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WM-Märchen: Ein deutscher Autoverkäufer entdeckte diesen 2,21 m großen Star

WM-Märchen dank deutschem Urlauber

Der Inselstaat Kap Verde ist das kleinste Land, das je bei einer Basketball-WM dabei war. Der Star des Teams wurde einst von einem deutschen Autoverkäufer entdeckt.
Nach ihrer Bronzemedaille bei der Basketball-EM schwärmt das Team rundum DBB-Kapitän Dennis Schröder von der Nationalmannschaft.
Der Inselstaat Kap Verde ist das kleinste Land, das je bei einer Basketball-WM dabei war. Der Star des Teams wurde einst von einem deutschen Autoverkäufer entdeckt.

Es war ein historisches Match bei der Basketball-WM - für beide Teams.

In einem Duell zweier Teams, die erstmals bei einer Weltmeisterschaft dabei waren, bejubelte Georgien mit den NBA-Stars Goga Bitadze and Sandro Mamukelashvili seinen ersten Triumph.

Mit 60:85 hatte Gegner Kap Verde das Nachsehen. Das Team, das trotz seiner Niederlage eine Geschichte hat, die nochmal ein Stück spezieller ist.

Der Inselstaat westlich des afrikanischen Kontinents ist mit seinen rund 580.000 Einwohnern - weniger als Bremen - das kleinste Land, das je bei einer WM dabei war. Unabhängig davon, ob es die Qualifikation für das Turnier mit Superstars wie Luka Doncic noch mit einem Sieg veredeln kann, ist allein die Präsenz bei dem Asien-Turnier eine unwahrscheinliche Sensation.

Mindestens so unwahrscheinlich wie die Geschichte von Center Edy Tavares. Eine Geschichte von zu kleinen Schuhen und doch großen Aussichten, in der auch ein deutscher Autoverkäufer eine Schlüsselrolle spielt.

Der 2,21 Meter große Tavares ist der Leuchtturm der kapverdischen Basketballer, die in der Weltrangliste als 64. von 161 Teams geführt werden. Er spielt bei Real Madrid, ist gar einer der besten Big Men der spanischen Liga und der EuroLeague.

Das Verblüffende dabei: Tavares hielt bis zu seinem 18. Lebensjahr nicht einmal einen Basketball in der Hand. Auch für den Sport geeignete Schuhe der Größe 51,5 hatte er zu Beginn seiner Karriere nicht.

Einem Bericht von olympics.com zufolge benötigte es einen deutschen Touristen, Joachim sein Name, der als Autoverkäufer auf den kanarischen Inseln arbeitete, um Tavares zu entdecken.

Tavares spielte bis zu seinem 18. Lebensjahr kein Basketball

Seine schiere Größe schien den Mann zu veranlassen, dem Frontoffice von CB Gran Canaria, einem Klub aus der höchsten spanischen Spielklasse, einen Besuch abzustatten und die Bosse von einem Transfer des Mannes in ihre Jugendabteilung zu überzeugen - ohne, dass dieser jemals zuvor Basketball spielte.

Tavares, der auf der Insel Maio im Lebensmittelladen seiner Großmutter jobbte und Milch und Fische verkaufte, schien mit jenem Ball am Anfang Probleme zu haben. Ein erster Scouting-Bericht verriet: Er habe den Ball zwar nicht werfen können, war aber mit seinen 2,16 Metern im Alter von 17 Jahren groß genug, um in der Defensive jegliche Rebounds abzufangen. Ein Versuch schien es also wert.

Und Tavares, der mit vollständigem Namen übrigens Walter Samuel Tavares da Veiga heißt, schien sich dem Projekt verschrieben zu haben. Auch, weil er einen Ausblick sah, seine Familie künftig finanziell unterstützen zu können. So durchlief Tavares von der zweiten Jugendauswahl des Klubs alle Stufen bis zur ersten Herrenmannschaft in der wohl zweitbesten Spielklasse der Welt nach der NBA.

Und trotz des Scheiterns eines Versuchs in Übersee (NBA-Draft-Pick 2014: 43. Stelle von den Atlanta Hawks), womit er logischerweise für sein Land Geschichte schrieb, gab der heute 31-Jährige den Traum nicht auf. Auch dank Coach Aíto García Reneses, der bereits die NBA-Stars Ricky Rubio und Pau Gasol auf ihr US-Abenteuer vorbereitete, sollte sich Tavares langfristig in Europa durchsetzen können.

NBA-Trade für Kapverdianer von Real Madrid?

Mittlerweile kann er in seiner Vita zwei EuroLeague-Titel mit Real Madrid, drei nationale Meisterschaften und fünf Supercups verbuchen. Dazu eine dreimalige Auszeichnung als bester Verteidiger der EuroLeague und in der vergangenen Saison gar die Auszeichnung zum Final-Four-MVP.

Weil dem kapverdischen Verband bei der Vorbereitung auf die WM nun das Geld ausging, organisierte Tavares offenbar kostenlose Trainingseinheiten im Madrider Trainingskomplex für seine Teamkollegen.

Schon vor Turnierbeginn verdeutlichte Tavares, dass dabei sein alles ist für sein Team: „Wir wollen bei der Weltmeisterschaft Spaß haben. Es ist eine Belohnung für das Land.“

Für eine noch größere Belohnung reichte es gegen Georgien nicht, obwohl Tavares mit seiner Präsenz 12 Rebounds abgriff und in dieser Hinsicht bester Mann auf dem Platz war.

Tavares‘ persönliches Märchen könnte sich noch fortsetzen, wenn er weiter auf sich aufmerksam macht: Das NBA-Team Portland Trail Blazers soll ihn beobachten und sich mit einem Trade beschäftigen.