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München - Lewis Hamilton stellt beim Eifel-GP den Sieg-Rekord von Michael Schumacher ein. Ist der Mercedes-Pilot nun besser als der deutsche Rekord-Weltmeister?

Als Mick Schumacher Lewis Hamilton den Helm seines Vaters überreicht, lässt das auch einen coolen Schweden nicht kalt.

Mercedes-Vorstand Ola Källenius, der sich sonst lieber im Hintergrund hält und andere ins Scheinwerferlicht rückt, zeigt sich angesichts von Lewis Hamiltons 91. Sieg besonders emotional. "Es war ein purer Gänsehautmoment und eine sehr schöner Moment", beschreibt Källenius die Geste des Schumacher-Sohnes.

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Auch die Frage, wann der Vertrag mit Hamilton verlängert werde, beantwortete der Mercedes-Boss gerne – wenn auch etwas nebulöser. "Ich habe gehört, dass Toto Wolff und Lewis wegen Covid-19 noch nicht zusammenkommen konnten. Ich kann nur sagen, dass Lewis und Mercedes sehr gut zusammenpassen."

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Mercedes will Hamilton nicht verlieren

Anders als Experten wie Nico Rosberg vermuten, hängt die Zukunft von Hamilton beim Automobilkonzern nicht automatisch mit der Zukunft des Teamchefs zusammen. Källenius weiß: Hamilton ist jetzt eine Legende, die man nicht als Repräsentant der Nobelmarke mit dem Stern verlieren sollte. 

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In der Tat, in der aktuellen Formel 1 gehen Hamilton mal abgesehen von Max Verstappen die Gegner aus. Was bleibt da sonst übrig, als weiter das Phantom Michael Schumacher zu jagen? Noch ist er mit sieben WM-Titeln der Rekordchampion. Noch. Denn Hamiltons siebter WM-Pokal in dieser Saison wird ihm nur noch zu nehmen sein, wenn er gleich mehrere Rennen ausfiele.

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Die Frage liegt deshalb auf der Hand. Wer ist der Bessere?

Schumacher vs. Hamilton

Der Vergleich ist schwierig, da Schumacher und Hamilton ihre Erfolge zu unterschiedlichen Zeiten erzielt haben. So sieht das auch Ralf Schumacher. Der Grand-Prix-Gewinner und Bruder des Noch-Rekordweltmeisters zu SPORT1: "Beide haben Gigantisches erreicht. Jeder aber in seiner eigenen Zeit. Ich denke, Lewis wird alle Rekorde knacken. Man kann es ihm nur gönnen."

Einer, der Teamkollege von beiden war, ist Ex-Weltmeister Nico Rosberg. Der gebürtige Wiesbadener fuhr zusammen mit Schumacher im Mercedes-Werksteam von 2010 bis 2012 und dann mit Hamilton von 2013 bis Ende 2016. Rosberg schickt aber gleich voraus. "Als ich mit Michael zusammen fuhr, war der schon über seinen Zenit hinaus. Während ich Lewis auf dem Höhepunkt seines Schaffens erlebt habe", so der Ex-Sportler.

"Lewis hat wahrscheinlich ein bisschen mehr Naturtalent als Michael. Lewis ist wahrscheinlich das größte Naturtalent, das unser Sport je gesehen hat. So macht er dann den Unterschied. Michaels Arbeitsethik war anders. Lewis macht viel mehr mit Instinkt, Michael aber war das komplette Paket. Er hat den Unterschied als Allrounder gemacht, mit akribischer Arbeit, Detailbesessenheit, Teamspirit, mit dem er in einer führenden Rolle ein Team aufbaut. Hart arbeiten, das war Michaels größte Stärke. Und er war dazu noch ein Krieger."

Jordan pro Hamilton

Eddie Jordan sieht dagegen Hamilton vorne. Der ehemalige Teamchef und heutige BBC-Experte gab Schumacher 1991 in seinem Jordan-Team die Chance zu seinem Formel-1-Debüt.

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"Grundsätzlich gibt es nur vier Piloten, die schon in jungen Jahren ein solches Talent, einen so unglaublichen Speed, ein solches Selbstbewusstsein gezeigt haben. Ayrton Senna, Michael Schumacher, Lewis Hamilton und Max Verstappen. Mit allen vier ist es, als hätte man in einer dunklen Kammer plötzlich das Licht angeknipst. Schon beim ersten Rennen bei uns stellte Michael den Ingenieuren bohrende Fragen, die mehr Forderungen waren als Bitten. Die gerieten schon damals unter gehörigen Druck. Das waren sie nicht gewohnt", so Jordan im SPORT1-Interview.

Michael Schumacher und Lewis Hamilton fuhren gemeinsam für Mercedes
Michael Schumacher und Lewis Hamilton fuhren gemeinsam für Mercedes © Getty Images

"Ich glaube, dass es Lewis schwerer hatte, seine Titel zu holen. Michael hatte nie einen Teamkollegen, der gegen ihn fahren durfte. Zuerst spielte Eddie Irvine bei Ferrari seinen Helfer, dann Rubens Barrichello. Lewis musste sich immer erst gegen den Teamkollegen durchsetzen, hatte nie freie Fahrt vom Team. Das fing schon in seiner ersten Saison 2007 bei McLaren mit Fernando Alonso an."

Zugeständnisse an Schumacher

Jordan ist deshalb überzeugt: "Mit den Zugeständnissen, die Michael immer hatte, hätte Lewis definitiv auch schon sieben Titel und 100 GP-Siege. Denn 2016 hätte er mit einem unbeugsamen Nummer-1-Status à la Michael niemals die WM gegen Nico Rosberg verloren. Und ebenso nicht die Rennen, die Rosberg gegen ihn gewinnen durfte."

Einer, der beide auf eine Stufe stellt, ist der heutige Formel-1-Sportchef Ross Brawn. Der Brite gewann als Technikchef von Ferrari fünf Fahrertitel mit Schumacher und war 2012 als Mercedes-Teamchef die treibende Kraft, die Hamilton zu den Silberpfeilen lockte.

"Michael wollte immer mit den Ingenieuren arbeiten, Lösungen finden, war stets extrem motiviert. Besonders seine erste Runde nach dem Start war einzigartig. Er funktionierte immer perfekt wie ein Uhrwerk. Michael war ein sehr ehrgeiziger Mensch und ein extremer Kämpfer. Er hat seine sieben WM-Titel nicht geholt, weil er schnell aufgegeben hat. Zudem konnte er auch auf einzigartige Weise die Leute in der Fabrik antreiben", sagte Brawn im Gespräch mit SPORT1.

Brawn bewundert Hamilton

Hamilton sei vom Typ her völlig anders.

"Lewis ist einer, der den Menschen den Atem rauben kann. Ich hatte früher einen konservativen Blick auf das Leben, das ein Champion außerhalb der Rennstrecke zu führen hatte. Lewis hat mich eines besseren belehrt. Er liebt es, um die Welt zu reisen und zu Pop- und Modeveranstaltungen zu gehen. Ich bewundere seine Stärke, sein Ding so durchzuziehen und dabei den Erfolg zu haben. Für die Formel 1 ist es extrem wichtig, dass er genauso ist. Er wird auch in Zukunft die Messlatte sein, die übersprungen werden muss. Beide, Michael und Lewis, sind aber auf ihre Art einzigartig", ist sich Brawn sicher.

Allein: Hamilton selbst macht sich gar keine so große Gedanken über die Jagd nach Michael Schumachers Rekorden. "Für mich ist das fast schon surreal", geht der Brite in sich. "Früher sah ich Ayrton Senna und Michael Schumacher im Fernsehen. Jetzt bin ich plötzlich der Typ, den die Leute sehen. Wenn ich zuhause im Winter mit meinen Hunden auf dem Sofa liege, dann wird mir vielleicht bewusst, was ich schon heute erreicht habe." 

Hamilton vs. Schumacher: Diese Rekorde hat er schon, diese jagt er noch

WM-Titel: Michael Schumacher steht bei sieben, Lewis Hamilton hat jetzt sechs. 2020 könnte der Brite also mit dem Deutschen gleichziehen. 

Siege: 91 Rennen gewann Schumacher, 91 jetzt auch Lewis Hamilton. Aber auch in Sachen Siegquote liegt Hamilton klar vor Schumacher. Da steht es 34,62 Prozent zu 29,64 Prozent pro Hamilton. 

Siege in einer Saison: Michael Schumacher gewann 2004 stolze 13 von 17 Rennen. Sebastian Vettel holte 2013 auch 13 Siege, aber in 19 Rennen. Lewis Hamilton hat nie mehr als elf Rennen pro Jahr für sich entscheiden können. Zuletzt gelang ihm das 2018. Gewinnt er alle restlichen GP 2020, käme er auch auf 13 Saisonsiege.

Siegreiche Jahre in Folge: Als Michael Schumacher 1992 im Benetton-Ford beim Belgien-GP gewann, legte er eine beeindruckende Serie hin: Bis 2006, also 15 Jahre in Folge, gewann er immer mindestens einen Grand Prix. Hamilton steht bei 14 siegreichen Jahren in Folge – und gewann damit in jeder seiner bisherigen F1-Jahre! Das ist einmalig in der Formel-1-Historie. 

Siege bei einem Grand Prix: Acht Mal jubelte Michael Schumacher in Frankreich. Lewis Hamilton schaffte das 2020 mit dem achten Sieg in Ungarn.

Siege bei verschiedenen Grand Prix: Da hat Hamilton Schumacher schon überholt: 26 verschiedene Grand Prix gewann der Brite, Schumacher nur 22. 

Pole Positions: Auch in Sachen Poles hat Hamilton längst die Nase vorn: 96:68 steht es da für den 35-Jährigen. 

Schnellste Rennrunden: Michael Schumacher drehte 77 Mal die schnellste Runde, Hamilton 51 Mal. Heute ist das ungleich schwieriger, weil die schnellste Runde oft der Fahrer einstreicht, der zuletzt auf frische Reifen wechselt. 

Punkte: Weil seit 2010 deutlich mehr Punkte verteilt werden als früher, hat Hamilton längst auch den Allzeit-Punkterekord. Es steht 3661:1566 pro Hamilton. 

Rennen in den Punkten: Michael Schumacher holte sich in 221 seiner 302 Rennen WM-Punkte, Hamilton in 224 von 261. 

Podestplätze: Mit 160:155 führt Hamilton auch bei den Podestplätzen.

Führungskilometer: Da führt Lewis Hamilton (24.797) nun auch vor Michael Schumacher (24.148 Kilometer). 

Grands Prix mit Führungsrunden: Diesen Rekord hat sich Lewis Hamilton schon 2019 geschnappt: Er führte in 158 Rennen mindestens eine Runde lang, Michael Schumacher kommt auf 142 Rennen mit Führungskilometern. 

WM-Rennen: Mit 307 Rennen liegt Schumacher in der Bestenliste nur noch auf Rang vier (Spitzenreiter Kimi Räikkönen mit 323). Hamilton steht bei 261 Rennen.

Saisons in der Formel 1: 19 Jahre fuhr Michael Schumacher in der Formel 1: Von 1991 bis 2006 und von 2010 bis 2012. Lewis Hamilton hat seit 2007 14 Jahre Formel 1 auf dem Buckel. 

Rennen in WM-Führung: Michael Schumacher war nach 121 Rennen WM-Leader, Lewis Hamilton nach 113.

Hattricks (Sieg, Pole und schnellste Runde): Einen Hattrick schaffte Schumacher 22 und Hamilton 17 Mal.

Ausfälle: Schumacher konnte 68 Mal ein Rennen nicht beenden, Hamilton nur 26 Mal. Die Ausfallquote heute ist generell geringer.

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