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München - Ferrari-Star Sebastian Vettel droht der Gang in die zweite Reihe hinter Charles Leclerc. Doch der vierfache Weltmeister könnte dieser Problematik entkommen.

"Lass Charles vorbei!"

Drei Worte im Ferrari-Funk unterstreichen die schwierige Lage des viermaligen Formel-1-Weltmeisters Sebastian Vettel in dieser Saison.

Am Start des Großen Preises von Russland hatte Vettel, der von Rang drei ins Rennen ging, sich an die Spitze gesetzt, dabei aber vom Windschatten seines Teamkollegen Charles Leclerc profitiert.

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Der Monegasse forderte im Anschluss seinen Platz an der Spitze wieder zurück – und wurde dabei vom Team unterstützt.

Ferrari stellte Forderung an Vettel

Insgesamt drei Mal wurde Vettel per Funk aufgefordert, seinen Teamkollegen vorbeizulassen. Aber der Deutsche kam dem Wunsch des Teams nicht nach und verwies auf den deutlichen Abstand zwischen den beiden Ferraris.

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Leclerc forderte das Team auf, "die Situation zu managen". Das Team griff schließlich durch die Boxenstopp-Strategie ein und sorgte dadurch für den Platztausch. Nach dem Rennen folgten gegenseitige Schuldzuweisungen beider Piloten.

"Die Taktik war, mit Windschatten am Ende der Gerade auf Platz 1 und Platz 2 zu liegen. Was dann passiert ist, weiß ich nicht", gab Leclerc zu Protokoll. Für Vettel ist klar, dass er seinen "Teil der Absprache eigentlich eingehalten hat". Gleichzeitig räumte er aber ein: "Vielleicht ist mir irgendetwas entgangen."

Brawn warnt: "Explosive Kombination"

Ungeachtet des Wirbels um die Ferrari-Strategie, könnte der Russland-Grand-Prix Vettel einen Vorgeschmack auf die kommende Saison geliefert haben.

Immerhin sprach sogar F1-Sportchef und Ex-Ferrari-Teamchef Ross Brawn in seinem offiziellen Renn-Rückblick von einer "potenziell explosiven Kombination, die man vorsichtig managen muss."

Das wird alles andere als einfach, denn nach zwölf Jahren ohne Titel möchte die Scuderia 2020 unbedingt wieder die Formel-1-Krone zurück. Mit zwei Fahrern, die sich gegenseitig bis auf das Messer bekämpfen, wird das kaum gelingen.

Ferrari wird daher früher oder später auf eine Nummer 1 setzen müssen - und aktuell sprechen alle Anzeichen dafür, dass dies Leclerc sein wird. Auch das neue Auto wird wohl eher nach den Wünschen von Leclerc ausgerichtet sein.

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Vettel hat für 2020 kaum Optionen

Wirkliche Optionen hat Vettel für kommende Saison jedoch nicht. Zwar soll der 32-Jährige eine Ausstiegsklausel in seinem Kontrakt besitzen, die ihm nach Ende der laufenden Saison einen Wechsel ermöglicht - doch wohin soll er wechseln?

Mercedes hat seine Fahrer für 2020 bestätigt und Red Bull hat bereits verkündet, dass Vettel keine Option für den Platz neben Max Verstappen ist - zumindest nicht in der nächsten Saison. Zu einem Mittelfeld-Team wird Vettel sicher nicht gehen.

Vettel könnte stattdessen ein Sabbatjahr einlegen, doch auch das scheint unwahrscheinlich, falls die Situation mit Leclerc und dem Team in den restlichen Saisonrennen nicht völlig eskaliert.

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Vettel könnte in zweite Reihe rutschen

Vettels einzige Option ist daher, die schwierige Situation zu akzeptieren und in den verbleibenden Rennen sowie zu Beginn der Saison 2020 beweisen, dass er der Fahrer ist, mit dem die Scuderia die größten Chance auf den Titel hat.

Denn sollte Vettel in der WM vorne liegen, wird Ferrari ihn kaum zurückpfeifen, um Leclerc zu helfen. Für 2021 bleibt ihm dann immer noch die Option eines Wechsel, schließlich könnte bei Mercedes und Red Bull mindestens ein Platz frei werden.

Für Red-Bull-Motorsportberater Helmut Marko steht nach dem Russland-GP nur eines fest, wie er der Autobild sagte: "Sie haben Sebastian, obwohl er der schnellste Mann war, geopfert. Vettel hat bei Ferrari keine Zukunft mehr."

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