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München - Hans-Joachim Stuck sieht den Singapur-GP als Befreiungsschlag für Sebastian Vettel. Laut der Motorsport-Legende wird der Ferrari-Star in eine Umbruchphase kommen.

Für Sebastian Vettel wird das Wort Befreiungsschlag von nun an eng mit dem Großen Preis von Singapur verknüpft sein.

Nach 392 Tagen fuhr der viermalige Weltmeister endlich mal wieder einen Sieg in der Formel 1 ein. Zuvor war der Druck auf ihn sehr hoch, denn Teamkollege Charles Leclerc machte Vettel mit zwei Siegen in Serie den Status der Nummer eins mehr als streitig.

Auch Motorsport-Legende Hans-Joachim "Striezel" Stuck hob bei SPORT1 die Bedeutung des Sieges hervor.

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Vettel muss "Saison für sich gut abschließen"

"Es ist perfekt gelaufen. Das ist für ihn wirklich wichtig, mit Ferrari gewonnen zu haben und ganz oben auf dem Treppchen zu stehen."

Für die verbleibenden sechs Rennen gehe es für Vettel darum, "Punkte und vielleicht noch den einen oder anderen Sieg zu holen, damit er mit der Saison für sich gut abschließen kann", erklärt Stuck.

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Stuck sieht Leclerc nicht vor Vettel

In der Fahrerwertung liegt Vettel aktuell mit 194 Punkten auf Rang fünf, sechs Zähler hinter Teamkollege Charles Leclerc und 102 hinter dem WM-Führenden Lewis Hamilton.

Trotz des Auftrumpfens von Leclerc in den vergangenen Wochen sieht Stuck den Monegassen "nicht als Nummer eins" bei Ferrari. "Leclerc ist momentan der Held und der erste Ferrari-Sieger in Monza seit neun Jahren. Er ist jung und motiviert im Moment alle, aber mit Sicherheit hat Sebastian auch noch ein gutes Standing", meint Stuck.

Dennoch hat Vettel in den vergangenen Wochen viel Kritik einstecken müssen. Presse und Fans hatten den 32-Jährigen regelrecht angezählt und seine Qualitäten in Frage gestellt.

Für Stuck ist dies aber ein normaler Prozess in der Formel 1: "Zuerst wird man in den Himmel gelobt und dann ist man praktisch der 'Depp'. Das haben alle guten Fahrer schon mitgemacht. Dafür werden die Piloten gut bezahlt und müssen damit leben." Besonders ausgeprägt sei dieses Extrem bei Ferrari: "Die Leute im Team beziehen sehr schnell Position. Es ist sicherlich ein Hotspot in jeder Beziehung."

Stuck: "Nächste Saison muss wieder alles passen"

Nun konnte Vettel das Blatt aber wieder ein Stück weit zu seinen Gunsten wenden, für Stuck auch zwingend notwendig, denn "in der nächsten Saison muss wieder alles passen".

Vettels Vertrag läuft nach der Saison 2020 aus und momentan ist eine erneute Vertragsverlängerung bei Ferrari alles andere als sicher. Sein Status im Team wird dabei ein anderer sein, als vor der laufenden Saison.

"Im kommenden Jahr geht es bei null wieder los. Da gibt es keine Nummer eins und Nummer zwei. Anschließend ist der Fahrer mit den besseren Ergebnissen zu Beginn Nummer eins", erklärt Stuck.

Dabei steht Vettel aber ein "harter Kampf" bevor, so Stuck: "Der 'Alte' versucht sich zu behaupten und der 'Junge' will seine Stellung manifestieren."

Vettel kommt "in eine Umbruchphase"

Sollte der Heppenheimer tatsächlich im kommenden Jahr seinen ersten WM-Titel mit Ferrari einfahren, läge seine Zukunft mutmaßlich weiter im italienischen Team. Sollte ihm dies nicht gelingen oder er strebt von sich aus eine "Luftveränderung" an, sind die Optionen in der Formel 1 rar gesät.

"Erstens ist die Frage, ob er weitermachen will. Dafür braucht er ein konkurrenzfähiges Auto. Außerdem tritt 2021 das neue Reglement in Kraft. In der Richtung muss man auch erstmal abwarten, wie es sich entwickelt", erklärt Stuck.

Für den 68-Jährigen ist aber klar, dass Vettel "in eine Umbruchphase" kommt und sich die Frage stellen müsse, "ob er sich das antun will."

Denn mit dem neuen Reglement werde die Technik weniger Einfluss haben und man könne einfacher überholen, erklärt Stuck: "Das heißt auch, dass hoffentlich mehrere Teams siegfähig sein werden. Dann ist die Frage: Braucht Vettel das?"

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Vettel in einem Team mit Hamilton?

Zur Idee, dass Vettel zukünftig gemeinsam mit Hamilton in einem Team fahren könnte, hat Stuck eine klare Meinung: "Ich glaube, dass das nicht passieren wird."

Er führt aus: "Lewis ist ein eigensinniger Charakter. Das ist auch gut so und Sebastian ist genauso. Das ist kein Vorwurf, sondern viel mehr ein Kompliment. Für beide ist es wichtig, dass sie die Nummer eins in ihrem Team sind. Deswegen ist es vom Grundsatz her nicht gut, wenn die beiden in einem Team fahren."

In der Formel 1 werde Vettel über 2020 hinaus wohl nicht weitermachen, "wenn er nicht sicher weiß, dass es ein Topteam ist, in dem er die Chance hat, die Nummer eins zu sein", sagt Stuck.

Zweifelsohne stehen Vettel nach dem Befreiungsschlag von Singapur nun entscheidende Wochen und Monate bevor.

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