich Ende der 1990er packende Duelle auf der Rennstrecke © Getty Images
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Das Duell zwischen Michael Schumacher und Mika Häkkinen elektrisierte die Formel 1. Der Respekt voreinander hat aber nie gefehlt. SPORT1 zeigt eine besondere Fehde.

Packende Duelle um jeden Punkt, heiße Zweikämpfe Rad an Rad, waghalsige Überholmanöver, die über Sieg oder Niederlage entscheiden können - die Formel 1 lebt von Namen und Rivalitäten. Jeder erfolgreiche Fahrer braucht seinen Erzrivalen. Erst durch ihn holen sie das Beste aus sich und ihrem Auto heraus.

Formel 1-Legende Juan Manuel Fangio hatte einen riesen Respekt vor Nino Farina. Der Italiener war auf der Strecke zu jedem Risiko bereit und brachte den Argentinier ein ums andere Mal an seine Grenzen. Als sich Jim Clark in den 1960ern zum Dominator aufschwang, war Dan Guerney die Nemesis des Schotten.

Bei der Beerdigung des bei einem Formel 2-Rennen tödlich verunglücktes Clarks offenbarte sein Vater dem US-Amerikaner: "Sie sind der einzige Fahrer, den mein Sohn auf der Rennbahn wirklich gefürchtet hat."

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Rivalität auf Augenhöhe

Für den späteren Rekordweltmeister Michael Schumacher trug dieser Erzrivale den Namen Mika Häkkinen. Auf der Strecke schenkten sich die beiden Ausnahmefahrer nichts. Unvergessen ist das legendäre Überholmanöver Häkkinens im Jahre 2000 in Francorchamps.

Aber so hart die Zweikämpfe auf der Strecke geführt wurden, neben der Piste war das Verhältnis von gegenseitigem Respekt geprägt. Schumi beschrieb die Beziehung zu dem Finnen mal so: "Das war reiner Motorsport ohne Animositäten. Keine Nickligkeiten in den Medien, keine bösen Worte, keine Tricks. Wenn es etwas zwischen uns gab, nahm er mich zur Seite, sprach mit mir, dann war das aus der Welt."

FORMEL 1: GP von BELGIEN 1997, Spa Franchorchamps, 24.08.97 Bereits 1997 lieferten sich Michael Schumacher (M.) und Mika Häkkinen (l.) einen packenden Kampf in Spa
FORMEL 1: GP von BELGIEN 1997, Spa Franchorchamps, 24.08.97 Bereits 1997 lieferten sich Michael Schumacher (M.) und Mika Häkkinen (l.) einen packenden Kampf in Spa © Getty Images

Auch für Häkkinen waren die Duelle mit dme Deutschen etwas Besonderes. "Die schönsten Momenten in meiner Karriere waren, wenn ich Schumacher in meinem Rückspiegel sehen konnte." Denn dann wusste der zweimalige Weltmeister, dass er eine perfekte Leistung zeigte.

2000: Häkkinen tröstet Schumacher

Bezeichnend für die Beziehung der beiden ist aber nicht ein Satz oder ein Überholmanöver, sondern eine simple Geste zum richtigen Zeitpunkt. Beim Monza-GP 2000 fragte ein Journalist auf der anschließenden Pressekonferenz Schumacher, was es ihm beudeten würde, dass er mit diesem Sieg mit Rennlegende Ayrton Senna gleichgezogen habe.

Dem sonst so kontrolliert und manchmal roboterhaft wirkenden Schumacher versagte die Stimme und er brach in Tränen aus. Bezeichnenderweise legte ihm nicht sein drittplatzierter Bruder Ralf die Hand auf die Schulter, sondern sein ewiger Rivale aus Finnland beugte sich herüber und spendete ihm Trost.

Aber gerade diese Verbundenheit, basierend auf Professionalität und gegenseitigem Respekt, ermöglichte es Häkkinen, Schumacher auch zu kritisieren. Eine Runde vor seinem legendären Überholmanöver in Spa versuchte der Finne an derselben Stelle, seinen Rivalen anzugreifen. Der Deutsche reagierte darauf, wie er eben war. Er fuhr eine harte Kampflinie und zwang Häkkinen, zurückzustecken.

Keine Angst vor offenen Worten

Noch im Parc fermé stellte Häkkinen seinen Konkurrenten für dieses Manöver zur Rede. Gestenreich redete er auf Schumacher ein. Aber auf Nachfrage der Journalisten, was er mit Schumi zu bereden gehabt hätte, antwortete er nur: "Tut mir leid, das bleibt unter uns." Das zeigt das Verhältnis der beiden untereinander. Häkkinen scheute nie das offene Wort, aber beide hatten so viel Respekt voreinander, die Rivalität nicht in eine Medienschlacht ausarten zu lassen.

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Erst 2017 im Rahmen einer Videoreihe offenbarte er, was er damals mit zu Schumacher gesagt hatte. "Es war mir sofort klar, dass ich nach dem Rennen mit Michael sprechen musste. Ich sagte zu ihm: Du kannst nicht einen Gegner bei 300 Sachen aufs Gras drücken. Hier geht es um Leben und Tod, benutz doch ein wenig gesunden Menschenverstand!"

Auch Schumacher respektiert Häkkinen

Doch die Wertschätzung war keine Einbahnstraße. Auch der Deutsche hatte einen enormen Respekt vor dem "Fliegenden Finnen" - wahrscheinlich war er der Rivale, den er als einziges mit sich auf Augenhöhe sah. Dass er keine Scheu vor harten Zweikämpfen und Kollisionen hatte, bewies er oft genug. Aber bei Häkkinens Doppelüberholmanöver fuhr er keine Kampflinie. Mit jedem anderen Fahrer wären wohl die Frontflügel davongeflogen.

Zwar jagte Schumi seinen Konkurrenten die verbleibenden Runden über die Piste, um ihn in einen Fehler zu zwingen. Doch im Ziel konnte sich der Kerpener tatsächlich für Häkkinen freuen. "Mika ist ja richtig an mir vorbei geflogen - das war ein außergewöhnliches Manöver", lobte er den Finnen auf der anschließenden Pressekonferenz für seine Leistung.

Rivalen ja, Freunde nein

Allerdings darf man bei all der Wertschätzung der beiden füreinander nie vergessen, dass sie Rivalen waren. Auf der Piste schenkten sie sich nichts und auch nach dem Schwenken der Zielflagge war ihr Duell nicht schlagartig beendet. Das führte auch dazu, dass sich Mika Häkkinen einen großen Traum nie erfüllen konnte.

Wie jeder Formel 1-Fahrer wäre auch Häkkinen gerne für Ferrari gefahren. Mit keinem anderen Team assoziiert sich die Königsklasse des Motorsports so sehr wie mit dem Team aus Maranello. Die Scuderia ist nicht einfach nur ein Rennstall, sie ist ein Mythos, eine Legende. Wer ein Mal mit dem springenden Pferd Weltmeister geworden ist, ist ganz oben im Olymp der Formel 1 angekommen und steht auf einer Stufe mit Größen wie Juan Manuel Fangio, Niki Lauda oder Alain Prost.

Natürlich war das auch für Häkkinen ein Anreiz, der ihn antrieb. Es hätte sich auch immer wieder die Gelegenheit geboten, von den Silbernen zu den Roten zu wechseln. "In all diesen Jahren kamen natürlich immer mal wieder Leute und haben gefragt und etwas angeboten, dass ich zu einem anderen Team gehe", erzählt er.

Aber neben Michal Schumacher fahren und nur die Nummer zwei in der Hierarchie sein? Das kam für Häkkinen nicht in Frage. "Aber da war natürlich Michael Schumacher dort (bei Ferrari, Anm.d.Red.), und ich wollte nicht sein Teamkollege sein", erklärte er in einem Interview mit ServusTV.

2001: Häkkinens Karriereende

Im Rückblick kann er mit der Entscheidung jedoch gut leben. Er feierte während seiner Karriere tolle Erfolge und wurde zwei Mal Weltmeister mit McLaren. "Ich hatte zwischen 1993 und 2001 tolle Jahre und super Erfolge mit McLaren. Ich wusste: Ich möchte weiter bei McLaren fahren."

GP von JAPAN 1998 1998 feierte Mika Häkkinen (l.) seinen ersten WM-Titel. Dazu holte er mit David Coulthard auch den Konstrukteurstitel für Mercedes
GP von JAPAN 1998 1998 feierte Mika Häkkinen (l.) seinen ersten WM-Titel. Dazu holte er mit David Coulthard auch den Konstrukteurstitel für Mercedes © Getty Images

2001 beendete er seine Karriere wegen Motivationsproblemen. Dabei spielte auch sein schwerer Unfall 1995 eine Rolle. "Meine Karriere war auch deshalb anders als seine (Schumachers, Anm.d.Red.), weil ich 1995 den schweren Unfall in Adelaide hatte. Als ich Weltmeister war, dachte ich: 'Das ist gut. Jetzt strapaziere dein Glück nicht zu sehr", so Häkkinen.

Schumacher vermisst Häkkinen

Während sich der Finne in seinen wohlverdienten Ruhestand verabschiedete, katapultierte sich Schumacher in eine völlig neue Dimension mit Ferrari. Dennoch war die Formel 1 ohne Häkkinen für Schumacher nicht mehr dasselbe. "Er würde mir sehr fehlen", reagierte er auf die Rücktrittsankündigung Häkkinens, denn "ohne ihn macht mir der Rennsport einfach nicht mehr so viel Spaß."

Ein größeres Kompliment kann man seinem Rivalen wohl nicht aussprechen.

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