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Singapur - Beim Großen Preis von Singapur profitiert Sebastian Vettel von einem frühen Boxenstopp. Teamkollege Leclerc reagiert mit Unverständnis auf die Strategie. Stimmen.

Als große Favoriten gehen die Mercedes-Piloten in den Großen Preis von Singapur. Am Ende landet aber keiner der beiden Silberpfeile auf dem Podest. Dagegen feiert die Scuderia den ersten Doppelsieg seit 2017 - und dieses Mal nicht mit Charles Leclerc ganz oben auf dem Podest.

Zum ersten Mal seit mehr als einem Jahr gelingt Sebastian Vettel ein Sieg in der Formel 1. Der viermalige Weltmeister profitiert von einer Boxenstrategie seines Teams und bringt seinen monegassischen Teamkollegen damit in Rage.

Ferrari-Teamchef Mattia Binotto erklärt im Anschluss, warum man Vettel zuerst in die Box holte und ihm damit zum Sieg verhalf. 

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Bei Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff ist die Überraschung über Sieger Vettel groß.

SPORT1 fasst die Stimmen von Sky, RTL, Pressekonferenz und aus der Boxengasse zusammen.

Sebastian Vettel (Ferrari, Rang 1): "Ich möchte mich beim Team bedanken und auch bei den Fans. Es waren harte Wochen, ich möchte mich bei allen bedanken, die weiter an mich geglaubt haben. Mir haben so viele Menschen Briefe und Nachrichten geschickt, das war sehr wichtig für mich. Gratulation auch an das Team. Unser Saisonstart war schwierig, aber in den vergangenen Wochen ging richtig was vorwärts bei uns. Ich bin sehr stolz auf die Arbeit aller Beteiligten zuhause im Werk."

zur Boxenstrategie: "Ich wurde sehr spät rein gerufen, vielleicht war es spontan. In der vorletzten Kurve kam der Ruf über Funk, dass ich reinkommen soll. Ich wusste nicht, ob vor mir jemand ebenfalls abgebogen war. Ich wusste auch nicht, ob die Reifen den langen zweiten Stint durchhalten. Ich habe in der Runde nach dem Stopp einfach alles gegeben und bekam dann mit, dass die zwei Autos vor mir abbogen. Ich war aber sehr überrascht, eine Runde später vor ihnen zu sein. Ich habe dann versucht, mir ein Polster aufzubauen, aber das ging wegen der Safety-Car-Phasen nicht."

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zur Frage, ob sich Leclerc betrogen fühlt: "Ich weiß nicht, was der ausschlaggebende Punkt war, aber ja natürlich war ich nicht zufrieden in Monza. Und vielleicht war er nicht ganz zufrieden heute. (Fahrerwertung der Formel 1)

zur Frage, ob er nach den Misserfolgen an sich gezweifelt hat: "Ich habe nicht an mir gezweifelt, es ist ja nicht das erste Mal, dass ich da durch muss. Es wird wahrscheinlich auch nicht das letzte Mal sein, das gehört dazu. Den Anspruch habe ich auch immer, ganz vorn zu sein und die beste Leistung abzuliefern. Und wenn das nicht klappt, dass ist es auch in Ordnung, wenn man mich kritisiert."

zur Frage, ob man Hamilton in dieser Saison noch abfangen kann: "Wir sind definitiv noch hungrig, aber wenn man sich Lewis' Rekorde ansieht in den vergangenen Jahren, dann ist das sehr beeindruckend. Auch wenn sie schon alles erreicht haben, wollen sie noch mehr. Ich kann nur meinen allergrößten Respekt zollen vor seinen Leistungen. Ich bin sicher, dass es sehr schwierig wird, ihm diesen Titel in diesem Jahr noch zu nehmen."

Charles Leclerc (Ferrari, Rang 2): "Wir hatten die Strategie vorab festgelegt und ich habe mich an den Plan gehalten. Aber manchmal geht es eben so. Es ist immer schwer zu verkraften, einen Sieg auf diese Art zu verlieren, aber unterm Strich ist es ein Doppelerfolg für das Team und darüber freue ich mich. Die Jungs haben dieses Ergebnis verdient. Wir kamen mit einer Podesthoffnung hierher und reisen mit einem Doppelsieg ab. Und ich werde stärker zurückkommen."

Am Funk zeigte sich der Monegasse zuvor deutlich weniger einsichtig.

"Was zur Hölle geht hier vor? Um ehrlich zu sein. Ich will den Doppelsieg, aber nicht in dieser Reihenfolge. Ich verstehe den Undercut nicht, aber das werden wir nach dem Rennen besprechen. Ich bleibe cool und wir klären das hinterher, aber ich will euch nur über meine Gefühle in Kenntnis setzen. Ich werde nichts Dummes veranstalten, das ist nicht mein Ziel. Ich will, dass wir hier auf den Plätzen eins und zwei ankommen. Ich halte das aber nicht für fair."

zur Frage, warum er während des Rennens in Richtung Kommandostand gewütet hat: "Man hat als Fahrer nicht den Überblick über die gesamte Situation. Es ist in solchen Fällen immer schwierig, weil man nur seine eigene Situation sieht. Natürlich habe ich nicht damit gerechnet, dass Seb mich überholen würde. Das war ziemlich frustrierend aus dem Auto heraus, aber ich verstehe diese Entscheidung und wie sie getroffen wurde und dass es das Beste für das Team war. Es ist aber schwierig, so etwas aus dem Auto heraus nachzuvollziehen, und frustrierend."

Max Verstappen (Red Bull, Rang 3): "Das ganze Rennen ist gut gelaufen. Am Anfang war das Rennen sehr langsam, ich hatte Probleme mit den Reifen und bin an die Box. Das war die richtige Entscheidung, denn dann konnten wir den Undercut gegen Lewis durchbringen. Es war dann nicht einfach, die Reifen zu kontrollieren bei den ganzen Safety-Car-Phasen. Lewis hat hinter mir am Ende voll gepusht, das war hart, aber ich konnte standhalten."

Lewis Hamilton (Mercedes, Rang 4): "Es war einfach unglücklich heute. Ich habe bereits morgens gesagt, dass wir einen Undercut machen sollten, aber wir haben es nicht gemacht. Es nervt, wenn man von Rang zwei startet, aber nur als Vierter ins Ziel kommt. Mercedes ist viel besser als das, was wir heute gezeigt haben. Wir müssen sehr hart an uns arbeiten."

Mattia Binotto (Ferrari-Teamchef): "Ich freue mich sehr für Sebastian, er hat es verdient. Es gab so viele Rennen in diesem Jahr, in denen er gut gefahren ist, aus verschiedenen Gründen aber nie gewinnen konnte. Heute ist es fantastisch gelaufen." (Teamwertung der Formel 1)

zur Boxenstrategie: „Charles war überrascht, dass Sebastian ihn überholt hat. Aber es war die richtige Entscheidung. Denn wir wussten, dass Verstappen auch bereit war zu stoppen. Für Seb war es die einzige Möglichkeit, Hamilton zu überholen. Wir mussten etwas für Seb probieren. Ich verstehe seinen Wunsch zu gewinnen. Es ist richtig, dass es so ist. Wir werden mit ihm über die Gründe unserer Entscheidung reden. Im Rennen hat man nicht immer den Überblick.“

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Toto Wolff (Mercedes-Motorsportchef): "Ich kann euch sagen, wir alle sind verärgert. Gerade hatten wir ein Treffen mit den Ingenieuren und den Fahrern. Unser Eindruck ist: Wir haben es an diesem Wochenende einfach vermasselt."

zur Boxenstrategie von Ferrari: "Der Undercut kam aus dem Nirgendwo, das war ein echt mutiger Call. Er war so viel schneller. Ich denke, das hat auch Ferrari überrascht. Vettels Team hat es richtig gemacht. Sie hatten nichts zu verlieren."

zur Frage, warum Mercedes Hamilton nicht direkt nach Vettel in die Box geholt hat: "Da hatten wir die Position an Sebastian schon verloren. Dann haben wir versucht, das Gegenteil zu tun und Lewis etwas länger fahren zu lassen. Aber unser Reifen zeigte dann doch etwas mehr Verschleiß und hat nicht richtig funktioniert. Deshalb sind wir im Nirgendwo gelandet."

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