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George Russell hat bei Mercedes einiges durcheinander gebracht
George Russell hat bei Mercedes einiges durcheinander gebracht © Imago
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Abu Dhabi und München - In Bahrain ersetzte George Russell den Corona-erkrankten Lewis Hamilton. Die Leistung des Briten verfolgt die Silberpfeil-Piloten auch noch eine Woche später.

In der Geschichte der Formel 1 gab es schon viele Gastspiele.

Wenn ein Pilot aus irgendwelchen Gründen nicht in sein Cockpit steigen kann, dann wird er von einem anderen ersetzt. So geschehen auch in der vergangenen Woche. Weil Mercedes-Superstar Lewis Hamilton an Covid-19 erkrankt war, wurde er von Williams-Pilot George Russell ersetzt.

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Dieser konnte mit seinem neunten Platz zwar rein ergebnistechnisch nicht beeindrucken, dennoch schwebt der Auftritt des jungen Briten über den Silberpfeilen. Im Qualifying landete er nur einen Hauch hinter Valtteri Bottas, im Rennen zog er sogar an ihm vorbei und beeindruckte mit seinen Fahrkünsten.

Nur weil die Mercedes-Box schwer patzte, und ihm verbotenerweise die Reifen von Bottas aufzog, musste er ungeplant erneut zu den Mechanikern. Weil dann auch noch ein Reifenschaden dazu kam, sprang am Ende kein Platz auf dem Podest heraus. Dennoch: Mit seiner Performance hat Russell beeindruckt und das ist auch eine Woche später noch zu spüren.

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Hamilton noch nicht wieder fit

Weltmeister Lewis Hamilton sitzt beim letzten Saisonrennen in Abu Dhabi wieder im Cockpit. Und das, obwohl er alles andere als fit ist. (Formel 1: Großer Preis von Abu Dhabi ab 14.10 Uhr im SPORT1-Liveticker)

"Heute war schon hart. Eigentlich gestern und heute. Vielleicht die härtesten Tage, die ich dieses Jahr im Auto hatte", erklärte er nach dem Qualifying und ergänzte: "Es waren einfach keine perfekten Runden, so wie sonst. Ich hatte Probleme mit dem Auto."

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Der 35-Jährige wirkte in Abu Dhabi angeschlagen. Bei der Pressekonferenz hustete er immer wieder, sprach nur mit leiser Stimme. "Ich bin nicht bei 100 Prozent. Ich habe noch ein seltsames Gefühl in der Lunge. Es wird körperlich sicher nicht das leichteste Rennen. Aber ich werde das schon hinkriegen", versuchte er sich selbst zu motivieren.

Hamilton will Bottas stärken

Als ein Journalist von ihm wissen wollte, wie es ihm bei seiner Corona-bedingten Pause in seinem Hotelzimmer in Bahrain erging, wollte der Brite nicht antworten. "Da möchte ich nicht ins Detail gehen."

Gewiss zählt Hamilton zu den Favoriten, auch wenn er nicht bei 100 Prozent ist und an Gewicht verloren hat, dennoch wirft der Einsatz beim Saisonfinale Fragen auf. Die Fahrerwertung und die Konstrukteurs-WM sind längst entschieden, der siebenmalige Weltmeister hätte sich gut und gerne weiter auf seine Rehabilitation konzentrieren können.

Dennoch ist er in Abu Dhabi am Start - und versucht Teamkollege Bottas stark zu reden. (SERVICE: Fahrerwertung der Formel 1)

Russell sorgte für Zweifel an Bottas

"Ich weiß nicht, wie viele nette Wort ich noch über Valtteri sagen kann. Ich habe nicht das Gefühl, dass er oder ich seine Performance rechtfertigen müssen. Wir hatten enge Qualifyings. Es ist ein harter mentaler und emotionaler Kampf das ganze Jahr. Schön, dass wir eine Beziehung wie zwei Gentlemen pflegen. Das spricht für seinen Charakter. Ich denke, er wird nächstes Jahr noch stärker sein, also muss ich auch an mir arbeiten. Immerhin ist er heute schon schneller als ich", sagte der Brite.

Mit der starken Leistung von Russell in der vergangenen Woche sind Zweifel aufgekommen, ob mit Bottas wirklich der – neben Hamilton – stärkste Mercedes-Fahrer im Formel-1-Cockpit sitzt. Längst setzen sich Experten und vor allem britische Pressevertreter dafür ein, dass Mercedes den Einjahresvertrag mit Bottas nicht einhält und stattdessen der Youngster als Teamkollege Hamilton einheizen kann.

In den zurückliegenden Jahren hatte Hamilton mit Bottas stets einen ungefährlichen Teamkollegen an der Seite, der ihm in der WM-Wertung nicht gefährlich wurde. Sollte Russell im Cockpit sitzen, könnte sich das schnell ändern. Wohl auch deshalb versucht Hamilton alles, um den Finnen zu behalten.

Wolff mischt sich am Funk ein

Da wirkte es nur passend, dass sich Toto Wolff während des Qualifyings am Funk bei Bottas meldete. Normalerweise mischt sich der Motorsportchef nicht ein, doch in Abu Dhabi war dies anders. Vor der letzten Runde im Q3 richtete er markante Worte an den Finnen. "Alles, was du hast, Valtteri", war dort zu hören. (SERVICE: Konstrukteurswertung)

Davon, dass die Luft für Bottas immer dünner wird, wollte Wolff nach dem Qualifying freilich nichts wissen. Der Finne habe lediglich schwierige Wochen hinter sich und darum gebeten, mehr Unterstützung zu erfahren, erklärte der Österreicher sein Eingreifen.

Dabei hatten die Aussagen von Wolff nach dem vergangenen Rennen noch ganz anders geklungen. "Der schwarze Schwan schwimmt immer dann vorbei, wenn man es am wenigsten erwartet. Mit George Russell wurde ein neuer Star geboren", hatte er erklärt.

Nun die Wendung um 180 Grad. Nach dem Qualifying sprach Wolff Bottas eine Jobgarantie für 2021 aus. Ob dies die Stimmen der Kritiker verstummen lässt, darf bezweifelt werden.

Vertrag von Hamilton noch nicht fix

Und selbst bei Hamilton steht nichts fest. Noch hat der Brite keinen neuen Vertrag unterschrieben. Die geplanten Gespräche haben sich durch die Corona-Erkrankung des Sportlers verschoben.

"Er hat sieben WM-Titel gewonnen und ist damit gleichgezogen mit Michael Schumacher. Er liebt das Rennfahren, die Wochenenden geben ihm Struktur. Aus meiner Sicht spricht also nichts dagegen, dass er weitermacht, und ich gehe mit großer Wahrscheinlichkeit davon aus. Aber ich würde nichts ausschließen", ließ Wolff im SZ-Interview zumindest ein Hintertürchen offen.

Beim Rennen am Sonntag starten Bottas und Hamilton von den Rängen zwei und drei, Russell ist mit seinem Williams auf Startplatz 18 weit entfernt. Das britische Schreckgespenst dürfte sich dennoch nicht so schnell verziehen.

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