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Einst Konkurrenten auf der Strecke: Nico Rosberg (li.) und Sebastian Vettel
Einst Konkurrenten auf der Strecke: Nico Rosberg (l.) und Sebastian Vettel © Getty Images
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München - Ex-Weltmeister und Mercedes-Pilot Nico Rosberg ist irritiert über die Trennung zwischen Sebastian Vettel und Ferrari - und zweifelt manche Aussagen an.

Er wolle "nicht nachtreten", hatte Sebastian Vettel beteuert - und ließ schon vor dem Saisonstart in Spielberg mit dem völlig missratenen Qualifying, als nicht einmal der Sprung in Q3 gelang, dann doch eine Bombe platzen:

Recht unmissverständlich erklärte er, von Ferrari quasi vor vollendete Tatsachen gestellt worden zu sein. (Formel 1: Großer Preis in Spielberg am Sonntag ab 15.10 Uhr im LIVETICKER)

Es wirkte so, als habe der Rennstall dem viermaligen Formel-1-Weltmeister den Laufpass zum Ende der Saison gegeben, obwohl es andere Signale gegeben habe. "Die letzten Monate war es eigentlich sehr klar und deutlich, dass man gemeinsam weitermachen will", so Vettel.

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Eine Aussage, die vor allem Mattia Binotto in kein gutes Licht rückte: Ferraris Teamchef hatte Gespräche über eine gemeinsame Zukunft angekündigt, die es laut Vettel indes nie gegeben habe - und später dann von einer gemeinsamen Entscheidung gesprochen, was der Heppenheimer ebenso verneinte ("Das war natürlich ein Schock und kam überraschend").

Fiat-Präsident Elkann entscheidet mit

Aussage also gegen Aussage - was nicht nur für viele F1-Fans, sondern auch für Nico Rosberg höchst irritierend daherkommt.

"Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass Ferrari einen viermaligen Weltmeister einfach nicht mehr will", sagte der Ex-Weltmeister bei RTL: "Das hat keinen Sinn, weil er einer der besten Fahrer ist."

Ferrari wollte ihn aber nicht mehr. Nach Informationen von SPORT1 hat Fiat-Präsident John Elkann persönlich die Entscheidung gebilligt.

Ein Grund: Die neuen Formel-1-Autos kommen wegen der Coronakrise erst 2022. Bis dahin sieht Ferrari sich in einer Übergangsphase, in der sich ein teurer Mehrfach-Champion an Bord eines nur mittelmäßigen Renners nicht rentiert. 

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Rosberg: Hoffe, dass Vettel in der F1 bleibt

Rosberg vermutet - ohne sie zu kennen - vielmehr andere Gründe und möchte Vettels Aussagen "erst mal vorsichtig behandeln."

Er hofft, dass Vettels Fahrer-Karriere am Ende der Saison nicht schlagartig endet. "Ich glaube schon, dass Sebastian der Formel 1 erhalten bleiben wird", meinte der ehemalige Mercedes-Pilot und ergänzte: "Er hat noch ein paar Chancen in verschiedenen Teams." (Rennkalender 2020 der Formel 1)

Dass Vettel, der seit 2015 für die Scuderia bisher 101 Rennen absolviert hat, sein letztes Ferrari-Jahr wegen des brisanten Abgangs als Lame Duck angeht, schließt Rosberg aus: "Es war eine große Zeit bei Ferrari, leider blieb der Titel aus, aber nichtsdestotrotz waren viele Erfolge dabei - und er will das jetzt krönen mit einem tollen letzten Jahr."

Vor dem Saisonbeginn 2020 hatte Vettel immerhin 14 Siege, zwölf Pole-Positions und insgesamt 54 Podestplätze eingefahren.

Doch nicht nur Rosberg sieht die Chose skeptisch. Auch weitere ehemalige Fahrerkollegen von Vettel äußern sich verwundert und teilweise kritisch.

Jenson Button etwa hält Binottos Aussage, dass Vettel vor Corona Ferraris erste Wahl gewesen sei, für eine "billige Ausrede". Er vermute, der Scuderia-Verantwortliche sei Vettel "einfach ins Wort gefallen und hat gesagt: 'Wir brauchen dich nächstes Jahr nicht mehr.'"

Di Resta erzählt andere Vettel-Version

Auch Paul di Resta verteidigt Vettel und berichtet von einem Gespräch mit dem Deutschen. "Ich glaube nicht, dass er sauer ist, wenn ich das erzähle", sagte der ehemalige Formel-1-Pilot bei Sky. Er sei eine Viertelstunde mit Vettel zusammengesessen. Und dabei habe der ganz offen seine Geschichte erzählt.

Ferrari habe ihm gesagt, so soll Vettel erzählt haben, dass man seinen Vertrag "wegen COVID" nicht verlängern kann. "Da hat er gefragt warum", erzählte di Resta. Als Antwort kam: "Weil dein Gehalt ziemlich hoch ist." Vettel aber sage, "dass es nicht um COVID gehen kann, weil sie ihm nie ein Angebot gemacht haben. Wer sagt, dass es um Geld geht? Ich glaube das jedenfalls nicht."

Di Resta ergänzte: "Ich weiß, dass Charles ein Star der Zukunft ist. Aber du brauchst Leadership, jemanden, zu dem ein Team aufblicken kann, der die Richtung vorgibt. Sebastian kann das. Bei Leclerc bin ich mir da noch nicht so sicher."

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