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Chris Amon (vorne) erreichte die Unlaufstelle von Lorenzo Bandini
Chris Amon (vorne) erreichte die Unlaufstelle von Lorenzo Bandini © Getty Images
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München - Ferrari-Pilot Lorenzo Bandini verunglückt beim Monaco-GP 1967 und geht in Flammen auf. Der Italiener verliert den Kampf um sein Leben, der Unfall hat Folgen.

Es war einer jener fatalen Feuerunfälle, die es in der Formel 1 der Sechziger und Siebziger Jahre viel zu oft gab.

Beim Großen Preis von Monaco am 7. Mai 1967 jagte der Italiener Lorenzo Bandini in seinem Ferrari den führenden Neuseeländer Denny Hulme im Brabham durch die engen Straßenschluchten des Fürstentums. 

Bereits in der zweiten Runde hatte Bandinis Ferrari die Leitplanke touchiert, Chronisten berichteten später, er sei danach auf seiner eigenen Ölspur um den Kurs gerutscht. Der Ferrari wurde durch den beschädigten Motor und das ausgelaufene Öl in den letzten Runden langsamer, Bandini musste für den Sieg ein höheres Risiko gehen.

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In der 82. Runde hielt der offenbar erschöpfte und immer unaufmerksamer fahrende Bandini sein Auto nicht mehr, der Ferrari touchierte eingangs der Hafenschikane mit dem linken Hinterrad die Leitplanke, schleuderte gegen einen nur mit Strohballen abgedeckten Poller und ging sofort in Flammen auf.

Hubschrauber facht Feuer an

Zuvor war der Bolide noch vor 100.000 Zuschauern 30 Meter kopfüber über den Kurs geschlittert. Da zu diesem Zeitpunkt noch keine Gurtpflicht galt, wäre Bandini normalerweise aus dem Wagen geschleudert worden.

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"Er verlor in der Hafenschikane die Kontrolle über sein Fahrzeug, als er eingangs der Schikane mit dem linken Hinterrad die Leitplanke erwischte. Dadurch geriet er ins Schleudern. Er prallte ausgangs der Hafenschikane gegen einen mit Strohballen gesicherten Toller und sein Ferrari fing Feuer, weil es beim Aufprall den Tank zerrissen hatte. Der Wagen überschlug sich und Bandini steckte fest", sagte Michel Boeri, langjähriger Präsident des Automobilklubs von Monaco, bei Speedweek.

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Die aufgeschreckten Streckenposten näherten sich den durch die vielen Strohballen und das ausgelaufene Benzin lodernden Flammen mit ihren kleinen Feuerlöschern, die so gut wie keine Wirkung entfalteten. Zu allem Überfluss kreiste über der Unfallstelle ein Hubschrauber, dessen Rotorblätter das Feuer immer wieder neu entfachten.

Bandini stirbt drei Tage nach Unfall

Drei endlos lange Minuten saß der 31-jährige Bandini im Feuer, 70 Prozent seiner Haut verbrannten, dazu hatte er etliche Knochenbrüche erlitten. Erst nach dem Löschen sahen die Streckenposten, dass Bandini noch im Wrack saß. Sein Gesicht war entstellt, sein Rennoverall stark verbrannt.

Drei Tage lang kämpften die Ärzte im Krankenhaus um sein Leben, dann - heute vor 53 Jahren - verloren sie ihn. Zuvor hatten sie in der Notaufnahme festgestellt, dass Milz und Lunge schwer verletzt waren und viele Verbrennungen Bandinis Körper geschädigt hatten. 

Bei der Beerdigung in Mailand begleiteten Tausende Menschen seinen Sarg, mit seiner Besessenheit und seinem Charisma hatte er sich einen Platz im Herzen von Millionen Italienern gesichert.

Renndistanz in Monaco wird verkürzt

Bandini hatte wenige Wochen zuvor noch die 24 Stunden von Daytona und gemeinsam mit Chris Amon die 1000 Kilometer von Monza gewonnen.

"Ich schätze, das Rennen vom 7. Mai 1967 war das Schlimmste, das ich in meiner Karriere miterlebt habe", sagte der 78 Jahre alte Boeri.

Für den Grand Prix in Monaco hatte der Unfall Folgen. Die ursprüngliche Renndistanz wurde ab 1968 von 100 auf maximal 80 Runden verkürzt. Denny Hulme gewann das schicksalsträchtige Rennen 1967 und wurde im selben Jahr Weltmeister. Er starb am 4. Oktober 1992, als er während eines Tourenwagenrennens in Australien am Steuer einen Herzinfarkt erlitt.  

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