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München - Vor einem Jahr holte Sebastian Vettel in Spa seinen bis dato letzten Sieg in der Formel 1. Am Wochenende kehrt er zurück - und hofft auf ein Déjà-vu.

Manchmal fühlt er sich ein bisschen wie Tennis-Rüpel John McEnroe. Wenn es bei Ferrari mal nicht so läuft, was in der Saison 2019 bekanntlich öfter der Fall war, lässt Sebastian Vettel seinen Emotionen via Boxenfunk gerne freien Lauf.

"Ich schreie dann, weil ich in dem Moment genervt bin", sagte er dem Magazin F1 Racing: "Es ist so, als wenn ich dem Ball nicht genug Spin gegeben habe. Er geht ins Aus, und ich schreie wie McEnroe."

Es gab einigen Anlass zum Schreien in diesem Jahr, das bisher ganz und gar nicht nach Vettels Geschmack verlief. Kein Sieg, eine einzige Pole in Kanada, ein zickiges Auto, ein hochbegabter Teamkollege Charles Leclerc und nicht zuletzt fast 100 Punkte Rückstand auf WM-Spitzenreiter Lewis Hamilton "Ich bin nicht glücklich", sagte Vettel vor der Sommerpause: "Ich habe Probleme, das Auto zu verstehen."

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Vettel holt 2018 Sieg in Spa

Aber nun, in Spa, soll alles wieder so werden, wie es vor genau einem Jahr war (Das Rennen am Sonntag ab 15.10 Uhr im LIVETICKER). Auf einer der spektakulärsten und traditionsreichsten Strecken der Formel-1-Geschichte holte Vettel vor genau einem Jahr seinen bis dato letzten Sieg. Am 26. August sah es so aus, als könne er der WM eine Wende geben, Mercedes-Sternfahrer Lewis Hamilton in die Schranken weisen und sich selbst seinen Lebenstraum erfüllen, mit Ferrari Weltmeister zu werden.

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Es kam anders, seit jenem Tag in Spa ist Vettel sieglos, zwischenzeitlich wuchs sein Frust ins Unermessliche. "Ich hatte aber nicht das Gefühl, dass ich mentale Hilfe brauche", sagte er F1 Racing: "Ich weiß, was im Cockpit passiert ist. Ich weiß, was ich gemacht habe." Er hoffe natürlich, dass "mir das nicht noch einmal passiert. Aber für mich ist das eben Racing. So schön es sein kann, so grausam kann es manchmal sein."

Und weil es so grausam und so schön ist, denkt Vettel auch noch längst nicht ans Aufhören. Sein Job gebe ihm "so viel Adrenalin und macht mich beim Aufwachen am Sonntagmorgen nervös". Erfolgreich wolle er sein, auch wenn er nicht genau weiß, ob er es wirklich schafft, den Titel mit der Scuderia zu holen: "Aber ich möchte es schaffen, und das bestimmt auch meine Zukunft."

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Binotto über Vettel: "Führt das Team"

Vettels Vertrag mit Ferrari gilt noch für die Saison 2020, dass er vorher hinschmeißt, hält Ferrari-Teamchef Mattia Binotto für ausgeschlossen. "Er macht einen guten Job, er führt das Team", sagte Binotto: "Seine Ziele haben sich nicht über Nacht geändert, er will mit uns Weltmeister werden."

Dafür muss allerdings auch die Boxencrew ein bisschen tun, denn unter anderem trug eine oft fehlerhafte Strategie dazu bei, dass es in den bisherigen zehn Saisonrennen nicht rund lief.

In Spa soll es nun da weitergehen, wo es im August 2018 aufgehört hat. Der Hochgeschwindigkeitskurs durch die Ardennen mit so berühmten Streckenabschnitten wie Eau Rouge, La Source oder Pouhon liegt dem starken Motor des Ferrari, der fehlende Abtrieb in den Kurven spielt keine so große Rolle wie zuletzt in Budapest.

"Ich hoffe immer, dass wir vielleicht in ein paar Monaten zurückschauen und sagen: Da fing es an", sagte Vettel zuletzt in Budapest. Anders als 2018. Da hörte es nach Spa erstmal auf.

Das Training machte schon einmal Mut. Beim Aufgalopp am Freitag gaben Vettel und Leclerc den Ton an.

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