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München - Trotz seiner fünf Weltmeister-Titel erhält Lewis Hamilton nicht die Anerkennung, die ihm zusteht. Ein Ferrari-Wechsel könnte die Lösung sein.

"Es ist mir egal, ob ich Anerkennung kriege." Mit dieser Aussage nach dem Sieg beim Großen Preis von Kanada ließ Lewis Hamilton aufhorchen.

Der fünffache Formel-1-Weltmeister ist in der laufenden Saison auf Kurs in Richtung Titel Nummer sechs. Damit stünde nur noch Michael Schumacher bei der Anzahl der WM-Titel vor ihm. Der Brite müsste also bereits zu seiner aktiven Zeit eine absolute Legende in der Formel 1 sein.

Doch seine Beliebtheit und die Bewunderung für seine Erfolge halten sich in Grenzen. Besonders in seiner Heimat Großbritannien wird dies deutlich.

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Dabei ist sein Weg aus der Armut hin zu einem der erfolgreichsten Fahrer der Formel-1-Geschichte eine echte "Cinderella-Story". Dennoch heimste er auf der Insel bisher nur einmal den Titel als "Sportler des Jahres" ein. Ehemalige Formel-1-Fahrer wie Damon Hill oder Nigel Mansell, die jeweils nur einmal Weltmeister wurden, durften sich zwei Mal über diese Auszeichnung freuen.

Hamilton gelassen trotz fehlender Anerkennung

"Die Leute haben das Recht, auszuwählen, wen sie anfeuern", erklärte Hamilton kürzlich. Aber Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff beklagte, dass sein Star im Vereinigten Königreich "nicht so anerkannt" werde, wie er das verdient habe. Hamilton, der sich gerne als Kosmopolit darstellt, wird von seinen Landsleuten vorgeworfen, dass er seine britische Identität zugunsten der amerikanischen Kultur aufgegeben habe.

Jedoch liegt die Ursache für die fehlende Anerkennung von Hamiltons Leistungen nicht allein in der Persönlichkeit des Mercedes-Piloten.

Oftmals wird Hamilton vorgeworfen, dass er bei seinen Titeln in überlegenen Autos saß und auch seinen Teamkollegen überlegen war. 2008 war der Finne Heikki Kovalainen der Teamkollege des Briten bei McLaren und hatte am Saisonende 45 Punkte Rückstand auf den damals jüngsten Weltmeister der Formel-1-Geschichte. Hamilton selbst sicherte sich erst in der letzten Kurve und mit einem Zähler Vorsprung auf Felipe Massa seinen ersten WM-Titel.

Enges Duell mit Rosberg

In den folgenden fünf Jahren kam er nicht über Platz vier hinaus, bevor er 2014 an der Seite von Nico Rosberg bei Mercedes den zweiten Titel holte. Sein Vorsprung auf Rosberg auf Rang zwei lag bei 67 Punkten. Gleiches Bild im folgenden Jahr, als Hamilton 59 Punkte Vorsprung auf den zweitplatzierten Deutschen aufwies.

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2016 konnte Rosberg in einem harten Duell der beiden einstigen Freunde den Spieß umdrehen und setzte sich mit fünf Punkten Vorsprung vor Hamilton durch. Nach Rosbergs Rücktritt kam mit Valtteri Bottas eine klare Nummer zwei zu Mercedes, auch wenn Hamilton in den drei Jahren zuvor immer mal wieder bevorzugt wurde. Mit Bottas an seiner Seite war Hamilton in den vergangenen beiden Jahren nicht aufzuhalten und fuhr souverän die Titel vier und fünf ein.

Mit Ausnahme des Zeitraums an der Seite von Rosberg musste Hamilton nie um seinen Status als Nummer eins bangen und saß zudem bei vier von fünf Titeln, mit Ausnahme des Jahres 2008, im stärksten Auto und wurde daher von Anfang an als Favorit gehandelt.

Auch ein Schumacher fuhr zu Ferrari-Zeiten ohne wirkliche Konkurrenz im eigenen Team, musste sich aber gerade zu Beginn seiner Ära ab 2000 gegen McLaren mit Mika Häkkinen zur Wehr setzen.

Wechsel zu Ferrari als Lösung?

Zuvor hatte der Deutsche bereits bei Benetton zwei WM-Titel eingefahren (1994, 1995). Wäre also ein Teamwechsel auch Hamiltons Lösung für mehr Anerkennung? Angesprochen auf einen Wechsel zu Ferrari, erklärte er kürzlich: "Ich sehe das Auto und liebe die rote Farbe. Ich sehe die Leidenschaft des Publikums, wenn sie unter dem Podium stehen - das ist etwas völlig anderes als überall sonst auf der Welt."

Der 34-Jährige ergänzte: "Aber manche Dinge sollen halt nicht sein, und ich weiß nicht, ob das zu meinen Zukunftsplänen gehört. Die Zeit wird es zeigen."

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Er könne seine Karriere "hier bei Mercedes beenden und damit glücklich sein".

Hamiltons Vertrag läuft am Ende der kommenden Saison aus. Als dann womöglich siebenfacher Weltmeister, könnte er immer noch zu Ferrari wechseln. Oder er bleibt der Mercedes-Familie treu und wird wie Juan Manuel Fangio oder Stirling Moss zum Synonym für die Marke.

Hamilton nennt einen weiteren Grund, warum er wohl keinen Wechsel wagen wird. Bei Mercedes habe es Jahre gedauert, "die Ziegelsteine so zu setzen, dass sie so stehen, wie sie heute sind. Ich weiß, dass ich woanders wieder helfen müsste, das erst aufzubauen, weil ich dort nicht das gleiche Setup wie hier hätte. Das ist aber wichtig für meine Leistungen."

Dies scheint ihm wichtiger als die Anerkennung, die Hamilton als fünffacher Weltmeister zweifelsohne zustehen würde.

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