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SPORT1-Meinung zur Entthronung des FC Bayern durch Bamberg

Meinung: Hoeneß' Impulse fehlen

Der FC Bayern verpasst auch national sein Ziel und muss sich dem neuen Krösus Bamberg beugen. Die Fürsprache des Ex-Präsidenten fehlt. Nun stellt sich die Europafrage.
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© Getty/Sport1
Der FC Bayern verpasst auch national sein Ziel und muss sich dem neuen Krösus Bamberg beugen. Die Fürsprache des Ex-Präsidenten fehlt. Nun stellt sich die Europafrage.

Die Bamberger sind zurück auf dem Thron, doch gemessen an den mitreißenden Playoffs hätten auch die beiden anderen großen B - Berlin und der FC Bayern - den Meistertitel verdient gehabt.

Die entthronten Münchner haben jedoch, trotz ihres auch im entscheidenden fünften Finalspiel dokumentierten unbeugsamen Willens, in der ersten Saison nach der Inhaftierung von Uli Hoeneß Rückschritte gemacht.

Sechseinhalb Monate nach dem Verpassen der Top-16-Runde in der Euroleague verpasste der FCB nun auch national sein wichtigstes Ziel. Dazwischen setzte es zudem im deutschen Pokal mit dem Viertelfinal-Aus und im zweitklassigen Eurocup mit dem überdeutlichen Achtelfinal-K.o. herbe Rückschläge.

 

Gravierend schlug dabei das immense Verletzungspech ins Kontor. Und anders als Bamberg besserten die Bayern ihren Kader nicht dauerhaft nach, sodass die Hüftblessur von Anton Gavel aus dem zweiten Finalspiel die eine Verletzung zu viel im Meisterkampf war.

Hatten die Bayern trotz der Weggänge von MVP Malcolm Delaney und Topathlet Deon Thompson bereits im Sommer auf einen Königstransfer verzichtet, ließen sie Ende Januar den zwei Monate zuvor verpflichteten Bo McCalebb in die Vereinslosigkeit ziehen.

Dabei hätten Spieler, Trainer und Sportdirektor den Regisseur, 2011 unter die fünf besten Spieler der EM gewählt, gerne behalten.

Doch für dessen Gehaltsvorstellungen wurde dem Vernehmen nach kein grünes Licht gegeben. Ein weiteres Indiz, dass Hoeneß' ständige und nachdrückliche Fürsprache dem Projekt Basketball im FC Bayern derzeit fehlt.

Somit fanden die Bayern in den Finals nicht nur ihren Meister, sondern auch ihren neuen Krösus. Viele Experten wiesen darauf hin, dass die Brose Baskets unter neuer Geschäftsführung diesmal den deutlich höheren Spieleretat hatten.

Dennoch waren die Bayern letztlich auf Augenhöhe und dürften es ohne große Veränderungen am Kader auch 2015/16 sein.

Topscorer Nihad Djedovic und Supertalent Paul Zipser haben trotz langer Verletzungspausen einen weiteren Entwicklungsschub bekommen, Heiko Schaffartzik und Gavel sind gerade dann, wenn es ums Ganze geht, Erfolgsgaranten. Und alle vier verfügen über einen deutschen Pass sowie mit Ausnahme von Schaffartzik über einen auch für die nächste Saison gültigen Vertrag.

Doch dem Klub stellt sich die Europafrage: Wollen die Bayern auch auf internationalem Parkett, wie von Ex-Präsident Hoeneß mittelfristig angestrebt, unter die Besten vorrücken?

Falls ja, müssen sie sich zu Transfers in einer sportlich wie finanziell neuen Größenordnung entschließen.