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Barcelona und München - Beim Großen Preis von Spanien in Barcelona gelingt Reifenflüsterer Vettel eine überraschende Platzierung. Lewis Hamilton schwebt derweil in anderen Sphären.

Lewis Hamilton wischte sich den Schweiß von der Stirn, nur die Hitze hatte diesen souveränen Sieg in Spanien zur Herausforderung gemacht - viel mehr hatte Sebastian Vettel erlebt. Nach vielen Duellen, einer Kommunikationspanne mit der Ferrari-Box und dank einer gewagten Strategie rettete er Platz sieben ins Ziel.

Und wurde von den Formel-1-Fans in aller Welt zum Fahrer des Tages gewählt. (DATENCENTER: Die Fahrerwertung der Formel 1)

Das Ergebnis sei "nicht wirklich versöhnlich" nach den schwierigen vergangenen Wochen, sagte der viermalige Weltmeister zwar, zumal er auch nach dem Rennen noch "etwas angekratzt" wegen der Funkpanne war: "Ich hatte ein paar Mal gefragt, auf welcher Strategie wir sind", eine hilfreiche Antwort gab es von Ferrari nicht: "Aber man muss auch nicht darauf herumreiten, es war eben ein schwieriges Rennen."

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Und Vettel wirkte zumindest gelöster als zuletzt.

Hamilton "in einer anderen Dimension"

Geradezu auf einer Euphoriewelle war Hamilton ins Ziel geritten, "ich war in einer ganz anderen Dimension", sagte er nach seinem vierten Saisonsieg, "ich habe nicht mal mitbekommen, dass es die letzte Runde war. Das war von uns als Team eine der besten Leistungen der vergangenen Zeit."

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24 Sekunden betrug am Ende der Vorsprung auf Max Verstappen, der im Red Bull mit großen Hoffnungen in den Hitze-Grand-Prix gestartet war. Doch die Reifen an den Mercedes-Boliden hielten durch, Valtteri Bottas im zweiten Silberpfeil holte Rang drei. "Am meisten freut mich", sagte Mercedes-Sportchef Toto Wolff bei Sky, "dass wir nach dem vergangenen Rennen gute Arbeit geleistet haben und jetzt ein Auto besitzen, das auch auf 50 Grad heißem Asphalt funktioniert."

In Silverstone hatte Verstappen den Weltmeistern zuletzt bei ähnlichen Voraussetzungen den Sieg weggeschnappt. Nun baute Hamilton seine Führung in der WM-Wertung wieder aus, mit 132 Punkten hat er bereits 37 Zähler Vorsprung auf Verstappen (95). (Rennkalender 2020 der Formel 1)

Reifen von Vettel bauten ab

Vettel schnupperte mit einer Ein-Stopp-Strategie sogar an seinem besten Saisonergebnis, war zeitweise auf Rang fünf unterwegs. Letztlich bauten die Reifen aber stark ab, einige Konkurrenten zogen vorbei. Vettel war dennoch der glücklichere Ferrari-Fahrer: Sein zuletzt deutlich stärkerer Teamkollege Charles Leclerc schied mit einem Motorschaden aus.

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Für Hamilton hatte sich ein derart entspanntes Rennen am Start noch nicht angedeutet, schon vor der ersten Kurve schien es sogar um einiges komplizierter geworden: Denn plötzlich war der Pole-Setter mit Verstappen allein, weil Bottas von Startplatz zwei zurückfiel.

Bei 30 Grad Lufttemperatur hatten die Teams offensichtlich den Schongang für die Reifen angeordnet. So sollte Verstappen nicht zu nah auf Hamilton auffahren, um in der verwirbelten Luft die Pneus nicht noch stärker zu beanspruchen.

Leclerc blieb einfach stehen

"Der Abstand zu Hamilton schrumpft", warnte der Red-Bull-Kommandostand, "ich weiß", gab Verstappen zurück, "er fährt aber auch sehr langsam". Doch die Reifen hielten beim Weltmeister, und während er in der Folge das Tempo anziehen konnte, klagte entgegen der Erwartungen plötzlich Verstappen über abbauende Pneus.

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Im hinteren Feld war Vettel auf einer alternativen Strategie unterwegs. Der Hesse war auf den mittelharten Reifen gestartet, Leclerc auf den weichen, und Vettel sollte so seinen ersten Stopp eigentlich länger hinauszögern können. Doch kurz nach der Rennhalbzeit kamen beide Ferrari-Piloten nacheinander an die Box, Vettels vermeintlicher Vorteil schien dahin.

Wenig später traf die andauernde Ferrari-Misere seinen Teamkollegen. Leclerc blieb einfach stehen, "der Motor ist ausgegangen, ich weiß nicht, was los ist", funkte er. Er rollte noch an die Box, doch sein Rennen war beendet.

Vettel im Streit mit Kommandostand

Die Konkurrenz setzte nun vermehrt auf einen zweiten Stopp, und Vettel rutschte nach vorne - unsicher, ob seine Reifen bis zur Ziellinie halten würden.

Vom Kommandostand gab es widersprüchliche Antworten, zunächst wurden schnelle Runden angeordnet, welche die Gummiwalzen forderten, dann erst brachte die Box die Einstopp-Strategie ins Spiel. "Verdammt, danach habe ich euch doch gerade gefragt", stöhnte Vettel.

Doch es war noch Leben in den Reifen, "lasst es uns versuchen, wir haben nichts zu verlieren", funkte er daher an die Box. Und holte am Ende zumindest sechs WM-Punkte. Man ist ja genügsam geworden bei Ferrari.

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