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Ab der Saison 2021 gilt in der Formel 1 ein neues Regelwerk. Unter anderem gilt für jedes Team eine Kostenobergrenze. Nun müssen die Rennställe entscheiden.

Die Formel 1 hat am Rande des Großen Preises der USA (Sonntag, 20.10 Uhr im LIVETICKER) ihr Regelwerk ab der Saison 2021 vorgestellt. Ziel der neuen Agenda ist es, die Rennwagen so zu konzipieren, dass sich die Fahrer auf der Strecke besser bekämpfen können.

Gelingen soll dies einerseits durch eine Kostenobergrenze von zunächst 175 Millionen Dollar jährlich (umgerechnet 158 Millionen Euro), die ab 2021 verbindlich für alle Teams gilt und in den Folgejahren kontinuierlich gesenkt werden soll.

Das heißt insbesondere für die Top-Teams Mercedes, Ferrari und Red Bull, dass sie deutlich sparen müssen. Mercedes hatte zum Beispiel für 2018, inklusive Gehältern, ein geschätztes Budget von 450 Millionen Euro, Ferrari lag bei etwa 430 Millionen.

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Allerdings sind die Gehälter der Fahrer sowie die der Top-Drei-Mitarbeiter jedes Teams (Chefingenieure, Designer, Team-Chefs) ebenso von der Kostengrenze ausgenommen wie die Reisekosten.

Wer gegen die neue Grenze verstößt, soll künftig drastisch bestraft werden. "Wer betrügerisch gegen die Kostengrenze verstößt, wird im schlimmsten Fall den WM-Titel verlieren", sagte Formel-1-Sportboss Ross Brawn.

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Bis zu 25 Rennen im Jahr

Neben der Kostenobergrenze werden die Rennwochenenden auf drei Tage verknappt. Der Donnerstag als Medientag geht im Freitag auf, der bislang komplett für das erste und zweite freie Training reserviert war.

Durch diese Entlastung soll die Formel 1 weiter wachsen können: 25 Grand Prix pro Jahr sollen möglich sein, in diesem Jahr liegt die Zahl bei 21 Rennen, 2020 werden es 22 sein.

Wieder mehr Überholmanöver

Der zweite große Stützpfeiler des Reglements ist ein neues Aerodynamik-Konzept. Der Frontflügel wird ab 2021 deutlich vereinfacht, weitere Aerodynamik-Elemente werden abgeschafft oder modifiziert.

Das neue Aerodynamik-Konzept gilt als Kernpunkt des neuen Regelwerks. Es soll durch eine Minimierung der Luftverwirbelungen wieder für mehr Überholmanöver sorgen.

"Überholen soll einfacher werden, es soll mehr Action geben", erklärte FIA-Präsident Jean Todt per Video-Schalte.

Wuchtigere Reifen

Außerdem wird die Entwicklungsfreiheit der Teams deutlich eingeschränkt. Standardisierte Einheitsteile wie Achsen, Radmuttern, Antriebswelle, Gaspedal, DRS-Mechanismus lösen die freie Entwicklungsarbeit der Rennställe ab. Die Autos werden sich folglich künftig deutlich weniger unterscheiden.

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Die optisch markanteste Änderung werden die deutlich breiteren Felgen sein. Die Größe der Felgen nimmt von aktuell 13 auf 18 Zoll zu. Die Autos werden dadurch wesentlich wuchtiger aus.

Schon in der nächsten Saison werden die 18-Zoll-Felgen von der Formel 2 getestet, also unter anderem von Mick Schumacher.

Keine Veränderungen wird es bei den Motoren geben. Die V6-Hybrid-Motoren werden auch ab 2021 Bestandteil der Boliden bleiben.

Damit gehen die Wünsche einiger Fahrer wie Sebastian Vettel nicht in Erfüllung. "Ich hätte mir einen anderen Motor gewünscht. Einen, der straßenrelevanter ist", sagte der Ferrari-Pilot auf der Pressekonferenz vor dem Austin-Grand-Prix. (Reaktionen zur Regel-Revolution)

F1-Boss verspricht "ausgeglicheneren Wettbewerb"

Der Motorsportweltrat hat den Regeln bereits einstimmig zugestimmt. Nun sind die Teams gefragt. Der bestehende Grundlagenvertrag, den 2013 noch Ex-Chef Bernie Ecclestone verhandelt hatte, läuft Ende 2020 aus. Die Rennställe müssen sich entscheiden, ob sie unter den vorgestellten Regeln in der Formel 1 bleiben und ein neues Concorde Agreement bis 2025 unterzeichnen.

Klar ist: Die neue Formel 1 wird vor allem für die Top-Teams eine gigantische Herausforderung für die Seriensieger der früheren Jahre. Ob künftig noch einmal eine solche Erfolgsära wie aktuell von Mercedes möglich ist, erscheint fraglich.

Ob Ferrari, Red Bull und Mercedes bereit sind, sich dieser Herausforderung ab 2021 zu stellen, oder im schlimmsten Fall sogar auszusteigen, ist noch offen. Hinter den Kulissen machten alle drei Rennställe zuletzt deutlich Stimmung gegen das geplante Regelpaket.

"Die neuen Regeln werden nicht jedem gefallen, aber wir werden einen ausgeglicheneren Wettbewerb haben", sagte Formel-1-Boss Chase Carey.

Renault begrüßt neue Regeln

Als erstes Team äußerte sich Renault zu den neuen Regeln.

"Das bestätigt die Vision der neuen Rechteinhaber für einen ausgeglicheneren, unterhaltsameren und nachhaltigeren Sport, ohne die DNS der Formel 1 zu verraten", sagte Teamchef Cyril Abiteboul.

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