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Sotschi - Nach dem Start beim Russland-GP sorgen Vettel, Leclerc und die Ferrari-Crew am Boxenfunk für Verwirrung. Mercedes freut sich ob des unerwarteten Sieges. Die Stimmen.

Der Große Preis von Russland in Sotschi wird für Sebastian Vettel zum Desaster. Nach einem brillanten Start, bei dem der Deutsche an Lewis Hamilton und Charles Leclerc vorbeizieht, scheidet der vierfache Weltmeister aufgrund eines Batterieproblems aus. 

Zuvor verwirrt die Scuderia mit Funksprüchen, als Leclerc eine Teamorder fordert, Vettel aber nicht einmal im Ansatz daran denkt, den jungen Monegassen vorbeizulassen.

Die Silberpfeile, die nicht mit den Ferraris mithalten können, profitieren von einer Safety-Car-Phase und feiern am Ende einen Doppelsieg. 

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Nach dem Rennen wollen die Roten von einem teaminternen Konflikt nichts wissen, bei Mercedes ist man über den eigenen Erfolg verwundert.

SPORT1 fasst die Stimmen von Sky und RTL sowie von der Pressekonferenz und aus der Boxengasse zusammen.

Lewis Hamilton (Mercedes, Rang 1): "Unglaublich, wenn man bedenkt, wie schnell Ferrari beim Start war. Es war unheimlich schwierig, einfach nur mit ihnen mitzuhalten. Sie fuhren in einer anderen Liga, schon im Qualifying. Beim Start waren sie direkt einfach nur weg."

zur Safety-Car-Phase: "Wenn das Safety Car nicht herausgekommen wäre, hätten wir den Stint noch weiter hinausgezögert. Ich wäre vielleicht nicht vor Leclerc zurück auf die Strecke gekommen, aber wir hätten ein Rennen gehabt. Das Safety Car hat den Fans gewissermaßen die Show genommen."

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Charles Leclerc (Ferrari, Rang 3): "Ich werde dem Team immer vertrauen. Die Taktik war, mit Windschatten am Ende der Gerade auf Platz 1 und Platz 2 zu liegen. Was dann passiert ist, weiß ich nicht. Ich muss erst mit dem Team sprechen, um die Situation besser zu verstehen."

zum Duell mit Mercedes nach der Safety-Car-Phase: "Das Tempo, um vor Valtteri ins Ziel zu kommen, hatten wir auf jeden Fall. Das Hinterherfahren war aber ziemlich knifflig. Sobald man rund 1,5 Sekunden dran ist, beginnt alles zu überhitzen. Von unserer Seite war das Rennen okay. Mercedes war aber deutlich schneller als sie noch im Qualifying gewesen waren. Das müssen wir für die kommenden Rennen noch besser verstehen."

zur Teamorder und den Problemen nach dem Start: "Weil ich ihm [beim Start] den Windschatten gegeben habe", seien "in gewisser Weise", Absprachen "respektiert" worden. "Dann wollte ich den Rücktausch, den wir beim Boxenstopp erledigt haben. Das war's." (Fahrerwertung der Formel 1)

Sebastian Vettel (Ferrari, ausgeschieden): "Nach dem Stopp, der vielleicht ein bisschen spät kam, hatte ich auf einmal keine Leistung von der Batterie mehr zur Verfügung. Es fehlte dann doch ziemlich viel, ich glaube um die 160 PS. Ich wurde gebeten anzuhalten und das habe ich dann auch gemacht. Ich habe das Auto da abgestellt, wo meiner Meinung nach kein Safety Car nötig gewesen wäre. Ich habe mich extra noch schön hingestellt, sodass man das Auto nur noch nach hinten schieben muss."

zur Teamorder von Ferrari: "Ich habe meinen Teil der Absprache eigentlich eingehalten. Ich habe vor dem Rennen vor allem mit Charles gesprochen, und ich denke, es war eigentlich ziemlich klar. Ich weiß nicht, vielleicht ist mir irgendetwas entgangen."

zur Frage, was genau in Sachen Startstrategie vereinbart wurde: "Das möchte ich nicht teilen, um ehrlich zu sein. Es ist keine große Sache, aber ich möchte das Team im Nachhinein nicht in eine schlechte Position bringen, weil irgendjemand hier oder da was gesagt hat. Ich war Dritter, Charles Erster, und wir haben eine Strategie gesucht, um an Lewis vorbeizukommen."

zu seiner Ferrari-Saison im Allgemeinen: "Das Jahr war hart. Denn ich muss das Auto noch entschlüsseln."

Mattia Binotto (Teamchef Ferrari): "Wir sollten eigentlich viel besser dastehen, als wir das nun tun. Wenn alles normal gelaufen wäre, hätten wir einen Doppelsieg feiern können. Wir haben den Sieg aber aufgrund eines Zuverlässigkeitsproblems abgegeben."

zur Startstrategie: "Wir haben mit den Fahrern vor dem Rennen gesprochen und mit Charles vereinbart, dass er Sebastian den Windschatten geben soll, einfach um sicherzustellen, dass er an Hamilton vorbeikommt. Denn für uns ist es am besten, wenn wir die Plätze eins und zwei belegen und dann das Rennen auch in Sachen Stopps von vorne kontrollieren können."

zu den anschließenden Verwirrungen am Funk, als Leclerc einen Rücktausch forderte und diesen erst deutlich später in Form eines Undercuts bekam: "Seb war sehr schnell. Wir haben ihn gebeten zu tauschen, aber Charles war nicht nah genug an ihm dran." (Teamwertung der Formel 1)

Sebastian Vettel zeigte in Sotschi einen hervorragenden Start und zog an Charles Leclerc vorbei ©

zur Frage, ob es zu weiteren Streitereien seiner Piloten kommen wird: "Ich glaube nicht, dass es Spannungen geben wird. Wenn man sich die Videos anschaut, dann wird man das aufklären können."

Toto Wolff (Motorsportchef Mercedes): "Die Rennen, die am schwersten erkämpft sind, bereiten die meiste Freude. Gerade in der schwierigen Situation, in der wir uns befinden, einen solchen Doppelsieg herauszufahren, das ist wahrscheinlich einer der besten Siege überhaupt. Das tut richtig gut. Doppelsieg, der Hauptgegner fällt aus, ein richtig großer Schritt in beiden Meisterschaften. Ich verspüre eine große Erleichterung."

zur Mercedes-Strategie: "Wir wussten: Eine unserer wenigen Hoffnungen würde eine Safety-Car-Phase sein. Deswegen mussten wir lange draußen bleiben. Dass [Ferrari] das auch noch selbst ausgelöst hat, war umso skurriler. Insofern ist alles aufgegangen."

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zur Teamorder-Debatte bei Ferrari: "Es ist nicht ganz trivial, an der Spitze zwei Fahrer zu managen, die den Anspruch stellen zu gewinnen. Wir können das nachvollziehen. Sie betreiben jetzt learning by doing. 

zum Boxenstopp von Leclerc während der Safety-Car-Phase: "Das hätten wir nicht gemacht. Wahrscheinlich haben sie auf ihren Motor vertraut, dass sie auf den Geraden so schnell sind. Es hat aber nicht gereicht."

James Allison (Technikchef Mercedes): "Valtteri hat hervorragende Arbeit geleistet, Leclerc auf Distanz zu halten. Vor allem in den ersten Runden [nach dem Boxenstopp] stand er doch gehörig unter Druck. Da hat er sich keinen Fehltritt erlaubt. Dann wurden die Reifen von Leclerc ein bisschen zu heiß und es wurde einfach. Doch Valtteri stand insgesamt lange unter Druck, hat diesem Druck aber gut widerstanden."

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