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Red Bull kann den Vorsprung auf Mercedes in Baku nicht entscheidend ausbauen. Max Verstappen redet Klartext wegen Pirelli.

Nur knapp eine Stunde, nachdem er seinem Fahrer Sergio Pérez auf dem obersten Treppchen des Podiums beim Großen Preis von Aserbaidschan zugejubelt hatte, war Red Bull-Motorsportberater Helmut Marko schon auf dem Weg in den Flieger zurück nach Graz.

"Am Ende war es ausgleichende Gerechtigkeit nach der Achterbahn der Gefühle, die wir heute erlebten", bedankte er sich beim Renngott im Telefongespräch mit SPORT1. (Rennkalender der Formel 1 2021)

Marko freute sich natürlich über den Sieg von Pérez, aber der Reifenplatzer des bis dato souverän Führenden Max Verstappen nagte am Gemüt des Doktors der Rechtswissenschaften: verpasste Chance auf den Ausbau der WM-Führung um elf Punkte, verpasste Chance auf den dritten Saisonsieg des fliegenden Holländers im Jahr 2021.

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Red Bull und Mercedes: Ungewohnte Einigkeit

Da kam der Verbremser von Lewis Hamilton beim stehenden Neustart zwei Runden vor Schluss als kleines Trostpflaster gerade recht. "Karma", nannte es sogar Mercedes-Teamchef Toto Wolff.

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Ungewohnte Einigkeit an der WM-Spitze. Bisher haben sich die beiden Top-Teams auch verbal mit harten Bandagen bekämpft. Doch nach dem Rennen in Baku stand Reifenhersteller Pirelli im Fokus.

Hintergrund: Sowohl bei Aston-Martin-Pilot Lance Stroll als auch bei Verstappen platzte der linke Hinterreifen kurz vor Start-Ziel. Beide bogen bei Geschwindigkeiten von weit über Tempo 250 ab in die Mauer.

Und trotzdem hält sich Red Bull mit Schuldzuweisungen noch zurück. Teamchef Christian Horner gibt nur zu, dass er in einer Stunde "um rund 20 Jahre" gealtert sei. Der erste Doppelsieg seit 2016 lag in der Luft. Dann der Reifenschaden.

"Unser Renningenieur hat noch bei Max nachgefragt, da schien alles okay zu sein", verriet der Brite. "Und dann 'boom!'. Im Moment wissen wir noch nicht, was passiert ist. Der Verschleiß sah gut aus. Man konnte sehen, dass plötzlich Luft austrat. Ob das von einem Trümmerteil herbeigeführt wurde, wissen wir nicht." (Alle Rennen der Formel 1 im LIVETICKER)

Pirelli: Trümmerteil verantwortlich

Diese Theorie vertritt – natürlich – Pirelli. Als Reifenmonopolist beliefert der italienische Reifenhersteller die Königsklasse, um Werbung für seine Straßenprodukte zu machen. Da stören vermeintliche Qualitätsmängel nur.

Deshalb sagte Sportchef Mario Isola: "Die erste Vermutung ist, dass da irgendwo ein Trümmerteil auf der Strecke lag. Der hintere Reifen ist nicht der, der besonders unter Stress steht. Es ist eher der Reifen vorne rechts. Wir haben bei Lewis Hamiltons Reifen hinten links auch einen Schnitt gefunden, der aber nicht bis in die Struktur des Reifens ging. Das war ganz eindeutig ein Cut durch ein Trümmerteil."

Gegen diese Theorie spricht: Bereits am Freitag hat Pirelli den Reifendruck der hinteren Pneus von 19 auf 20 Psi erhöht. Solche Maßnahmen sprechen meist für Probleme beim Verschleiß an der Hinterachse.

Verstappen: "Da muss etwas falsch laufen"

Klartext redet nur der Verunfallte selbst. Verstappen kennt die Politik in der Formel 1 genau. "Pirelli wird wie immer sagen, dass da ein Teil von einem anderen Crash auf der Straße lag", sagte Verstappen und fügte hinzu: "Ich glaube, das kann nicht immer so sein. Stroll hatte denselben Crash wie ich. Da muss etwas falsch laufen."

Sein Vater Jos, ebenfalls bekannt für klare Worte, betonte gegenüber SPORT1: "Wäre der Reifen ein paar hundert Meter später geplatzt, wäre mein Sohn mit Tempo 300 geradeaus in die Mauer gerast." (Fahrerwertung der Formel 1)

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Allein: Auch Verstappen junior tröstet sich mit dem Nuller seines WM-Rivalen Hamilton, jubelte seinem Teamkollegen Pérez unter dem Podium sogar zu. "Das zeigt, wie stark Max auch als Persönlichkeit gereift ist. Ein echter Sportsmann", sagte Marko.

Verstappen und sein Chef wissen, dass sie neben einem superschnellen Auto endlich auch einen Teamkollegen haben, der den Niederländer im WM-Kampf gegen Lewis Hamilton und Mercedes unterstützen kann.

Schlechte Laune bei Mercedes

Entsprechend schlecht war die Laune bei Mercedes. 26 Punkte Rückstand in der Konstrukteurs-WM, vier bei den Fahrern – bei den Schwarzpfeilen schrillen nach Platz zwölf durch Valtteri Bottas die Alarmglocken.

"Die letzten zwei Wochen waren katastrophal für uns. Das war ein hundsmiserables Rennen", gibt Teamchef Toto Wolff zu. "Das Ergebnis war wahrscheinlich verdient. Das Auto war das ganze Wochenende schlecht, Platz drei (Hamiltons Rang vor der Rennunterbrechung; d. Red.) war eigentlich schon besser als erwartet."

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Doch unter Druck macht sogar ein siebenmaliger Weltmeister wie Lewis Hamilton Fehler. Beim Hochschalten kam der Brite offenbar an einen Knopf zur Bremskraftverstellung. "Er hat nur vorne gebremst", verriet Wolff. Hamilton ergänzte: "Es ist passiert, als Sergio Pérez beim Neustart neben mich fuhr und ich am Lenkrad drehen musste."

Immerhin: Das Reifen-Desaster hat Feuer aus der Politik neben der Rennstrecke genommen. Einen Protest, mit dem Mercedes aufgrund der flexiblen Red-Bull-Flügels gedroht hatte, wird man nicht einreichen. Wolff: "Wir werden Sergio (Pérez, Anm. d. Red.) nicht rausprotestieren und den neuen FIA-Tests ab Frankreich vertrauen."

Da reift wohl auch die Erkenntnis: Viel Lärm um wenig gewinnt keine Rennen und keine WM.

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