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Gleich drei Fahrzeuge überholten illegal vor der Startlinie - Von Toyota und Ginetta hagelt es Kritik am bewussten Trödeln des Rebellion-Polemanns

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Wenn es am Rebellion-Sieg bei den 4 Stunden von Schanghai irgendetwas auszusetzen gäbe, dann vielleicht die Startphase. Norman Nato fiel binnen weniger Kurven bis ins LMP2-Feld und musste sich erst wieder vorkämpfen. Die Gegner sind derweil äußerst ungehalten über seinen Start: Hier hat der Franzose bewusst drei Autos in eine Falle gelockt.

Wie es aussieht, hat Nato das sportliche Reglement sehr genau studiert. Er machte sich einen bisher nicht beachteten Passus zunutze. In Artikel 11.2.1 des Sportlichen Reglements der Langstrecken-Weltmeisterschaft (WEC) heißt es: "Alle Fahrzeuge halten ihre Position, bis sie die Startlinie passiert haben." Die Startlinie liegt auf den allermeisten Strecken weiter vorn als die Ziellinie.

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Das taten Charles Robertson, Ben Hanley und Kamui Kobayashi nicht: Sie überholten den dahinbummelnden Rebellion #1. Das sollte sich rächen, denn alle drei Fahrzeuge bekamen am Ende der ersten Stunde eine Durchfahrtsstrafe aufgebrummt. Ginetta verärgerte Rennleiter Edoardo Freitas, indem sie die Strafe absaßen, bevor er diese offiziell verkündet hatte. Sie wurde aber anerkannt.

Natürlich sehen die betroffenen Teams die Situation kritisch, denn Nato hat ein ungeschriebenes Gesetz bewusst gebrochen. 'Motorsport-Total.com' sprach mit Robertson, Nato, Kobayashi und Toyota-Technikchef Pascal Vasselon über den Start. Und traf auf sehr gemischte Gefühle.

Sicherheitslücke im Reglement?

"Was da passiert ist, sehr gefährlich", sagt Vasselon. "Wenn das führende Fahrzeug nicht beschleunigt, werden alle Autos in LMP2-Feld gedrückt. Und wenn der Kerl an der Spitze das absichtlich macht, ist das eine ernste Angelegenheit. Man stelle sich mal vor, alle LMP1 hätten gebremst und alle anderen hätten durchgezogen."

Genau das ist Sebastien Buemi passiert, der sich als einziger LMP1-Verfolger der Regel bewusst zu sein schien und vor der Startlinie abbremste. Doch selbst der massive Hybridboost konnte nicht ausgleichen, was er dadurch an Schwung verloren hatte. Er fand sich im Geschlängel der ersten Kurven gemeinsam mit Nato mitten im LMP2-Feld wieder.

"Das ist extrem gefährlich und solche Dinge müssen untersucht werden", findet Vasselon. "Es ist einfach nicht richtig, beim Start vom Gas zu gehen oder sogar zu bremsen. Wir sind sehr überrascht über die Strafe. Wir dachten, er hätte ein Problem. Das ist ein neues Thema, das man sich ansehen muss. Es geht ums Thema Sicherheit." Und da versteht die FIA bekanntlich keinen Spaß.

Nato erklärt: Keine Taktik

Kobayashi sagt, dass er nicht mehr auf das Tempo von Nato verzögern konnte: "Wir dürfen ihn nicht vor der Startlinie überholen, aber er hat überhaupt nicht beschleunigt. Er hat verzögert. Das konnte ich nicht mehr, weil hinter mir die Ginettas beschleunigt haben. Ich musste los. Es war grün, deshalb haben wir Gas gegeben. So ist das normalerweise. Wir sind verwirrt."

Robertson, der die Führung im ersten Stint übernahm, ist ebenfalls unzufrieden: "Der Start war die Definition eines Staus für uns. Ich nehme ihm das ärgerlich gesagt etwas übel. Rebellion hat hier clever taktiert. Es ist eine Regel, dass man nicht vor der Linie überholen darf. Aber in jedem Rennen, das ich bisher gefahren bin, hat der Spitzenreiter bei Grün beschleunigt."

Nato selbst sieht sich natürlich absolut im Recht: "Es gibt eine Regel und die haben sie gebrochen. Nur weil da ein grünes Licht ist, bedeutet das nicht, dass man voll auf den Pin steigen muss. Der Polemann bestimmt die Pace. Es gibt eine weiße Linie und bis dahin darf man nicht überholen. Deshalb kann ich mir aussuchen, was ich tue und lasse."

"Ehrlich gesagt war es gar keine Strategie, nur ein [spontanes] Gefühl. Als die Ampel auf Grün sprang, hatte ich das Gefühl, dass es noch nicht an der Zeit war, Vollgas zu geben. Sie haben die Regeln nicht befolgt und sind dafür bestraft worden. Der einzige, der sich dran gehalten hat, war Buemi. Er hätte mich ebenfalls überholen können, hat aber gebremst."

Reifen Schuld an schlechter Erstrunden-Performance

Kapital konnte er aus dem Start nicht schlagen. Der 27-Jährige fiel im Laufe der ersten Kurven weit zurück und kam zunächst überhaupt nicht in Gang. "Ich hatte Probleme mit der Reifentemperatur", erklärt er. "Das haben wir zwar erwartet. Aber nicht, dass es so heftig ausfallen würde."

Bis zu seinem Boxenstopp konnte er nur den hinteren Toyota überholen. Bei jenem Stopp wurden Reifen und Fahrer getauscht. Gustavo Menezes fuhr dann in einem Doppelstint bis an die Spitze.

Teamkollege Bruno Senna springt dem Franzosen zur Seite: "Ich kann Norman nachvollziehen. Auch ich bin auf Reifen gefahren, die wir bereits im Qualifying verwendet hatten, und hatte damit Probleme. Da habe ich sogar Zeit verloren auf Fahrzeuge, die schon auf ihrem Satz im zweiten Stint waren."

"Als wir dann zwei neue Reifen montierten, hat das alles geändert. Es war wie ein neues Auto und es hat mir die Möglichkeit gegeben, zu attackieren."

© Motorsport-Total.com

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